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Der tiefe Sturz von Babylon 5

Schon Rocky sagte: „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.“ Sollte es nach der filmischen Monstrosität VERGESSENE LEGENDEN, mit der J. Michael Straczynski zum bislang letzten Mal versuchte, sein BABYLON 5-Universum auszubauen, nicht ein für allemal vorbei sein, dann nur deswegen nicht, weil JMS als großer Drehbuchautor Warner nun mehr Kohle für einen Kinofilm aus dem Kreuz leiern könnte. Nach dem Ende der Hauptserie musste man viel ertragen: halbgare Fernsehfilme, eine lahme Nachfolgerserie und einen kindischen Rangers-Film. Dass die tiefsten SF-Niederungen aber auch damit noch nicht erreicht waren, beweist JMS mit den VERGESSENEN LEGENDEN.

Fassen wir kurz zusammen: JMS kündigte diese direkt für den DVD-Markt konzipierte Anthologie an. Er plante ursprünglich drei Episoden, die alle miteinander verwoben sein sollten. Im Mittelpunkt stehen Lochley, Sheridan und Garibaldi. Doch die Zwänge des Budgets zwangen schon in der Drehbuchphase, die Garibaldi-Episode zu streichen. Was bleibt, sind zwei Episoden. In der ersten bekommt es Lochley mit einem Dämon zu tun – vielleicht auch mit dem Leibhaftigen selbst – und stellt sich zum Schluss praktisch die Frage: „Wozu braucht der Teufel eine Raumstation?“

Sie hätte vielleicht Captain Kirk fragen sollen – oder JMS hätte diese Idee am besten gleich wieder in der Schublade der drögen Geschichten verschwinden lassen sollen. Doch für seinen Film passte sie, muss er sich gedacht haben. Warum? Weil man nur drei Schauspieler braucht, die vor Green Screen agieren und denen man im Gesicht ständig ablesen kann, wie verloren sie sich fühlen.

In der zweiten Geschichte geht es um Sheridan. Er muss sich die Frage stellen, ob man einen Despoten und Massenmörder von morgen schon heute töten darf. Dass er überhaupt darüber nachdenkt, offenbart, dass JMS kaum noch die selbst erfundene Figur versteht. Er hangelt sich durch ein Story-Konstrukt, das einen Riesenbart hat. Vermutlich einen Oberlippenbart, denn den scheint der Technomagier Galen, seines Zeichens ein Flüchtling aus BABYLON 5: CRUSADE, fortwährend zu zwirbeln. Eigentlich ist er ja ein Guter, aber Peter Woodward spielt so beherzt übertrieben, dass man meinen könnte, der Leibhaftige aus der ersten Geschichte hätte auch gleich noch von ihm Besitz ergriffen. Optisch sind beide Geschichten zutiefst deprimierend. Dieser „Film“ schafft es, die Leere der Settings direkt auf den Zuschauer zu übertragen. Man fühlt sich ausgehöhlt und missbraucht, während man dieses Werk begutachtet.

VERGESSENE LEGENDEN sieht aus wie ein Fanfilm. Offenbar wurde hier extrem kostengünstig produziert. Es scheint, JMS hat vergessen, was BABYLON 5 ausmachte – oder vielleicht hatte er auch nur jene eine große Geschichte in sich, weswegen die Trabanten, die nach dem Serienende kamen, allesamt enttäuschten. Und selbst die Dialoge – ansonsten eine der Stärken von JMS – sind dumm und lachhaft. Vielleicht sind die VERGESSENEN LEGENDEN in gewisser Hinsicht sogar mehr, als man hätte erwarten können. Vielleicht spiegeln sie den inneren Zustand von JMS wieder, der sich an eine Zeit und eine Erfahrung klammert, die nicht wiederholbar ist. Im Leben muss man lernen, auch loslassen zu können. Man kann sich der Selbsttäuschung hingeben, doch irgendwann wird auch JMS erkennen müssen, dass die Vergangenheit vergangen ist. Vielleicht brauchte es diesen letzten Film, um den Abschied zu ermöglichen. Und vielleicht sollte B5 den unvergessenen Schauspielern Richard Biggs und Andreas Katsulas folgen … beyond the rim sozusagen.

Grandiose Reden: Babylon 5 – In the Beginning

Autor J. Michael Straczynski ist immens begabt. Aber seine vielleicht größte Stärke ist das Schreiben von Reden. In seinem Magnum Opus BABYLON 5 hat er eine Vielzahl grandioser Reden geschrieben, denen allen eines gemein ist: Sie sind extrem mitreißend, sie sorgen für Gänsehaut und sie stimulieren das emotionale Zentrum im Gehirn. Man kann sie nicht hören, ohne bewegt zu sein. Sicher, die Wirkung ist noch größer, wenn man tief in der Serie steckt, doch auch für sich betrachtet, sind die von JMS geschriebenen Reden phantastisch. Zwei der schönsten gibt es im Fernsehfilm IN THE BEGINNING.

Londo – in der Zukunft Imperator über das in Flammen stehende Reich der Centauri – erinnert sich an den Krieg zwischen Menschen und Minbari. Er bewundert den Mut der Menschen, die zwei Jahre auf verlorenem Posten kämpften und um die eigene Vernichtung wussten. Neben den mitreisenden Bildern und Peter Jurasiks phänomenaler Darbietung ist es auch die Musik von Christopher Franke, die zu Tränen rührt.

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Im selben Film gibt es eine Rede der Präsidentin der Erdallianz. Die Situation ist die, dass die Minbari vor der Erde stehen. Der finale Schlag zur Auslöschung der Menschheit steht bevor. Und die Präsidentin bittet jeden fähigen Mann mit einem Schiff in den sicheren Tod zu gehen – um Minuten zu erkaufen, die für die Evakuierung und damit letzten Endes die Rettung der letzten Überbleibsel der Menschheit vonnöten sind. Die Rede ist derart phantastisch, dass man nur zu gut verstehen kann, warum Menschen sich opfern, um der Nacht die Stirn zu bieten.

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Was wurde aus Captain Power?

Tim Dunigan ist ein Schauspieler, den Fans von DAS A-TEAM ebenso wie Fans von SF-Serien der 80er Jahre kennen dürften. Der 1955 geborene Schauspieler spielte 1983 im Pilotfilm von DAS A-TEAM die Rolle des Faceman. Eigentlich hätte er damit als Schauspieler zu Ruhm und Reichtum kommen sollen, denn die Stephen-J.-Cannell-Produktion war einer der großen Serienhits der 80er Jahre. Doch nach dem Pilotfilm entließ man ihn aus seinem Vertrag. Die Produzenten waren zu der Erkenntnis gelangt, dass er für die Rolle viel zu jung sei. Ersetzt wurde er dementsprechend vom zehn Jahre älteren Dirk Benedict.

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Die Geschichte eines Erfolgs über Nacht war damit zum Teufel, denn mit dem Pilotfilm hatte Dunigan sein Film- und Fernsehdebüt gegeben. Die folgenden Jahre waren bestimmt von einer Handvoll Gastauftritte in Serien und einem Fernsehfilm. Erst 1987 erhielt er seine zweite Chance auf eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler. Er wurde in der Hauptrolle des Captain Jonathan Power in der Serie CAPTAIN POWER AND THE SOLDIERS OF THE FUTURE engagiert. Die auf Spielzeugfiguren von Mattel basierende Serie, die großteils vom späteren BABYLON 5-Erfinder J. Michael Straczynski geschrieben wurde (und weitere künftige B5-Mitstreiter hinter den Kulissen beherbergte) war die erste interaktive Serie des Fernsehens,  bei der es in jeder Folge ein Segment gab, das mit den Spielzeugen der Kinder interagierte. Die Show überlebte nur eine Staffel, da sie mit Produktionskosten von einer Million Dollar pro Folge zu teuer war und zwischen allen Stühlen saß: zu gewalttätig für Kids, vom Titel her zu doof für Erwachsene. Wer sie gesehen hat und das SF-Herz auf dem rechten Fleck trägt, wird mit einiger Nostalgie auf diese doch ziemlich coole Serie zurückblicken.

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Nach dem Ende der Serie verschwand Tim Dunigan mehr oder weniger. Ein paar Gastauftritte in Serien, doch davon konnte kein Mensch leben. 1991 verließ er effektiv das Showbusiness, auch wenn er 1. noch gelegentlich bis 1995 in Serien zu sehen war, 2. am Theater Rollen wahrnahm und 3. ein letztes Mal 2002 für eine Folge von JAG vor der Kamera stand.

Somit stellt sich die Frage: Was wurde aus Tim Dunigan?

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Die Antwort fällt bedeutend leichter als noch kürzlich bei Sandra Cassell. Tim Dunigan ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann und Immobilienmakler, der besonders häufig für Kollegen der Schauspielergewerkschaft SAG tätig wird. Dabei ist er derart erfolgreich, dass er  bei der First Rate Financial Group in Westlake Village, zum Senior Loan Consultant aufgestiegen ist.