Spartacus: Legends

Die dritte Episode von SPARTACUS: BLOOD AND SAND trägt den Titel “Legends”. Und im Endeffekt geht es genau darum: um Legenden. Es beginnt damit, dass die Gladiatoren weiterhin trainieren, denn schon bald steht der Kampf in der Arena an. Crixus ist Batiatus’ Primus und wird den größten Kampf mit dem höchsten Gewinn abhalten. Spartacus ist hingegen nur ein Anfänger, dem ein kleiner Kampf bevorsteht. Doch da Spartacus hohe Gewinne erzielen muss, provoziert er auf einer Veranstaltung, dass Batiatus gezwungen ist, ihn gegen Crixus antreten zu lassen. Aber in der Arena muss Spartacus feststellen, dass Crixus’ Ruf wohl verdient ist. Er hat keine Chance gegen ihn und ist dem Gegner ausgeliefert. Crixus’ Schwert an seiner Kehle gibt Spartacus das Zeichen der Aufgabe und des Flehens um Gnade: er streckt Zeige- und Mittelfinger aus. Obwohl der Pöbel seinen Tod will, schont ihn Batiatus.

Mit der dritten Folge hat die Serie ihren Fluß gefunden. Es gibt nach wie vor reichhaltig Action und ein ordentliches Maß an Fleischbeschau, aber wichtiger als das ist die Entwicklung der Figuren. Im Mittelpunkt steht hierbei Spartacus, den man schon in den ersten beiden Folgen als einen Mann erlebt hat, der zu sehr von sich selbst überzeugt ist. Der niemals im Leben um Gnade betteln würde. Und der hier an den Rand des Todes geführt wird, was ihm aufzeigt, dass er noch viel zu lernen hat, will er auch nur eine Chance haben, Sura jemals aus der Sklaverei freikaufen zu können. Seinen Hochmut abzulegen, wird für ihn die größte Herausforderung werden.

Doch “Legends” ist nicht nur Spartacus vorbehalten. Hier erfährt man mehr über Crixus, der seine menschliche Seite zeigt. Er liebt Naevia, eine von Lucretias Sklavinnen, und versucht, ihr näher zu kommen. Naevia wird von Lesley-Ann Brandt gespielt und soll im Verlauf der Staffel noch deutlich mehr zu tun bekommen. Ebenfalls interessant sind Lucretias Versuche, Ilythia, die Frau von Claudius Glader, zu unterhalten und für sich zu gewinnen. Doch ihre Gunst zu erwerben, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn Ilythia ist wie ein leeres Gefäss, das ständig danach giert, befüllt zu werden – und dennoch niemals ausgefüllt ist. Sie will immer mehr. Lucretia stößt an die Grenzen dessen, was sie bieten kann. Und das obwohl sie Ilythia sogar einen Live-Porno mit einem der Gladiatoren vorführt.

“Legends” bezieht sich auch auf Crixus und Barca. Beide sind Gladiatoren. Und lebende Legenden. Der eine ist der unangefochtene Champion, der andere die Bestie von Karthago, die in der Arena Dutzende der eigenen Landsleute tötete und am Ende den Vater abschlachtete, um am Leben zu bleiben. Spartacus fragt seinen Freund Varro, ob das wahr ist, doch dieser weiß es nicht. Es könnte ebenso Legendenbildung sein, die von Barca aktiv oder passiv betrieben wurde. Doch eines ist klar: Nach seiner Niederlage ist Spartacus weit davon entfernt, selbst zur Legende zu werden.

Meine Oscar-Orakelei

Die Show ist vorbei, so unterhaltsam wie im letzten Jahr war sie nicht. Alec Baldwin und Steve Martin hatten zwar ein paar humorige Sprüche drauf, aber die Showeinlagen von Hugh Jackman im letzten Jahr hatten deutlich mehr Flair. Was die Entscheidungen der Academy betrifft, so bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Immerhin ist man meiner Meinung in den großen Kategorien – mit Ausnahme des besten Films – gefolgt. Elfmal lag ich also richtig:

Beste männliche Hauptrolle: JEFF BRIDGES

Beste weibliche Hauptrolle: SANDRA BULLOCK

Beste weibliche Nebenrolle: MO’NIQUE

Beste Regie: KATHRYN BIGELOW

Bestes adaptiertes Drehbuch: PRECIOUS

Beste Kamera: Mauro Fiore für AVATAR

Bester Schnitt: Bob Murawski und Chris Innis für THE HURT LOCKER

Bestes Make-up: Barney Burman, Mindy Hall und Joel Harlow für STAR TREK

Bester Song: T-Bone Burnett und Ryan Bingham für CRAZY HEART

Beste Visuelle Effekte: Joe Letteri, Stephen Rosenbaum, Richard Baneham und Andy Jones für AVATAR

Bester Animationsfilm: UP

Spartacus: Sacramentum Gladiatorum

Die zweite Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND beginnt damit, dass Spartacus in die Gladiatorenschule des Batiatus gebracht wird. Dort haben sich neue Gladiatoren-Anwärter eingefunden und diese werden vom Ausbilder Doctore unter die Lupe genommen. Spartacus muss gegen den Gallier Crixus kämpfen und verliert dabei, obschon er versehentlich einen anderen Mann tötet. Batiatus’ Gladiatoren sind besser als jene, denen Spartacus in der Arena begegnete. Batiatus hofft auf große Erfolge mit Spartacus. Er braucht sie auch, um seine Schulden zu begleichen. Claudius Glader sucht Spartacus auf. Er wünscht nicht länger den Tod des Thrakers. Vielmehr wünscht er ihm Leid in der Arena, wohlwissend, dass seine Frau geschändet und als Sklavin verkauft wurde. Spartacus weigert sich, den Anweisungen seiner Ausbilder zu folgen. Doch dann erkennt Batiatus, was es ist, das Spartacus anspornt. Er verspricht ihm, zu helfen, ihn mit seiner Frau wiederzuvereinen, wenn er den finalen Test besteht und ihn als Herr akzeptiert.

Die zweite Folge der Serie konzentriert sich fast ausschließlich auf die Ausbildung als Gladiator. Neue Figuren werden eingeführt, wobei Peter Mensah als Doctore besonders starken Eindruck hinterlässt. Gleichwohl überzeugt der ansonsten nicht immer sattelfeste John Hannah als Batiatus. Und obschon man bislang das Gefühl hatte, in ihm eher einen Schurken zu erkennen, mischt sich nun Ambivalenz in seine Darstellung. Er könnte für Spartacus werden, was Proximo für Maximus in GLADIATOR gewesen ist.

Auch in dieser Folge gibt es reichlich Action, die aber ohne die extremen Blutfontänen der ersten Episode auskommt, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass kaum jemand stirbt. Bemerkenswert ist die Darstellung römischer Dekadenz, die soweit geht, dass die Sklaven im Hause wie Inventar betrachtet werden. Ohne Scham oder Scheu folgen die Herren vor den Augen der Sklaven der eigenen Lust. Dementsprechend gibt es auch hier wieder freizügige Szenen, wobei besonders das “Vorspiel” von Batiatus und Lucretia eine perverse Note erhält, die abermals zeigt, dass man zumindest in dieser Disziplin ROM hinter sich lässt. Übrigens: Bei Lucy Lawless verhält es sich wie mit einem gut gereiften Wein. Sie ist heute deutlich attraktiver als sie das zu ihren XENA-Zeiten war. Ungewöhnlich für eine amerikanische Produktion ist es, dass es Full-Frontal-Nudity eines Mannes gibt – und das sogar in einer Szene sehr ausgiebig. Das traut sich sogar kaum ein Film.

“Sacramentum Gladiatorum” versucht sich etwas mehr in Charakterbildung, zeigt neue Facetten von Spartacus und Batiatus und wartet mit interessanten neuen Figuren auf. Zu diesem Zeitpunkt sieht die Entwicklung der Serie vielversprechend aus, auch wenn man sich fragt, wann die Show wohl den Punkt erreichen wird, da Spartacus den Sklavenaufstand leiten wird.

Weltraumschiff 1 startet

Das Großartige am Internet ist, dass man Dinge zu sehen bekommt, von denen man glaubte, man würde sie niemals begutachten können. Nun kann man den in den 30er Jahren entstandenen deutschen Science-Fiction-Film WELTRAUMSCHIFF 1 STARTET sehen. Es handelt sich hierbei um einen 23-minütigen Kurzfilm, der zustande kam, weil bereits produziertes Material benutzt werden musste, als zwei Großproduktionen aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs abgebrochen wurden: ZWISCHENFALL IM WELTRAUM (D 1939, Regie: R. A. Stemmle) und WELTRAUMSCHIFF 18 (D 1939, Regie: Eduard von Borsody).

Der Film erzählt von der technischen Meisterleistung eines Weltraumschiffs, das im Jahr 1963 auf eine Reise zum Mond und wieder zurück geschickt wird. Der Film setzt dabei auf das Spektakel eines Weltereignisses und zeigt dieses in quasi dokumentarischer Form.

Bemerkenswert an dem Film sind vor allem die hervorragenden Effekte, die für die damalige Zeit sicher bahnbrechend waren. Stilbildend war der Start der Rakete, der nicht horizontal, sondern vertikal stattfand und dabei sicherlich Inspiration für George Pals DER JÜNGSTE TAG gewesen ist. WELTRAUMSCHIFF 1 STARTET wurde als Nazi-Propaganda-Film betrachtet und von den Siegermächten beschlagnahmt. Abgesehen von einigen Bildern von Flugzeugen, an deren Heckfinne das Hakenkreuz zu erkennen ist, und die Tatsache, dass ein Observatorium in Deutsch-Ostafrika liegt – eine Kolonie, die nach dem Ersten Weltkrieg verloren war, aber in der Realität des Films wohl wieder von Deutschland annektiert wurde – kann man dem Film aber kaum Propaganda vorwerfen. Noch nicht einmal, obwohl es einen Seitenhieb auf den amerikanischen Präsidenten gibt.

Effektsequenzen des Films wurden in den USA in der Serie THE SPACE EXPLORERS eingesetzt. Der Film ist Public Domain und kann hier heruntergeladen werden: http://www.archive.org/details/gov.archives.arc.67908

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Spartacus: The Red Serpent

So, nun habe ich die erste Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND gesehen. Die Serie wird von Sam Raimi und Robert Tapert produziert und wurde von Steven S. DeKnight, der u.a. für ANGEL geschrieben hat, erschaffen. Der Plan war offensichtlich von vornherein, ein Serienprodukt zu gestalten, das die Größe von GLADIATOR mit dem Look von 300 verbindet.

In der ersten Episode, “The Red Serpent”, schließen sich Spartacus und die Thraker den Römern an, als diese um ihre Hilfe ansuchen. Es soll gegen einen gemeinsamen Feind gehen, der immer wieder Überfälle auf thrakische Dörfer unternommen hat. Doch schon bald zeigt sich, dass die Römer andere Interessen haben und gewillt sind, Thraker zu opfern, um diesen zu folgen. Darum kommt es zu einer Massen-Desertation, die von Spartacus angeführt wird. Er kommt gerade noch rechtzeitig nach Hause, um seine Frau Sura zu retten. Da ihr Dorf vernichtet wurde, beschließen sie, nach Süden zu gehen. Doch tags darauf fallen sie in die Hände der Römer. Sura wird versklavt und Spartacus von Legat Claudius Glaber ins römische Reich gebracht, wo er in der Arena sterben soll. Mit dem Spektakel hofft Claudius auf die Gunst des Volkes, die er benötigt, um die Schande der Niederlage in Griechenland vergessen zu machen. Zu seiner Überraschung schlägt sich Spartacus gegen vier Gladiatoren und gewinnt. Der Pöbel fordert, dass man sein Leben schont. Und Senator Albinius willigt ein. Spartacus soll fortan als Gladiator kämpfen. Und nun erst erhält er auch den Namen des einst legendären thrakischen Königs: Spartacus.

Diese erste Folge sieht vielversprechend aus. Allerdings nur insofern, als dass man erkennen kann, dass hier Potenzial vorhanden ist, denn die knapp einstündige Geschichte hat einige gewaltige Probleme. So nett es ist, die Idee des 300-Looks für das Fernsehen umzusetzen, so wenig kann dies verschleiern, dass es praktisch kaum Charakterentwicklung gibt und die Handlung dieser ersten Folge fast einem Nichts gleichkommt. “The Red Serpent” ist ein klarer Fall von Stil über Substanz. Wobei der Stil auch deutlich überzogen ist, was sich vor allem in den Gewaltszenen zeigt. Denn selbst bei kleinsten Wunden wird Literweise Blut verspritzt. Die CGI-Fontänen unterstützen zwar das visuelle Design, sind aber zumindest gewöhnungsbedürftig.

Ebenfalls möchte man wohl mit besonders viel nackter Haut punkten. Die Freizügigkeit, die sich die Serie ROM leistete, wird hier schon in der ersten Folge locker überschritten. Das ist per se nichts Schlechtes, aber es sollte etwas wohl dosierter sein. ROM verstand es, den Spagat zwischen inhaltlicher Notwendigkeit und voyeuristischem Schauwert zu proben. Mit ROM ist SPARTACUS: BLOOD AND SAND jedoch nicht vergleichbar. War die HBO-Serie vor allem auf eine intrigenreiche Geschichte mit einem Höchstmaß an Charakterentwicklung aus, so setzt die Starz-Produktion hauptsächlich auf actionreiche Schauwerte. Allerdings bleibt zu hoffen, dass sich dies im Verlauf der Staffel etwas relativiert. Denn wie gesagt: Das Potenzial, zu einer Serie zu werden, die eben nicht nur auf überzogene Action setzt, sondern auch in dramatischer Art und Weise überzeugen kann, ist vorhanden.

Zu den Pluspunkten dieser ersten Folge gehören: Newcomer Andy Whitfield ist ein kerniger Held. Spartacus’ Frau Sura wird von Erin Cummings gespielt, die erfreulicherweise auch sehr freizügig agiert. Ein klarer Vorteil! Claudius wird von Haldir-Darsteller Craig Parker dargestellt. Die von 300 inspirierten Action-Sequenzen sind auf jeden Fall cool. Lucy Lawless gefällt. Die britischen Akzente und die blumigen Dialoge!

Unterm Strich gilt damit: Die erste Folge ist kein Geniestreich, aber ausbaubar. Dies wird kein neues ROM, aber vielleicht eine gut gestaltete TV-Variante von GLADIATOR. Ich werde mir auf jeden Fall auch die weiteren Folgen ansehen.

Countdown zu den Oscars

In den letzten Jahren spielte ich immer ein Oscar-Spiel mit einem Freund. In diesem Jahr spiel ich’s sozusagen in diesem Blog. Meine Erfolgsquote beim Tippen der Gewinner war mal besser, mal schlechter (und das beste Jahr war jenes, in dem DER HERR DER RINGE: DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS alles abräumte). Mich interessiert dabei in der Regel nicht, wer die Favoriten sind, wer nach verschiedener Kaffeesatzleserei mit dem Oscar nach Hause gehen wird und bei wem es doch “sowieso klar ist”. Ich entscheide oftmals aus dem Bauch heraus. Danach, wen ich mochte, welcher Film mir gefiel. Manchmal auch nach Kalkül, wenn ich glaube, dass der Nominierte den Oscar einsackt ,auch wenn ich persönlich ihn jemand anderes gegeben hätte. Oder einfach nur eines Gefühls wegen, denn alle Filme, die in der Nominiertenliste sind, habe ich auch nicht gesehen. Hier nun also meine Tipps, wer in diesem Jahr mit dem Oscsar nach Hause geht.

Bester Film des Jahres: AVATAR

Beste männliche Hauptrolle: JEFF BRIDGES (längst überfällig, Runner-up ist m.E. nach Jeremy Renner)

Beste weibliche Hauptrolle: SANDRA BULLOCK

Beste männliche Nebenrolle: CHRISTOPHER PLUMMER (der Altersbonus wird Christoph Waltz hier ausbremsen)

Beste weibliche Nebenrolle: MO’NIQUE (wünschen würde ich es aber eher Vera Farmiga)

Beste Regie: KATHRYN BIGELOW (für AVATAR der beste Film, für THE HURT LOCKER die beste Regie)

Bestes Originaldrehbuch: INGLORIOUS BASTERDS (ein cleveres Skript und Tarantino ist ein Academy-Liebling)

Bestes adaptiertes Drehbuch: PRECIOUS (wünschen würde ich es aber DISTRICT 9)

Beste Kamera: Mauro Fiore für AVATAR

Bester Schnitt: Bob Murawski und Chris Innis für THE HURT LOCKER

Beste Art Direction: Sarah Greenwood und Katie Spencer für SHERLOCK HOLMES

Beste Kostüme: Monique Prudhomme für THE IMAGINARIUM OF DOCTOR PARNASSUS

Bestes Make-up: Barney Burman, Mindy Hall und Joel Harlow für STAR TREK

Beste Filmmusik: Hans Zimmer für SHERLOCK HOLMES (mein Favorit, für die Academy aber vielleicht zu strange?)

Bester Song: T-Bone Burnett und Ryan Bingham für CRAZY HEART

Bester Soundmix: Christopher Boyes, Gary Summers, Andy Nelson und Tony Johnson für AVATAR

Bester Tonschnitt: Mark P. Stoeckinger und Alan Rankin für STAR TREK

Beste Visuelle Effekte: Joe Letteri, Stephen Rosenbaum, Richard Baneham und Andy Jones für AVATAR

Bester Animationsfilm: UP (würde es aber CORALINE mehr gönnen)

Bester ausländischer Film: DAS WEISSE BAND

Kurz- und Dokumentarfilme habe ich ausgelassen, da ich da wirklich nur ins Blaue hinein raten könnte ohne eine echte Meinung zu haben. Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Leser seine eigenen Tipps abgeben würde. Die komplette Liste der Nominierten findet man hier: http://www.imdb.com/features/rto/2010/oscars

Sam Raimis “Clockwork”

1979 inszenierte Sam Raimi den Kurzfilm CLOCKWORK, der Slasher-Elemente beinhaltet und anders als erwartet endet. Es geht um eine Frau, die alleine zuhause ist und Panik bekommt, da sie glaubt, nicht länger alleine zu sein. Und fürwahr, um das Haus schleicht eine düstere Gestalt herum.

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What is past is past

Ich war heute in der Pressevorführung von Oliver Parkers DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY (die Kritik ist hier: http://www.movieman.de/Film.php?mid=26527&nid=2700) und fand den Film sehr beeindruckend. Denn er spielt mit Themen, die zweifelsohne faszinierend sind: der Wunsch nach ewiger Jugend/Schönheit und das Auskosten der Lust ohne den Gedanken an die Konsequenzen. Gerade eben habe ich mir zum Vergleich die klassische Verfilmung aus dem Jahr 1945 angesehen. Beide Filme halten sich im Großen und Ganzen an die Vorlage. Sie nehmen sich Freiheiten, verändern Kleinigkeiten im narrativen Fluß, sind dem Roman gegenüber jedoch treu ergeben. Aber nicht nur die Geschichte selbst, auch die wichtigen Themen der Story sind intakt geblieben. Es ist ein bemerkenswerter Stoff, der zur Interpretation einlädt und gleichzeitig Inhalte aufgreift, die zuvor gekommen sind.

So hat die Geschichte dem Fauststoff viel zu verdanken, spielt mit der Verführung in Person des Henry Wotton, der zwar nicht der Teufel selbst ist, wohl aber dessen Funktion übernimmt. Er ist jemand, der korrumpiert, der gottesverachtend und zynisch ist und Dorian Gray nach seinem favorisierten Ideal schmiedet. Er macht aus einem jungen Mann ein Monster mit einem Engelsgesicht. Und Dorian Gray lässt dies aus sich machen. Er erkennt in sich selbst die schöne Oberfläche und entscheidet sich dafür. Er wird zu Wottons gelehrigem Schüler, der alles aufsaugt, was dieser ihn lehrt. Und am Ende ist er ein Mann bar jeden Mitleids, der nur noch danach giert, jeden Lustmoment des Lebens auszukosten. Doch erst als alter, noch immer jung aussehender Mann wird auch Dorian Gray klar, dass all die Erfahrungen nichts wert sind ohne Veränderung. Nur weil man Jugend und Schönheit verliert, sind sie etwas Besonderes. Und wer nur der Erfüllung allen Lustgefühls nacheifert, verliert die Chance auf echte Glückseligkeit. Denn Lust, das weiß Dorian, ist nicht dasselbe wie Glücklichkeit.

Was Wotton faszinierender denn Gray macht, ist die Tatsache, dass seine “Lehren” so elementar erscheinen: Was vergangen ist, ist vergangen. Einen Gedanken daran zu verschwenden, ist verlorene Mühe. Aus jeder Erfahrung, und sei sie noch so negativ, kann man etwas für sein Leben herausziehen. Und jeder Moment sollte so heißblütig und begierig erlebt werden wie es nur möglich ist.

Schöne Worte, interessante Ideen, aber brandgefährlich, denn all das sorgt dafür, dass man nur für den Moment lebt. Und ist der Moment vergangen, ist er schon vergessen. Was war, ist nichts, was noch Bedeutung hat. Was ist, muss genossen werden. Und was sein wird, daran verschwendet man keinen Gedanken. Ein Leben ohne Konsequenz ist jedoch nicht nur ein Leben frei von Zwang, sondern auch eines, das ziellos voranschreitet. Es ist leer, tot, verdorben. So wie die Seele des Dorian Gray.

Ein kleiner B-Klassiker: Bloodsucking Pharaohs in Pittsburg

Der Titel ist dämlich: BLOODSUCKING PHARAOHS IN PITTSBURGH. Das sagt sogar Regisseur Dean Tschetter, der seinen Film viel lieber PICKING UP THE PIECES genannt hätte, was angesichts der Geschichte eines irren Killers, der Frauen auf bizarre Weise meuchelt und einige Stücke von ihnen mitnimmt, sehr viel passender gewesen wäre. Aber egal, es ist ja nur der Titel, und auch wenn es in diesem Film weder Pharaonen noch Blutsauger gibt, so ist er doch eine kleine Perle des amüsant-witzigen Horrorfilms.

Der Film entstand weit abseits von Hollywood, nämlich in – na, wo wohl? – Pittsburgh. Der Film nimmt sich selbst nicht ganz ernst und wartet mit schrägen und skurrilen Figuren wie Detective Joe Blocker, der sich beim Anblick von Blut stets übergeben muss und dementsprechend von seinen Kollegen nur belächelt wird, oder der Kettenraucherin Erma auf, vergisst dabei jedoch nicht, dass ein Horrorfilm gern auch etwas blutiger sein darf. Zwar fielen vor Veröffentlichung des Films viele der gewalttätigeren Szenen der Schere zum Opfer, doch blieb genug von Tom Savinis Effektkunst unberührt, um das Ganze auch blutig genug zu gestalten.

In den USA ist dieser Film in Form einer schönen Special Edition herausgekommen. Neben einem Audiokommentar des Regisseurs und der Produzentin gibt es noch ausführliche Interviews mit den beiden, zahlreiche Deleted Scenes und ausufernde Bildgalerien. Mit selber Ausstattung gibt es auch eine deutsche Veröffentlichung von I-On New Media unter dem Titel PICKING UP THE PIECES.

Philippinische Monster: Surviving Evil

Gerade SURVIVING EVIL gesehen. Wer vor nicht allzu langer Zeit THE TRIBE mit Jewel Staite gesehen hat und wem Bear Grylls kein Unbekannter ist, der weiß in etwa, was hier zu erwarten ist: Nette Dschungelkulisse mit Urlaubsfeeling, Paranoia im Wald, Geräusche aus dem Unterholz, Monster im Halbdunkel.

Die Story: Eine TV-Crew dreht auf einer einsamen philippinischen Insel mit dem Survival-Experten Seb (Billy Zane) eine Doku über das Überleben im Dschungel. Doch obwohl die Insel scheinbar einsam und verlassen ist, sind sie nicht alleine. Im Dschungel lauert das Grauen: Aswangs, furchterregende Kreaturen mit Appetit auf Menschenfleisch und unstillbarem Durst auf das Blut schwangerer Frauen, lauern im Verborgenen. Als die Monster wittern, dass eines der weiblichen Crewmitglieder schwanger ist, beginnt die tödliche Jagd und der Kampf ums nackte Überleben.

Das ist alles nicht wirklich originell. Und Terence Daws Regie ist recht eintönig. Aber: Der Film unterhält. Er ist sicherlich nichts, womit sich Preise gewinnen ließen, aber er erzählt innerhalb gängiger Genre-Parameter eine spannende Geschichte. Und mit den Aswangs hat man mal ein paar Kreaturen, die im Genre nicht überpräsent sind. Mir fällt auf Anhieb auch nur ASWANG aus dem Jahr 1994 ein, in dem die vampirähnliche Kreatur nach dem Blut der Ungeborenen giert. Obwohl ASWANG deutlich mehr Gore hat, ist SURVIVING EVIL der bessere und rundere Film. Ordentliche Genre-Kost für einen verregneten Tag.