Früher waren Filmromane etwas, das bei den meisten Filmen Gang und Gebe war. Heutzutage gibt es solche eigentlich nur noch zu den ganz, ganz großen Blockbustern oder aber zu jenen Filmen, die eine eingebaute Fangemeinde haben, welche praktisch alles Neue kauft.
Bis in die frühen 90er Jahre war der Filmroman jedoch sehr viel bedeutsamer. Man muss bedenken, dass noch in den 80er Jahren kaum jemand Filme besaß. Man konnte sie aus der Videothek ausleihen, klar, aber für alle Zeiten behalten war nicht drin. Kaufkassetten gab es zwar auch, aber deren Preise bewegten sich von 99 DM aufwärts. Die wenigsten dürften hier das Geld gehabt haben, sich extensive Sammlungen anzuschaffen. Kopieren konnte man zwar auch schon in den 80er Jahren, aber sowohl Videorekorder als auch Kassetten waren damals noch enorm hochpreisig. Erst in den 90er Jahren änderte sich das alles. VHS-Kassetten wurden billiger, Rekorder sowieso und selbst Kaufkassetten waren plötzlich erschwinglich. Aber im gleichen Zug, wie es möglich wurde, die Filme, die man mag, zu Hause zu haben, nahm auch das Interesse an Filmromanen ab. Denn warum den Roman lesen, wenn man eh den Film jederzeit sehen konnte?
Als Kind der 80er Jahre sind mir noch viele Filmromane in bester Erinnerung geblieben. Als etwa 1987 PREDATOR und ROBOCOP in die bundesdeutschen Kinos kamen, da hatte ich in den einschlägigen Magazinen darüber gelesen und war Feuer und Flamme. Aber meine Chancen, mit 12 Jahren auch in den Kinosaal, in dem diese Filme liefen, vorzudringen, waren vergleichsweise aussichtslos. Darum habe ich bei beiden zuerst die Romane gelesen, bevor ich Monate später den Film dann auf VHS gesehen habe. Man mag meinen, dass das den Filmgenuss stören würde, aber damals war ich eine echte Spoiler-Nutte. Die komplette Handlung eines Films im Vorfeld kennen? Mir egal, ich mochte sie trotzdem
Bisweilen war es dann auch so, dass der Film gar nicht hielt, was der Roman versprach. Zugegeben, das lag daran, dass die Filme bei uns meist gekürzt liefen, aber trotzdem. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie plastisch der Mord an Officer Murphy im ROBOCOP-Roman beschrieben ist. Und wie wenig davon damals auf Videokassette zu sehen gewesen ist.
Ich habe mir damals jede Menge Filmromane zugelegt. Gelesen habe ich bei weitem nicht jeden. Angelesen aber die meisten. Manche Filme sind in Romanform aber einfach stinkelangweilig, so etwa KARATE KID 2 oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT. Die habe ich beide nach gut 50 Seiten weggelegt. Und manche Filmromane stanken einfach, weil die aus den Filmen bekannten Termini geflissentlich ignoriert wurden. So wurde in den Romanen zur alten STAR WARS-Trilogie bei Goldmann aus der Macht mal eben die Kraft. Solche Kraftmeierei ging mir aber gehörig auf den Senkel. Dann gab es natürlich auch noch die Romane, die mit den Filmen eigentlich nur wenig gemein hatten, so etwa RUNNING MAN, auf dem zwar das Filmcover prangte, der aber natürlich die Richard-Bachmann-Geschichte erzählt, die als Vorlage hergehalten hat. Gerade solche Roman-Vorlagen waren bisweilen kurios. RAMBO von David Morrell entstand vor dem Film. Im Roman stirbt Rambo, im Film überlebt er. Als Morrell schließlich den Roman zu RAMBO II – DER AUFTRAG schrieb, gab es einen kurzen Vorsatz, der genau das erklärte: Im Roman tot, im Film lebendig, so dass der Roman praktisch nicht den ersten Roman, sondern den ersten Film fortsetzte. Schön war an so manchem Filmroman jedoch, dass auch Szenen enthalten waren, die im fertigen Film fehlten (aber eben im Drehbuch vorhanden waren und zumeist auch gedreht wurden). Vom plastischen Schicksal des unsympathischen Burke in ALIENS erfuhr man so im Roman von Alan Dean Foster weit Genaueres als es die Filmfassung zu bieten bereit war – zumindest bis James Camerons Langfassung auf den Markt kam.
Dass es heutzutage weit weniger Romanadaptionen von Filmen gibt, finde ich nicht schade. Sie hatten eine Existenzberechtigung, die aber spätestens mit der DVD passé ist, die fehlendes Filmmaterial zumeist in Form entfallener Szenen nachliefert. Die Romane waren einst eine tolle Alternative, wenn man schon den Film nicht besitzen konnte. Aber ehrlich gesagt, ist es mir auch lieber, den Film als den Filmroman im Regal stehen zu haben…