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Voll der Wurzelsepp: Amazonen auf dem Mond

Wenn sich die Regisseure Joe Dante, Carl Gottlieb, Peter Horton, Robert K. Weiss und John Landis zusammentun, dann darf man durchaus ein Gaggewitter erwarten. Und nichts anderes ist der herrliche Film AMAZON WOMEN ON THE MOON, der die 80er Jahre-Antwort auf KENTUCKY FRIED MOVIE darstellt. Hauptbestandteil dieses Episodenfilms ist die Sci-Fi-Klamotte AMAZONEN AUF DEM MOND, die Segmentweise über den Film verstreut ist. Dazwischen finden sich zahlreiche kleine Filmchen und Episödchen, die gelungen Kinoklassiker wie THE INVISIBLE MAN oder die Aufklärungsfilme der 30er Jahre parodieren. Dazu gibt es schräge Ausblicke auf Reality-Shows, Kinosendungen, in denen nicht Filme, sondern das Leben normaler Menschen rezensiert werden, Farbige ohne Seele, Arsenio Hall im Kampf mit seiner eigenen Wohnung, ein Kondom-Erlebnis der besonderen Art, das nackte Pethouse-Bunny Monique Gabrielle, Russ Meyers Erlebnisvideos und vieles mehr.

Nicht jeder Gag zündet, doch die Lachquote ist angenehm hoch. Neben der witzigen Aufarbeitung schlechten Samstag-Abends-Fernsehens überzeugt der Film auch durch seine erlesene Schar an Schauspielern, zu denen u.a. Michelle Pfeiffer, Steve Guttenberg, Dick Miller, Ed Begley Jr. und viele weitere bekannte Gesichter aus den 80er Jahren gehören.

Das Ding mit den vielen Köchen: The Terror

THE TERROR (THE TERROR – SCHLOSS DES SCHRECKENS) ist einer der bemerkenswertesten Filme von Roger Corman. Er gilt als eine der Produktionen, die in nur drei Tagen abgedreht wurden. Ganz korrekt ist dies nicht. Richtig ist aber, dass Corman während der Produktion der Edgar-Allan-Poe-Verfilmung THE RAVEN (DER RABE) erkannte, dass er die Kulissen des Schlosses noch ein paar Tage nutzen konnte. Darum rief er Leo Gordon an, der ein paar Szenen für Boris Karloff, ein paar andere Schauspieler und das Schloss schreiben sollte.

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Der tat, wie ihm geheißen und lieferte rechtzeitig, so dass Corman nach Drehschluss von THE RAVEN am Freitag bis zum darauffolgenden Montag drehen konnte. Er drehte sogar noch, als die Handwerker schon begannen, die Kulissen zu demontieren. Was er dabei filmte, waren die Szenen mit Karloff, Jack Nicholson und Dick Miller im Schloss. Ein fertiger Film war dies freilich noch nicht.

Im Lauf der Monate ließ Corman immer wieder an dem Film arbeiten. Die Regie führten dabei Monte Hellman, Francis Ford Coppola, Jack Hill und Jack Nicholson selbst. Dabei wurde viel improvisiert oder in letzter Minute geschrieben, denn ein richtiges Screenplay gab es nicht. Nach Leo Gordon entwickelten auch Roger Corman und Jack Hill weitere Szenen.

Insgesamt wurde an dem Film neun Monate gearbeitet. Er ist also letzten Endes die langwierigste Corman-Produktion. Natürlich wurde nicht kontinuierlich daran gearbeitet. Coppola zum Beispiel drehte elf Tage für den Film. Von seinem Material finden sich etwa zehn Minuten im fertigen Film.

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Man merkt dem fertigen Film an, dass er Patchwork ist. Es gibt eine ganze Reihe von Inkonsistenzen. So heißt es anfangs, das Bildnis der Baroness von Leppe sei 1786 entstanden, auf der Gruft steht jedoch, dass sie schon 1782 gestorben ist. Aufgrund der Tatsache, dass Corman wie wild Szenen im großen Interieur des Schlosses drehte, passt auch hier vieles im Film nicht mehr zusammen. So hat man eine Szene, in der Dick Miller als Stefan den Baron aufsucht und ihm erklärt, dass die Anwesenheit des französischen Leutnants gefährlich ist. Und der Baron doch sicher nicht wolle, dass der Soldat die Gruft betritt. Genau das geschieht jedoch einige Minuten zuvor wobei Stefan auf den Leutnant trifft – die entsprechende Szene wurde aber freilich erst Monate nach dem Miller/Karloff-Gespräch im Schloss gedreht.

THE TERROR lässt des Öfteren den Anschluss verpassen. Aber: Der Film hat eine erstaunliche Atmosphäre, wenn man bedenkt, wie schwierig die Produktion gewesen ist. Die Handlung ist wenig spektakulär.

Der französische Leutnant André Duvalier trifft auf eine Frau, die ihm den Kopf verdreht. Doch niemand will diese Frau gesehen haben. Dann hört er jedoch, dass sie im Schloss des Barons von Leppe leben soll. Also sucht er das Schloss auf, wo der Baron ihm vollmundig erzählt, keine Frau lebe mehr in dem Schloss, seit die Seinige vor 20 Jahren gestorben ist. Doch die Frau erscheint Duvalier erneut und so beginnt er, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Er erfährt, dass der Baron einst seine Frau erschlagen hat, weil diese ihn betrog. Und nun scheint er von ihrem Geist heimgesucht zu werden. Doch in Wahrheit ist dies ein Trugbild, das von der Mutter des Mannes erschaffen wurde, welchen der Baron tötete, da dieser der Liebhaber seiner Frau war. Von dem Trugbild wird der Baron in den Selbstmord getrieben, als Duvalier erfährt, dass die Wahrheit eine gänzlich andere ist. Denn der Baron ist Eric, der Liebhaber von Ilsa, der den Kampf überlebte. Doch der Baron starb und so hat Eric seinen Platz eingenommen, ohne sich darüber im Klaren gewesen zu sein, dass er zuvor ein anderer war.

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Die Handlung ist etwas wirr. Auch dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Geschichte Stückchen für Stückchen entwickelt wurde. So wird zwangsläufig weniger auf Spannung und Action, als vielmehr auf die Schaffung von Atmosphäre gesetzt. THE TERROR ist letzten Endes ein Film, der aufwendig aussieht, aber mit schmalem Budget umgesetzt ist. Schon anhand der Darsteller, nur eine Handvoll ist vorhanden, sieht man, dass hier nicht geklotzt, sondern gekleckert wurde. Völlig abstrus ist die Rahmenhandlung mit Dick Miller, der den neuen Baron von Leppe meucheln will, gefangen wird und dem Folterknecht seine Geschichte erzählt. Hier hat man ganz stark das Gefühl, dass die Szenen vonnöten waren, um den Film auf 90 Minuten zu strecken. Und so wird es wohl auch gewesen sein.

An Cormans wohlfeile Poe-Verfilmungen reicht THE TERROR natürlich nicht heran, aber er ist ein unterm Strich starkes period piece, das mit seiner Ausstattung und den Darstellern wuchern kann. Am Anfang des Films gibt es übrigens ein gutes Beispiel, was es heißt, für Corman als Schauspieler tätig zu sein. Jack Nicholson stürzt sich in die Brandung von Big Sur, einem Küstenstreifen in Kalifornien zwischen San Simeon im Süden und Carmel im Norden und wäre nach eigenem Bericht dabei beinahe ertrunken. Das glaubt man durchaus, wenn man sich die entsprechenden Szenen ansieht.

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THE TERROR wurde in Deutschland schon häufig veröffentlicht. Die neueste Veröffentlichung stellt jedoch von MIG die JACK NICHOLSON CLASSIC COLLECTION dar, die man auch als „Roger Corman Collection“ hätte vermarkten können, denn abseits des Dramas WOLFSMILCH finden sich hier noch THE LITTLE SHOP OF HORRORS (EIN KLEINER LADEN VOLLER SCHRECKEN) in der Farbversion und THE WILD RIDE (EIN WILDER RITT) wieder, den Corman 1960 mit Nicholson in der Hauptrolle produzierte.

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Ein Eimer voller Blut

Als AIP Roger Cormans A BUCKET OF BLOOD (DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI) 1959 in die Kinos auslieferte, da hat man auch einen neunmalklugen Ratschlag parat. Um beim Publikum Interesse am Film zu wecken, sollte man verschiedene Promotions anwenden. Eine Idee war, einen überdimensionierten Eimer mit Blut umgekippt im Foyer auszustellen. Daraus sollte natürlich rote Farbe laufen, damit es stilecht wirkt. Oder aber: Pfade roter Blutstropfen sollten von strategischen Punkten in der Stadt bis zum Kino führen (sicherlich ein Unterfangen, das die Stadt besonders schätzte). Auch gut war, doch gleich eine Kooperation mit dem Roten Kreuz anzustreben und Blut spenden zu lassen, wobei man die abgezapfte Menge natürlich in Eimern angeben sollte.

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All diesen Ideen zum Trotz war A BUCKET OF BLOOD kein extrem großer Erfolg. Geld spielte er als zweiter Titel eines Double Features aber dennoch ein, da seine Produktionskosten gerade mal 40.000 bis 50.000 Dollar beliefen. Corman hatte den Film an fünf Tagen gedreht, nachdem er mit Autor Charles Griffith übereingekommen war, dass eine Horrorkomödie her musste.

Die Story: Walter ist ein zurückgebliebener junger Mann, der in einer Künstlerkneipe kellnert. Niemand nimmt ihn ernst und seine Versuche, sich auch künstlerisch zu betätigen, enden erfolglos. Doch das Schicksal meint es gut mit Walter. Als er versehentlich eine Katze tötet und den Kadaver zu einem Kunstwerk macht, bekommt er plötzlich die lange vermisste Anerkennung. Ein Künstler ist geboren. Doch Walter fertigt auch Skulpturen von Menschen an, die ein düsteres Geheimnis verbergen. Und ab sofort geht das Grauen durch die Stadt.

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Bis heute ist A BUCKET OF BLOOD der einzige Hollywood-Film, der sich der Beatnik-Bewegung angenommen hat. Die Beatniks waren eine Art Hippies der 50er Jahre. Und die Atmosphäre der live und improvisiert auf der Bühne vorgetragenen Gedichte sorgt für eine wirklich coole Stimmung. Es ist auch, wenn man so will, ein legitimer Vorläufer der heute immer populärer werdenden Poetry Slams.

Mit seiner Laufzeit von nur 66  Minuten ist A BUCKET OF BLOOD herrlich knackig geworden. Der Film nutzt nur wenige Sets – Walters Appartment, die Beatnik-Bar und ein paar Straßen -, holt aber das Maximalmögliche heraus. Die Geschichte ist eine Variation von HOUSE OF WAX (DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI), weswegen man im Deutschen auch einen Titelbezug einbaute. Und noch mehr machte, denn der deutsche Verleih produzierte eine mehrere Minuten lange Prologsequenz, die den alten Bondi zeigt, der praktisch sein Vermächtnis an Walter weiterreicht. Das hat mit dem Film wenig zu tun, ist aber herrlich skurril und auf ironische Weise poetische Gerechtigkeit, erfährt Cormans Werk doch hier die Behandlung, die er nur zu oft selbst aus dem Ausland eingekauften Filmen widerfahren ließ.

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A BUCKET OF BLOOD ist auch 50 Jahre nach seiner Entstehung noch ein Meisterwerk des Independent-Films. Er ist einer der wenigen Vertreter einer Filmgattung, die zuhauf Schrott hervorgebracht hat: die Horrorkomödie. Wie kaum ein anderer Film vereint er spannende Gruselstory mit schrägem Humor. Nur Cormans eigener THE LITTLE SHOP OF HORRORS (DER KLEINE HORRORLADEN) übertrifft A BUCKET OF BLOOD noch.

Dick Miller in seiner einzigen Hauptrolle ist schleimig, mitleiderregend und irgendwie sympathisch zugleich. Er ist ein Einfaltspinsel, der gerne ein großer Künstler wäre. Und genau darum scheitert er. Miller spielte den Part über die Jahre noch des Öfteren in Cameos in anderen Filmen wie z.B. Joe Dantes HOLLYWOOD BOULEVARD.

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1995 produzierte Corman ein Remake des Films für das US-Fernsehen. Die Rolle von Dick Miller übernimmt Anthony Michael Hall. Ansonsten gilt: nett, aber dem Original unterlegen, auch wenn die Produktionswerte höher sind. Heutzutage noch am Ehesten bemerkenswert, weil Will Ferrell hier sein Filmdebüt gab.

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Das Original ist vor kurzem als zweiter Titel in der Anolis-Reihe GALERIE DES GRAUENS erschienen und von Vertriebsseite bereits ausverkauft. Wer Interesse an dieser Roger-Corman-Perle hat, sollte sich also sputen, um noch eine DVD zu zivilen Preisen abgreifen zu können.

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