Es gibt Filme, aber auch Serien, von denen spricht man nur unter vorgehaltener Hand. Guilty Pleasures, die man zwar mag, von denen man aber nicht unbedingt mag, dass andere wissen, dass man „so ’nen Schund“ ansieht. Ein vorzügliches Beispiel einer solchen Serienblume ist LEXX. Ich für meinen Teil war von den vier Fernsehfilmen echt begeistert. Die Effekte sahen zwar stark nach billigem PC-Game aus, aber die Geschichten waren schräg, die Charaktere schrill, die Sets billig und das Ambiente sowieso total abgedreht. Und dann war da natürlich noch die süße Eva Habermann, die zur Freude ihrer männlichen Fans auch noch den Duschnackedei geben durfte (inklusive Würgen des phallushaften Duschkopfs). Die wöchentliche Serie selbst konnte mich dann nicht mehr gar so sehr faszinieren, was aber nicht nur an ihr selbst, sondern auch an der katastrophalen Ausstrahlungsweise von RTL2 lag. Nicht nur gab es gut und gern 20 Minuten Werbung pro Folge, nein, nach nur einer Handvoll Episoden warf man die Serie komplett aus dem Programm. Tja, und dann kam eine ganze Weile gar nichts mehr. Ich vergaß LEXX, aber vor ein paar Jahren trug es sich zu, dass ich doch noch mal drüber stolperte. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, noch mal in die Serie reinzusehen, doch ein guter Freund rief an und brüllte mir begeistert ins Ohr, dass bei LEXX gerade eine Musical-Folge am Laufen war.
Nun, das klang interessant und so besah ich mir das Schauspiel etwas genauer. „Der Letzte der Brunnen-G“ (im Original etwas passender „Brigadoom“ betitelt) ist all das, wofür man LEXX lieben muss: Die Folge ist witzig, sie ist mutig, sie ist schräg und sie ist himmelschreiend billig. Wie billig? Tja, das Geschehen findet auf einer Theaterbühne statt, auf der Kai, Xev und all die anderen ihre Lieder schmettern. Am Ende gibt’s gar noch Effekte aus dem Pilotfilm, die auf eine Leinwand hinter der Bühne projiziert werden. Das mag nun zwar nicht besonders toll klingen, aber diese Folge verfügt über soviel Charme, dass man sich ihrer Wirkung nicht entziehen kann.
Interessant an solchen Serienmusicals ist auch immer, zu sehen, wer von den Schauspielern wirklich singen kann und wer nicht. Bei LEXX hält sich das alles in Grenzen. So richtig rekordverdächtig singt keiner, doch nett anzuhören ist es allemal. Übrigens wurden die Gesangseinlagen sogar deutsch synchronisiert. Wer also schon immer mal Fox Mulder (oder besser dessen deutschen Sprecher Benjamin Völz) beim Liedchenträllern erleben wollte, der hat hier die Gelegenheit. Dem Kai-Darsteller Michael McManus steht er dabei in nichts nach. Tatsächlich dachte ich für einen Moment, der Völz würde Kai auch im Original singen, so ähnlich klingen die beiden.


