Die Geschichte vom Schneewittchen kennt wohl jeder, auch wenn man in erster Linie an Walt Disneys zuckersüße Version des Märchens denken mag. In Michael Cohns Film wird die altbekannte Geschichte aber auf neue und durchaus erwachsene Art erzählt. Das Grundgerüst der Geschichte ist dasselbe geblieben. Hier wie dort trachtet die böse Hexe Claudia (Sigourney Weaver) dem schönen jungen Schneewittchen Lilli (Monica Keena) nach dem Leben, um so weiterhin die Schönste im ganzen Land sein zu können. Aus dieser Konstellation ergibt sich aber im Folgenden eine Geschichte, die man ohne den altbekannten Namen vielleicht gar nicht so schnell mit Grimms Märchen in Verbindung gebracht hätte.
SCHNEEWITTCHEN ist ein ausgezeichneter Film geworden, der im düsteren Bereich des Gotik-Horrors schwelgt und aufgrund seiner dezenten Entwicklung des Schreckens den Vergleich mit klassischen britischen Schauergeschichten nicht zu scheuen braucht.
Der Film besticht mit durchwegs guten Schauspielern, allen voran Sigourney Weaver, die ihre Figur zu mehr macht als nur der mordlüsternen, bösartigen Hexe, die ein einfacher gestrickter Film wohl bevorzugt hätte. Ihre Claudia ist eine von ihren eigenen Obsessionen getriebene Frau, die zwar über schwarzmagische Kräfte verfügt, vor allem aber durch ihr langsames Abgleiten in den Wahnsinn zu einer Bedrohung für alle anderen wird.
Aber nicht nur die schauspielerischen Leistungen – darunter die von Sam Neill als Lillis Vater Frederick – sind makellos, auch die Ausstattung und die Kulissen tragen dazu bei, den Zuschauer in den Bann des Films zu ziehen. Und Monica Keena, später durch DAWSON’S CREEK und FREDDY VS. JASON bekannt geworden, ist als Schneewittchen bezaubernd.
Abgerundet wird das Spektakel durch die unaufdringlichen und doch sehr schön gestalteten Spezialeffekte, für die der Terminator-Veteran Ernesto Farina verantwortlich zeichnet, und Mike Southons dynamischer und mitreißender Kameraführung, die bisweilen zu richtigem Eigenleben findet.
Dieses SCHNEEWITTCHEN ist ganz anders als alle seine Vorgänger und dabei ein schönes Beispiel dafür, wie auch Erwachsene wieder für die Welt der Märchen und Mythen begeistert werden können.




