Ich hab heute AVATAR im Kino gesehen. Aber darum soll’s an dieser Stelle nicht gehen (wer dennoch wissen will, wie ich ihn fand, kann hier kucken: http://www.movieman.de/Bericht.php?bid=28167&nid=2000). Ich hab den Film in einem Multiplex gesehen, in dem ich schon etwa sieben Jahre nicht mehr war. Nicht, weil ich das Kino nicht mögen würde, sondern weil ich normalerweise nicht mehr in der Nähe davon bin und ein Besuch sich damit erübrigt. In den Jahren 2002 und 2003 war ich jedoch sehr häufig dort. Und daran musste ich heute denken. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber ich verbinde viele Erinnerungen an Erlebnisse mit bestimmten Filmen und auch den Lichtspielhäusern, in denen ich sie gesehen habe. In den letzten Jahren hat sich dieses Kino kein Stück verändert. Und das holte einige Erinnerungen hoch.
In den Jahren 2002 und 2003 habe ich dort mit einem mir lieben Menschen sehr, sehr oft DER HERR DER RINGE – DIE ZWEI TÜRME gesehen. Insgesamt waren wir wohl 13- oder 14-mal in dem Film. So oft war ich weder vorher noch nachher jemals beim selben Film im Kino. Dieser Film wurde für uns zu einem Event. Ich mag den ersten Teil, aber den zweiten Teil liebe ich. Was nicht nur am Film selbst liegt, sondern auch an den Erlebnissen, die sich 2002 ergaben und bis weit ins nächste Jahr hineinreichten. Ich bin ein ziemlich privater Mensch. Das sieht man ja auch an diesem Blog, in dem wenig von mir selbst durchscheint – zumindest für jene, die mich nicht besser kennen. Deswegen halte ich die meisten Menschen auch auf Abstand und lasse sie nur zögerlich hinter meine imaginäre Mauer. In jenem Jahr tat ich das aber und ließ meinen HdR-Buddy nicht nur hinter diese Mauer, sondern gewährte auch Einblick in das eine oder andere Geheimnis, das ich normalerweise nicht teile. Das klingt vielleicht mysteriöser als es ist, aber es gibt Dinge, über die mag ich nicht sprechen. Und in der Regel tue ich das dann auch nicht. Damals war das jedoch anders. Und befeuert wurde die Situation noch, da die Zeiten für uns beide turbulent waren, was – natürlich – zu intensiven und tiefen Gesprächen führte, die man, schätze ich, so nur sehr, sehr selten mit anderen Menschen hat.
DIE ZWEI TÜRME war so etwas wie der Katalysator, wenn man so will. Der Film entführte in eine Welt, die soviel angenehmer als die reale erschien. In ihr fühlten wir uns wohl. Und egal, welche Sorgen uns beutelten, drei Stunden Mittelerde ließen diese vergessen. Auch deswegen haben wir DIE ZWEI TÜRME so häufig gesehen.
Wir sahen ihn nicht immer im selben Kino, aber mehrmals in München, sehr häufig in Salzburg und einmal in Hamburg – das war am Ende der Kinoauswertung des Films in einem Multiplex am Stadtrand, wofür eine locker einstündige Busfahrt notwendig war, um die eine Vorstellung, die noch täglich lief, sehen zu können. Am lebhaftesten sind mir jedoch die Besuche in Salzburg im Gedächtnis haften geblieben. Einmal sahen wir den Film dort zweimal hintereinander. Wir hatten festgestellt, dass vier Kinosäle auf dem gleichen Stockwerk waren und die Kartenabreißer ihren Dienst an der Treppe, nicht jedoch vor den einzelnen Sälen verrichten. Und so entschieden wir, nach dem Ende des Films in den nächsten Saal zu wechseln, wo die nächste Vorstellung anstand. Zu dem Zeitpunkt lief der Film schon eine ganze Weile, weswegen der Saal nicht voll war. Es war also leicht, ein Plätzchen zu finden, das nicht von einem Karteninhaber beansprucht werden konnte. Und so sahen wir DIE ZWEI TÜRME fast wie in einer Endlosschleife – ein herrlicher Tag, an den ich mich auch all die Jahre später noch immer gerne erinnere.
Bei AVATAR gab es mitten im Film eine Pause. Und auch das löste Erinnerungen aus. Denn auch DIE ZWEI TÜRME hatte immer eine Pause. Wir hatten den Film so oft gesehen, dass es schon wie ein pawlowscher Reflex war, wenn die Szene kam, die die Pause einläutete. Und einmal – es war eine der letzten Aufführungen des Films in Salzburg und die Kopie war schon merklich abgenutzt – sprangen wir schon auf, als der Film eigentlich enden sollte, aber die Pause war gestrichen. Das Kino hatte wohl nicht das Gefühl, mit der Handvoll Filmfans an der Snackbar noch groß Kasse machen zu können. Und so fielen wir wieder in die Kinosessel zurück, um weiterhin fest im Bann von Mittelerde zu bleiben und den Angriff der Warge zu erwarten.
Daran musste ich heute denken. Und mir kommt Thomas Wolfes posthum erschienener Roman “You Can’t Go Home Again”, zu Deutsch “Es führt kein Weg zurück”, in den Sinn. Darin heißt es am Ende:
“You can’t go back home to your family, back home to your childhood … back home to a young man’s dreams of glory and of fame … back home to places in the country, back home to the old forms and systems of things which once seemed everlasting but which are changing all the time — back home to the escapes of Time and Memory.”