Es gibt immer wieder Filme, die hätte man eigentlich schon vor Jahren sehen sollen, aber irgendwie ist man nie dazu gekommen. Filmische Bildungslücken sind das. Und eine solche Lücke stellte bei mir BARBARELLA dar. Ich war immer ein großer SF-Fan, aber in meiner Jugend fand ich die überdrehten Bilder, die ich von diesem Film gesehen habe, doch sehr … gewöhnngsbedürftig. Darum hatte ich auch nie größeres Bedürfnis, den Film mal zu sehen. Diesen Missstand hab ich nun beseitigt.
Die Story: Im Jahr 40.000 v.Chr. landet die Astro-Agentin Barbarella auf einem unbekannten Planeten. Der weibliche James Bond besiegt das Böse in Gestalt von Robotern und Monstern. Außerdem belohnt sie freizügig die gut aussehenden Männer, die sie bei ihrem Abenteuer begleiten. Ob sie nun mit Black Guards, der bösen Königin oder dem Engel Pygar kämpft, es scheint sich einfach nicht vermeiden zu lassen, dass sie dabei zumindest einen kleinen Teil ihres hautengen Raumanzuges verliert.
BARBARELLA ist ein nicht unbedingt gut gealterter Film. Der die freie Liebe propagierende Film ist Pop Art pur. Alles ist gekünstelt. Und das nicht nur, weil die Effekte und Kulissen der späten 60er Jahre so toll nicht waren, sondern weil es so sein sollte. Die Dino-de-Laurentiis-Produktion, die in Sachen Kitsch ein Vorläufer von Dinos FLASH GORDON ist, adaptiert einen Comic und setzt dabei auf phantastische Gebilde und viel nackte Haut – freilich, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.
Die Anfangssequenz mit Barbarellas schwebendem Striptease zeigt schon, dass Regisseur Roger Vadim, der der kunstvollen Darstellung der weiblichen Form nie abgeneigt war, hier den Zuschauer mit vielen Teases ködern will. Er beutet Jane Fonda aus. Und die lässt sich ausbeuten, spielt die Sexbombe mit viel Inbrunst, zeigt sich nackt und ist doch geheimnisvoll verhüllt. Es ist die Form, die man sieht, weniger die Details.
BARBARELLA ist ein merkwürdiger Film, wie er nur in den 60er Jahren entstehen konnte. Er ist Kitsch pur, und niemals kann man sich sicher sein, ob dies nun eine SF- oder eine Porno-Parodie sein soll. Neben der Lavalampen-Ästhetik der 60er Jahre sind es auch SM-Muster, die hier ungeniert in die Geschichte eingebaut werden. John Phillip Law als blinder Engel Pygar sieht – lässt man die Flügel außer Acht – wie der Prototyp von Rocky aus der ROCKY HORROR PICTURE SHOW aus.
Surreal ohne Ende ist auch die Sequenz, in der Barbarella gefesselt von den Puppen mit den Reißzähnen attackiert wird. Aber das ist längst nicht die einzige Szene, die Staunen macht. Künstlichkeit ist hier Trumpf. Die Kulissen sehen mehr noch als bei STAR TREK nach Marke Eigenbau aus. Und es dürfte kaum einen SF-Film geben, der eine bizarrere Bilderpracht bietet als BARBARELLA. Der Film ist faszinierend, vielleicht nicht gut, aber so eigen, so ungewöhnlich, so sexy, so irre, dass man sich seinem Bann kaum entziehen kann.




