Das ist wirklich der FILTH

Vermutlich mache ich mir damit keine Freunde, doch eine Kritik ist doch immer dann am Schönsten, wenn sie subjektiv geraten ist (denn nur dann kann man so richtig schön über den Schreiberling schimpfen, der doch eh von nichts eine Ahnung hat …), und somit bringe ich es auch direkt und mit nur ein paar Worten auf den Punkt: THE FILTHist eben dies, pseudocooler Dreck.

Eigentlich mag ich ja Grant Morrisons Geschichten, auch wenn er seine JLA-Plots dreist bei den X-Men noch einmal benutzt, doch THE FILTH lässt mich einfach kalt. Ned Slade ist Filth-Detektiv, der lieber in seiner Parapersönlichkeit als Greg Feely leben würde, aber natürlich wieder mitten ins Geschehen gerissen wird. Immerhin gibt es einigen Dreck zu beseitigen. Klingt noch nicht wirklich abgedreht, ist es aber – und zwar so sehr, dass eine Identifikation mit der Hauptfigur praktisch von Anfang an flöten geht. Man liest das Heft, blättert Seite nach Seite um und bleibt dennoch seltsam distanziert. Die Geschichte wabert vor sich hin, macht aber niemals Anstalten, den Leser in sich aufzusaugen. Es bleibt eine kalte, surreale Welt, in der sexuelle Anzüglichkeiten des bloßen shock values wegen dargebracht werden, die aber anders als beispielsweise bei TRANSMETROPOLITAN seelenlos wirken und deshalb nicht fruchten. Wo man Spider Jerusalem in jedem Moment den zynischen Wichser abnimmt und ihn gar beneidet, geht einem Ned Slade gepflegt am Allerwertesten vorbei. In den ersten Ausgaben vermag THE FILTH gerade ein einziges Mal zu interessieren, nämlich dann, als Morrison das Medium durchbricht und eine Comic-Welt innerhalb der Comic-Welt präsentiert, doch für einen positiven Gesamteindruck ist dies zu wenig.

THE FILTH möchte cool, schräg, anders sein, und alle Grenzen niederreißen. Leider versucht es das zu krampfhaft. Aber das ist natürlich auch nur meine Meinung …

Please Kill Mr. Kinski

David Schmoeller arbeitete 1986 bei CRAWLSPACE mit Klaus Kinski zusammen. Die Erfahrung muss traumatisch gewesen sein. Feine Ironie von David Schmoeller. Im Kurzfilm PLEASE KILL MR. KINSKI (1999).

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Ein Voodoo-Tänzchen: Netherworld

Die Blütezeit von Charles Bands Firma Full Moon fand in den späten 80er und frühen 90er Jahren statt, als das Unternehmen noch einen Distribution-Deal mit Paramount hatte und mit nennenswerten Budgets arbeitete, weswegen man auch in Louisiana drehen konnte. David Schmoeller inszenierte 1992 den Voodoo-Horrorfilm NETHERWORLD.

Die Story: Die unheimlichen Sümpfe im Süden Amerikas. Hier regiert der Voodoo-Kult die Lebenden und die Toten. Corey tritt das Erbe seines Vaters an. Aber in der unheimlichen Villa werden merkwürdige Szenarien wahr: Hände aus Stein und Visionen von wunderschönen Frauen. Aber das ist erst der Anfang. Denn Corey lernt die mysteriöse Diane kennen und folgt ihr heimlich in einen Seitentrakt der Villa. Dort offenbart sich ihm das schreckliche Geheimnis: Sein Vater ist nicht tot, er vegetiert halbtot in seinen Gemächern. Nur Corey kann ihn ins Leben zurückholen.

Als Schmoeller NETHERWORLD drehte, war er längst mit Charles Band vertraut. Der hatte 1979 seinen Erstling TOURIST TRAP produziert und ihn ein Jahrzehnt später zu Full Moon geholt, um den ersten PUPPET MASTER zu inszenieren. Zuvor hatte er für Bands Firma Empire zwei Filme inszeniert. Schmoeller ist ein guter Handwerker, der es versteht, Atmosphäre zu erzeugen. Das hat er schon mit TOURIST TRAP bewiesen, einem mehr als eigenartigen, aber faszinierend anderem Film, der Genre-Fans im Gedächtnis haften geblieben ist.

Es ist diese Qualität, die er auch zu NETHERWORLD bringt. Er hat selbst das Skript geschrieben und es auf eine Art verfilmt, die mehr von Atmosphäre, denn von der Geschichte lebt. Die Story ist ein Genre-Standard, pure Konvention und nicht mehr. Teilweise ergibt sich einiger Leerlauf. Für eine Laufzeit von mehr als 80 Minuten ist einfach nicht genug Fleisch auf dem Story-Gerippe. Er ist weniger offensichtlicher Horror, als vielmehr psychologischer Thriller. NETHERWORLD lebt von der schwülen Schwere Lousianas und dem herrschaftlichen Südstaaten-Anwesen, in dem die Handlung abläuft. Der Film ist stimmungsvoll, aber nicht unbedingt besonders spannend. Und: Das Vogelgezwitscher im Hintergrund nervt auf die Dauer.

Die DVD ist im orignalen 4:3-Format. Das Bild ist dem Alter angemessen, der Ton könnte etwas lebendiger sein. Als Bonus gibt es noch den Trailer und ein kurzes Making Of. Ich wünschte, ich könnte sagen, NETHERWORLD wäre besser. Aber eine SCHLANGE IM REGENBOGEN ist der Film nicht. Das darf man aber auch nicht erwarten. Dies ist die Art Film, die man weit mehr mögen will als man es letzten Endes tut. Ein ehrenwerter Eintrag im Full-Moon-Oeuvre, aber nicht so gut, wie es das Cover und die Story verspricht.

Subspecies (in the Twilight)

Nachdem die SUBSPECIES-Filme schon einmal angekündigt waren, dann jedoch verschoben werden mussten, geht es jetzt los – auch wenn die Filme mit Umtitelung in SUBSPECIES IN THE TWILIGHT und entsprechenden Teenie-affinen Covers ein ganz neues Publikum ansprechen sollen. Der Purist darf sich jedoch darüber freuen, dass die Wendecover klassisches Full-Moon-Artwork zieren.

Im ersten Teil reisen die jungen  Studentinnen Michelle und Lilian nach Transsylvanien, um dort Nachforschungen für ihre Examensarbeit über Vampire anzustellen. Nahe des Dorfes, in dem sie übernachten, befindet sich eine verfallene Burgruine, wo der Vampir Radu sein Unwesen treibt. Er tötet seinen Vater und bemächtigt sich des Blutsteins. Sein Bruder Stefan, von einer menschlichen Mutter gezeugt, möchte Radus Schreckensherrschaft ein Ende bereiten.

Der erste wie auch die weiteren Filme der Reihe wurden in Rumänien gedreht. Eigentlich war Regisseur Ted Nicolaou von der Aussicht, in Rumänien zu drehen, nicht gerade begeistert. Doch als er die alte Burgruine und die herrliche Landschaft sah, änderte er seine Meinung, passte sie doch perfekt für einen Vampirfilm.  1991 wurde SUBSPECIES der erste amerikanische Film, der in Rumänien gedreht wurde. Allerdings kam es aufgrund kultureller und sprachlicher Schwierigkeiten auch immer wieder zu Problemen, die Produzent Charles Band aber nicht davon abhielten, auch viele andere Filme in dem malerischen Ländchen zu drehen.

Die Rolle des Radu ging an den Grönländer Anders Hove, der vorher und auch nachher hauptsächlich in dänischen Filmen mitwirkte. Für den Part seines Vaters verpflichtete man Angus Scrimm, den Tall Mann aus Don Coscarellis DAS BÖSE. Die weibliche Hauptrolle ging an Denice Duff, die als Fotografin arbeitet und auch heute noch schauspielert, aber eher in B-Filmen vorzufinden ist.

Im ersten Film werden die kleinen Helfer, die Subspecies, die aus Radus Blut entstehen, recht häufig eingesetzt. Hierfür benutzte man Stop-Motion-Technik, nachdem Nicolaou zuerst mit Schauspielern in überdimensionalen Kulissen drehte, aber das Ergebnis recht dürftig aussah.

Der zweite Teil schließt direkt an den Erstling an. Radu war tot, doch seine kleinen Diener beleben ihn wieder. Er findet Stefan und tötet ihn, während Michelle mit dem Blutstein fliehen kann. Ihre Schwester Becky kommt nach Rumänien, um nach ihr zu suchen. Doch kann Michelle ihren Blutdurst zügeln und ihre Schwester beschützen?

Als Becky agiert Melanie Shatner, die Tochter von William Shatner, die ihr Filmdebüt 1989 als Yeoman bei STAR TREK 5: AM RANDE DES UNIVERSUMS gegeben hat. Die mit Joel Gretsch (THE 4400) verheiratete Schauspielerin hat sich längst aus dem Business zurückgezogen und kümmert sich um ihre Töchter. In ihrer aktiven Zeit war sie jedoch hauptsächlich in Horrorfilmen, so etwa in SYNGENOR, zu sehen.  Der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach. Nicolaou weiß, wie er eine Geschichte spannend und stimmungsvoll erzählen kann und nutzt die authentischen Kulissen Rumäniens größtmöglich aus.

Die DVDs von Voulez Vous machen einen guten Eindruck. Das originale Vollbildformat wartet mit ordentlichen Farben auf, der Stereoton klingt gut. Rauschen ist erkennbar, aber tolerabel. Der größte Schwachpunkt ist wohl noch die bestenfalls durchschnittliche Schärfe. Für Low-Budget-Filme dieses Alters kann man aber durchaus zufrieden sein.

1994 folgte SUBSPECIES III – BLOODLUST und 1998 der abschließende Teil der Reihe, SUBSPECIES IV – IM BLUTRAUSCH.  Für Fans der Filmreihe ist außerdem THE VAMPIRE JOURNALS interessant, der von Nicolaou geschrieben und inszeniert wurde. In ihm agiert Ash, der Vampir mit Gewissen, das erste Mal, bevor er in SUBSPECIES IV auf Radu trifft.

Living in a Box

Ich habe gerade THE BOX gesehen. Darin geht es um Norma und Arthur Lewis, die von Mr. Steward ein unmoralisches Angebot erhalten. Er gibt ihnen eine Box mit einem Knopf darauf. Drücken sie den Knopf, wird irgendwo auf der Welt jemand sterben, den sie nicht kennen. Aber sie erhalten dafür eine Million Dollar. Der Film basiert auf der Kurzgeschichte “Button, Button” von Richard Matheson, wurde aber von Richard Kelly stark ausgeweitet. In der originalen Geschichte geht es nur um die Frage, ob man den Knopf drücken soll oder nicht. Und als Norma dies tut, stirbt Arthur, durch dessen Lebensversicherung sie zu Geld kommt. Norma versteht dies nicht, aber Mr. Steward erklärt ihr, dass sie doch nicht wirklich glaubte, ihren Mann zu kennen? In Kellys Film wird die Geschichte weiter aufgezogen. Er baut einen mythologischen Background auf, der nicht weiter erläutert wird, der außeriridischer oder überirdischer Natur sein könnte. Doch darum geht es eigentlich nicht. Denn hier wie dort kommt das Drücken des Knopfes mit einem Preis. Und der wiegt weit schwerer als ein von Gram gebeugtes Gewissen. Die Brücke zur originalen Geschichte schlägt Kelly, weil er Arthur darüber reden lässt, ob Norma die Menschen in ihrer Umgebung wirklich kennt.

THE BOX hat seine Makel, aber die Grundidee überzeugt. So erscheint der Film vergleichsweise ereignislos, aber es ist die Gedankenwelt, die fasziniert. Das ist allen Adaptionen von Richard Mathesons Geschichte inne. Sie wurde auch für die erste Staffel der 80er-Jahre-Neuauflage von TWILIGHT ZONE umgesetzt, dort aber deutlich verändert. Aber auch dieser Version der Geschichte erweist Kelly seine Reverenz. Sie endete damit, dass Mr. Steward den Lewises erklärt, dass nun jemand anderes die Box erhalten wird. Jemand, von dem er ihnen versichern kann, dass sie ihn nicht kennen.

Kellys Film ist vielleicht etwas überlang – und er hätte den phantastischen Aspekt mit dem Background zu Mr. Steward nicht wirklich benötigt -, aber er zieht in den Bann, weil man sich während des Schauens mit der Frage beschäftigt, was man an Stelle von Norma und Arthur tun würde. Der Gedanke sofortigen Reichtums ist verlockend. Einen Menschen, den man nicht kennt, über die Klinge springen zu lassen, scheint ein nur geringer Preis zu sein. Sicher, man hätte ein schlechtes Gewissen, aber hielte dies wirklich vor? Immerhin wüsste man nicht einmal, wer wie gestorben ist. Ich glaube, so einen Tod zu verursachen, ist zu abstrakt, als dass ein Mensch dadurch in starke Gewissensnöte kommt. Man könnte sich schließlich einreden, dass es nie passiert ist. Dass alles nur ein Trick war. Dass die Box nicht über die Macht verfügt, jemanden zu töten. Der gesunde Menschenverstand unterstützt dies, ist die Kiste in THE BOX doch leer. Sie ist nur ein Knopf. Nicht mehr.

Vielleicht ist es auch eine zynische Sicht auf die Welt, aber der Tod, der nicht an unserer Tür klopft, der niemanden trifft, den wir kennen, der annonym bleibt, ist zwar in der Theorie tragisch, für das persönliche Leben aber wohl irrelevant. Sicher, es ist ein hässlicher Gedanke, aber meiner Meinung nach einer, von dem sich niemand befreien könnte. Und das macht das unmoralische Angebot des Mr. Steward so verdammt erschreckend. Ich glaube, kaum jemand würde es ablehnen.

Denn niemand würde sich um die Konsequenzen Gedanken machen. Ein Leben verlischt, aber was ist das schon bei mehr als sieben Milliarden? Und vielleicht wäre die Person ja ohnehin gestorben. All diese Gedanken wiederum verhindern in den verschiedenen Formen der Geschichte, dass die Geprüften sich fragen, warum ihnen dieses Angebot unterbreitet wird. In jeder Version der Geschichte kommt die Enscheidung, den Knopf zu drücken mit einer tragischen Konsequenz, sei es ein Leben in Unsicherheit, der Tod des eigenen Mannes oder der Zwang, einen Menschen, den man kennt und liebt, töten zu müssen, um einen anderen zu retten. Wer auch immer mit der Box in Kontakt gerät, ist letzten Endes verdammt.

In Kellys Film gibt es eine vage Erklärung für die Prüfung. Man erfährt nicht, wer Mr. Stewards Auftraggeber sind, aber man erfährt, dass es um einen Altruismus-Quotienten geht. Die Tests laufen solange fort, bis erkennbar ist, wie der Mensch als Spezies handelt. Im Klartext heißt das: Drücken zuviele den Knopf, verdammen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschheit, denn diese wird als nicht überlebensfähig eingestuft und wird dann vom Angesicht der Erde getilgt. In Kellys Geschichte nimmt die Handlung religiöse Motive an. Man könnte aufgrund des Settings mit NASA und Mars-Landung argumentieren, Mr. Steward handle im Auftrag von Außerirdischen. Weit stimmiger ist jedoch die religiöse Sicht. Mr. Steward handelt im Auftrag Gottes. Er ist die Schlange, die verführen soll. Und gleichzeitig ist er Abraham, der in Sodom und Gomorrha nach zehn Gerechten sucht. Ob er die findet, ist fraglich. Der Film zeigt uns nur drei der Tests, aber bei jedem einzelnen wird der Knopf gedrückt.

Eine weitere Version der Geschichte gibt es mit dem australischen Kurzfilm BLACK BUTTON. Zwar berufen sich die Macher darauf, Mathesons Geschichte nicht zu kennen, aber die Ähnlichkeiten sind frappierend. Mit Ausnahme des Endes: Denn in BLACK BUTTON entscheidet man sich ebenfalls für die religiöse Komponente, auch wenn die Umstände deutlich anders sind. Hier ist das Dilemma, den Knopf zu drücken oder es sein zu lassen, aber ebenfalls mit einem verheerenden Preis verbunden, den der “Proband” nicht kennt.

Bleibt die Frage, wie würde man sich selbst verhalten. Würdet ihr den Knopf drücken? Würde ich den Knopf drücken? Hm, wäre ich Amerikaner, würde ich mich auf den fünften Verfassungszusatz berufen…

TWILIGHT ZONE: Button, Button

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BLACK BUTTON

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THE BOX Trailer

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Spartacus: Whore

Die neunte Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND trägt den Titel „Whore“. Und wie so oft ist der Titel vielsagend und funktioniert in Hinblick auf mehr als nur eine Figur. Eine römische Frau hohen Standes bittet Lucretia um einen Gefallen. Sie will mit Spartacus schlafen, wobei dies natürlich unter äußerster Diskretion geschehen muss. Ilithyia findet dies aber heraus und äußert Lucretia gegenüber, dass sie auch dieses Begehr spürt. Allerdings in Hinblick auf Crixus. Um Spartacus auf seine Aufgabe vorzubereiten, schickt Lucretia ihm eine Sklavin zum „Üben“, doch dieser weigert sich. Er hat jedoch kein Problem, mit der Römerin zu schlafen und gibt sich seinem Herrn gegenüber ganz und gar loyal. Spartacus wird vorbereitet. Er trägt ebenso wie die Römerin eine Maske. Doch wie sich herausstellt, schläft Spartacus nicht mit der Römerin, sondern mit Ilithyia. Als Lucretia mit der Römerin dazwischenkommt und allen klar wird, was hier vor sich geht, versucht Spartacus Ilithyia zu erwürgen. Die Römerin lacht ihre Freundin aus, woraufhin Ilithyia sich auf sie stürzt und ihr den Schädel einschlägt. Batiatus ist außer sich, da die Frau enorm mächtige Verwandte hat. Doch Lucretia beschwichtigt, dass niemand von ihrem Kommen wusste. Man muss nur die Leiche beseitigen. Ilithyia versteht nicht, warum Lucretia ihr das angetan hat. Doch diese erklärt, dass das ihr kleines Geheimnis ist und sie nun noch stärker aneinandergeschweißt sind.

„Whore“ – die Hure. Doch wer ist damit hier gemeint? Spartacus, der die Römerin besteigen soll? Crixus, der Lucretia zu Diensten sein muss. Die Römerinnen? Oder doch eher Varros Frau, die er als solche titulierte und von der er nichts mehr gehört hat? Am Ende gar Ashur, der sich an Batiatus‘ Konkurrenten Solonius verkauft? Der Titel passt fast für alle Figuren dieser an Intrigen reichen Geschichte. Dabei spielt fast jeder ein doppeltes Spiel, verrät einander und kocht ein eigenes Süppchen. Bei manchen Figuren wie Naevia mag das gerechtfertigt sein, macht sie doch einer Wache schöne Augen, um an den Schlüssel zu Crixus‘ Zelle heranzukommen. Bei anderen wie Ashur ist es verkommener Verrat, warnt er doch den Konkurrenten seines Herrn, dass dieser ihn ermorden lassen will. An sich ein gerechtfertigter Umstand, war es doch Solonius, der Batiatus in der Grube meucheln lassen wollte.

Diese Folge ist besonders für Lucy Lawless‘ Figur wichtig. Ihre Lucretia hat sich viel von Ilithyia bieten lassen und das akzeptiert, weil sie gute Miene zum bösen Spiel machte. Das Ziel war der gesellschaftliche Aufstieg. Doch als Ilithyia Crixus für ein Schäferstündchen fordert, wird Lucretias Eifersucht grenzenlos. Es ist klar, dass sie ihn ganz und gar für sich alleine will, was sicherlich noch in Hinblick auf Naevia problematisch werden wird. Dabei betrügt sie ihren Mann und hat einen Wutanfall, ohne diesem zu sagen, was diesen auslöst. Es ist nicht die Art, wie Ilithyia sie behandelt, sondern der Fakt, dass sie ihren Mann will, der Lucretia zur Furie werden lässt. Und das ist von Lucy Lawless hervorragend gespielt. Die Szenen zwischen Viva Bianca als Ilithyia und ihr sind aufregend. Es knistert. Und zwar nicht nur vor verhaltener Erotik, sondern auch, weil sich hier zwei Schlangen umkreisen. Da ist es nur konsequent, dass sie am Ende durch die Tat aneinander gekettet sind. Das Schicksal der einen wird bei Entdeckung auch das Schicksal der anderen sein.

In einer Nebenhandlung erfährt man, dass Varros Frau und Kind verschwunden sind, sich auf dem Boden des Hauses jedoch Blut befand. Und Crixus trainiert nach langer Zeit wieder als Gladiator. Und damit endet die eigentlich nicht geplante SPARTACUS-Woche (aber vielleicht lass ich mich noch über die Comics aus, bevor neue Folgen anstehen…).

Spartacus: Mark of the Brotherhood

Die achte Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND trägt den Titel “Mark of the Brotherhood”. Mit dieser Folge gibt es praktisch einen Neubeginn, der dadurch besiegelt wird, dass neue Rekruten im Ludus ankommen. Batiatus hat neue Sklaven eingekauft, die nun ausgebildet werden sollen. Um Ilithyia zu schmeicheln, bieten Batiatus und Lucretia ihr an, einen Sklaven zu kaufen und ihren eigenen Gladiator zu haben. Das ist auch die perfekte Gelegenheit für Lucretia, nicht nur Ilithyia, sondern auch ihre Freundinnen, die einen weit höheren Stand als sie haben, einzuladen. Bei der Gelegenheit führt man Spartacus vor, von dem Ilithyia beleidigt wird. Darum macht sie ihrem Gladiator ein Angebot: Wenn er Spartacus tötet, schenkt sie ihm die Freiheit. Tatsächlich gelingt es ihm fast, Spartacus zu töten, doch Crixus rettet ihn. Damit beweist Crixus auch seinen Wert, denn aufgrund seiner langsamen Heilung wollte Batiatus ihn eigentlich schon verkaufen. Am Ende wird Ilithyias Gladiator gekreuzigt.

Einige Zeit ist vergangen, seit Spartacus erstmals als Sklave den Ludus betreten hat. Und mit den neuen Rekruten, die hier auftauchen, wiederholt sich die Geschichte, nur dass er nun den Platz eines erfahrenen Gladiators einnimmt. Interessant ist dabei natürlich, dass er praktisch der neue Crixus ist, aber er behandelt die Rekruten besser als es ihm selbst widerfahren ist. So ist es vor allem der Gegensatz von Spartacus und Crixus, der die Folge bestimmt. Bemerkenswert ist dabei, dass Crixus das Leben von Spartacus rettet. Er hasst ihn, aber er ist ein Bruder im Ludus und er verdient einen ehrenvollen Tod durch die Hand eines Gladiators. Das Ende verspricht, dass es durchaus noch krachen wird.

Die Storyline um Crixus überzeugt aber auch, weil die menschlichen Elemente vorhanden sind: Die zarte Liebe zu Naevia und der drohende Verkauf, den beide abzuwenden hoffen. Auf gänzlich andere Art und Weise ist die Sequenz grandios, in der Lucretia ihre Gäste bewirtet. Sie wird mehr als einmal im Verlauf der Serie von Ilithyia auf wenig subtile Art und Weise auf ihren Platz verwiesen. Und hier geschieht dasselbe mit Ilithyia, denn die feinen Damen der römischen Gesellschaft haben offenbar eins gemeinsam: Sie weiden sich an der Demütigung der Ihren.

Ein wenig überraschend ist der zügige Tod des neuen Galliers, wurde er doch auf eine Art und Weise eingeführt, die Glauben macht, dass er das Ende der Episode überleben würde. Eins bleibt aber doch ungeklärt: Warum der Gallier seine Herrin nicht verraten hat, als man ihn vor der Kreuzigung folterte…

Spartacus: Great and Unfortunate Things

Die siebte Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND trägt den Titel “Great and Unfortunate Things”. Und mit dieser Folge erreicht die Entwicklung der Hauptfigur einen Höhepunkt. Spartacus trauert um seine Frau. Gleichwohl sorgt er sich um den jungen Pietros, der von einem Gladiator vergewaltigt wird. Nachdem Pietros, der glaubte, dass Barca für sie beide die Freiheit erkaufen würde, sich selbst tötet, tötet Spartacus den Gladiator. Das erzürnt Batiatus, hatte der Gladiator doch beträchtlichen Wert. Aber Spartacus kann für neue Gewinne sorgen, denn er soll einen legendären römischen Führer in der Arena spielen. Was Spartacus jedoch nicht gefällt: Dieser Führer kämpfte gegen die Thraker und seine Gegner in der Arena sollen Thraker sein. Spartacus denkt über seine Frau nach und was sie ihm sagte. Sie sagte, die Götter hätten einen Plan für ihn, ein Schicksal, und das Weiterleben wäre es wert, um diese Bestimmung zu erfüllen. Darum beschließt er, sein Schicksal anzunehmen. Mit Batiatus schließt er einen Pakt: Er wird alleine gegen die sechs “Thraker” kämpfen. Und Batiatus besteht darauf, dass er danach nur noch für sein Schicksal lebt: Ein großer Gladiator zu werden. Derweil unternimmt Doctore Nachforschungen. Er glaubt die Geschichte nicht, dass Barca sich freikaufte.

Diese siebte Folge der Serie ist ganz und gar Spartacus vorbehalten. Und der Schlussmoment in der Arena zeigt, dass er nun sein Schicksal akzeptiert. Er ruft es richtiggehend hinaus: “Ich bin Spartacus.” Wie auch immer er früher geheißen haben mag, dieser Mann ist tot. Nun folgt er einer neuen Bestimmung, die er selbst noch nicht kennt. Wir als Zuschauer sind da schlauer, da wir wissen, dass er versuchen wird, die Sklaven in die Freiheit zu führen. Darum wissen wir auch um sein Schicksal und dass diese Bestrebungen letzten Endes nicht fruchten werden, doch das ändert nichts daran, dass der Aufstand notwendig ist. Der Moment, in dem aus dem Gladiator ein für allemal Spartacus wird, ist narrativ exzellent gestaltet. Er sieht im letzten “Thraker”, den er tötet, sich selbst. Und mit diesem Mann stirbt auch der Thraker in ihm.

Obschon “Great and Unfortunate Things” vor allem Spartacus vorbehalten ist, haben auch die anderen Figuren gute und wichtige Momente. Varro erhält etwas Tiefe, weil man seine Frau trifft, mehr über ihn erfährt und einen Ausbruch der Gefühle miterleben kann. Und Doctore versucht sich als antiker Sherlock Holmes, der erkennt, dass die unterschiedlichen Geschichten nicht zusammenpassen. Darauf aufmerksam wird er dadurch, dass Naevia Crixus und ihn angelogen hat. In dem Glauben, Barcas Ehre zu verteidigen. Doch als sie Doctore sagt, dass sie durch seine Fragen in “harm’s way” gerät, also in höchste Gefahr, wird dem Ausbilder klar, dass etwas nicht stimmt. So wird es interessant zu sehen, wie und ob sich dieser Handlungsstrang noch entwickelen wird. Besonders gilt dies auch, weil Doctore um Spartacus’ Fluchtpläne weiß, aber schweigt. Hier könnte der Grundstein gelegt werden, der Doctore zu einem wichtigen Helfer beim Aufbau von Spartacus’ späterer Armee werden lässt.

Affe tötet niemals Affe

DER PLANET DER AFFEN ist eine Filmserie, die auch heute noch nichts von ihrem Charme verloren hat, was nicht nur an den exzellenten Masken, sondern auch an den originellen Geschichten (die Ausnahme bildet Teil 5) der Filme liegt.

Auch in Deutschland gab esmal eine Zeit, in der DER PLANET DER AFFEN deutlich populärer war. 1975, als der Williams Verlag die Comic-Serie im Magazinformat lancierte, war die Filmserie zwar schon zwei Jahre beendet, aber das Interesse der deutschen Leser war dennoch ungebrochen. Und das ist nur zu gut verständlich. Die 13 Ausgaben von DER PLANET DER AFFEN bestechen durch ihren abwechslungsreichen Inhalt, bei dem es eine gelungene Farbadaption der ersten drei Filme gab (von denen die dritte leider nicht mehr beendet werden konnte) und eine atmosphärisch sehr dichte, in schwarz-weiß erzählte Fortsetzungsgeschichte, die einen Planet der Affen zeigt, auf dem die Menschen noch nicht verdummt waren, sondern mit den Affen zusammenlebten, auch wenn klar war, dass der haarlose Affe hier nicht mehr all zu viel zu sagen hatte. Diese Erzählung, von den Altmeistern Doug Moench und Michael Ploog in Szene gesetzt, erinnert übrigens ein wenig an die kurzlebige Fernsehserie um den PLANET DER AFFEN, die Ende der 80er Jahre auch einmal auf PRO 7 zu sehen war und mittlerweile auf DVD vorliegt.

Ergänzt wurden die Magazine durch sehr informative Artikel und Interviews rund um das Filmphänomen und so mancher Kurzgeschichte, die an irgendeinem Zeitpunkt der Affen-Chronologie stattfand. Alles in allem ist diese kurzlebige Serie ein kleine Perle, die heute zu Unrecht beinahe in Vergessenheit geraten ist und ruhig wiederentdeckt werden sollte.

Spartacus: Delicate Things

Die sechste Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND trägt den Titel “Delicate Things”. Und was hier geschieht, ist in höchster Weise delikat. Nach seinem Sieg verkündet Batiatus Spartacus, dass seine Frau gefunden ist und in zwei Tagen eintreffen wird. Derweil besucht der Magistrat Batiatus und erhält Kunde von einem Botschafter, nach der der Sohn seines toten Verwandten Ovidius am Leben sein soll. Für Batiatus ist dies schlechte Kunde, könnte der Junge ihn doch verraten. Darum muss er herausfinden, ob es stimmt und so spricht er mit Barcas Liebhaber Pietros, der es bestätigt. Daraufhin lässt Batiatus Barca töten, nur um wenige Minuten später herauszufinden, dass Barca ihn nicht angelogen hat. Er hat den Jungen getötet, aber seinen Liebhaber angelogen. Barca fiel damit einer Intrige von Ashur zum Opfer, da dieser dem Gladiator eine hohe Summe Geld schuldete. Spartacus will die Freiheit. Er ist nicht gewillt, jahrelang für Batiatus zu kämpfen, während seine Frau als Sklavin ihr Dasein fristet. Darum plant er die Flucht und bereitet alles vor: Er organisiert Wein und Weiber für die Gladiatoren, setzt Doctore unter Drogen und ist bereit, Batiatus zu entführen, um sicher mit Sura fliehen zu können. Doch als die Kutsche mit Sura eintrifft, ist all dies vergessen. Die Kutsche wurde überfallen und alle Insassen wurden getötet. Sura lebt noch wenige Momente und sieht Spartacus an. Batiatus sagt seiner Frau, dass er sein Versprechen, sie wieder zueinander zu bringen, eingehalten hat.

Wäre man ein Zyniker, müsste man sagen, es war von vornherein klar, dass Sura das Ende nicht erleben würde. Warum? Weil sie als einzige Spartacus’ echten Namen kennt. Und die Macher von SPARTACUS: BLOOD AND SAND wollen sicherlich nicht, dass dieser innerhalb der Serie benutzt wird. Davon abgesehen erwartet man im Verlauf der Folge durchaus, dass sich das Ende anders gestaltet. So wäre es auch durchaus möglich gewesen, dass die falsche Sura in den Ludus gebracht worden wäre.

Bislang war es so, dass praktisch jede Folge in Bezug auf ein oder zwei Personen wichtige Erkenntnisse brachte. In “Delicate Things” geschieht dies mit Batiatus, einem ehrenwerten Mann, wie Spartacus erklärt. Und doch sieht man an ihm eine gänzlich andere Seite, die zuvor so nicht offen zutage getreten ist. Er ließ Sura töten, hielt jedoch sein Versprechen ein und kann doch sicher sein, Spartacus an sich zu ketten. Als Lucretia versteht, was Batiatus getan hat, sieht man Entsetzen auf ihrem Gesicht. Überraschung darüber, wozu ihr Mann fähig ist. Doch dies ist nicht die einzige Schreckenstat des Batiatus. Die Badeszene zeigt eine sadistische Ader an ihm, die zuvor nicht erkennbar war. Und die Hinrichtung von Barca zeigt wiederum, dass auch der Meisterplaner Batiatus nicht davor gefeit ist, Opfer einer Intrige zu werden.

So ist “Delicate Things” auch eine Folge der Abschiede. Zwei Protagonisten sterben – und mit ihnen geht der Glaube an einen ehrenwerten Römer zugrunde. Es sind die kleinen Momente, die hier besonders gut funktionieren. Die Szenen, in denen ein Blick mehr aussagt, als tausend Worte. Solche Momente haben John Hannah, Lucy Lawless, Peter Mensah und Antonio Te Maioho. Letzterer erlebt einen Moment von Menschlichkeit, macht diesen aber zunichte. Und Peter Mensah als Doctore ist mehr als klar, was Spartacus getan hat. Insofern wird interessant, wie sich ihrer beider Beziehung in den weiteren Folgen manifestieren wird.

Sehr schön sind die Szenen, in denen man sieht, wie Spartacus seinen Fluchtplan immer wieder aktualisiert. Bis hin zu der Version, an deren Ende er fast mit Sicherheit glücken muss. Doch nichts im Leben ist sicher, wie Varro zu bedenken gibt. Und er hat Recht!