Willkommen auf … the Rock

ALCATRAZ ist eine neue, von J.J. Abrams produzierte Serie, die sich anschickt, das neue LOST zu werden. Zumindest fängt sie ähnlich mysteriös an und könnte – so es auch hier keinen Masterplan gibt – am Ende mit einer viele Zuschauer enttäuschenden Auflösung daherkommen. Doch von Anfang an:

Im Jahr 1963, kurz bevor Alcatraz als Gefängnis geschlossen werden sollte, verschwanden von einem Moment zum nächsten mehr als 300 Häftlinge und Wächter und wurden nie wieder gesehen. Die Regierung vertuschte dies und ließ es so aussehen, als seien die Häftlinge in andere Gefängnisse überstellt worden und dort im Lauf der Jahre gestorben. Doch nun kommen diese Häftlinge einer nach dem anderen zurück. Knapp 50 Jahre nach ihrem Verschwinden sind sie noch so jung wie eh und je. Das Problem: Diese Verbrecher folgen ihren alten Mustern und sind gefährlich. Doch damit nicht genug: Wer auch immer sie geschickt hat, verfolgt einen Plan und nutzt diese Männer, um unliebsame Menschen aus dem Weg zu räumen.

Emerson Hauser arbeitet für eine geheime Regierungsbehörde. Schon seit Jahren wartet man darauf, dass die 1963er zurückkehren. Nun, da es soweit ist, rekrutiert Hauser – ein wenig unwillig, aber letzten Endes doch ohne größere Probleme – die Polizistin Rebecca Madsen, deren Großvater einer der 1963er ist, und Dr. Diego Soto, eine Koryphäe, was Alcatraz und seine Insassen betrifft. Gemeinsam versuchen sie, dem Geheimnis der 1963er auf die Spur zu kommen und die Verbrecher davon abzuhalten, erneut zu morden.

Dass ALCATRAZ besonders auch an LOST erinnert, liegt in der Struktur begründet. In den einzelnen Folgen gibt es immer wieder Rückblicke in die frühen 60er Jahre, die dann zeigen, wie die Häftlinge, die nun in der Gegenwart für Ärger sorgen, nach Alcatraz kamen oder wie sie sich dort benahmen. Das kann sehr schnell zur Formel werden. Nach bisher zwei Folgen ist es noch in Ordnung, aber dann wird sich zeigen müssen, wie die Autoren dieses Mysterium ausbauen und in welche Richtung es geht.

Schon frühzeitig werden ein paar interessante Rätsel geboten. So etwa die Figur Hauser. Der von Sam Neill gespielte Leiter der namenlosen Behörde war schon 1963 in Alcatraz als junger Wachmann dabei (und müsste demnach deutlich älter sein, als es Neill ist). Zudem hat er irgendwo im nirgendwo – genauer: im Wald – ein privates Gefängnis, in das die Alcatraz-Rückkehrer eingesperrt werden. Hinweise darauf, wer oder was hinter diesem Phänomen stecken könnte, gibt es noch keine, dafür wartet das Ende der zweiten Folge aber immerhin mit einer Überraschung auf, taucht eine Figur doch 1963 ebenso unverändert auf, wie sie es 2012 ist, als sie für Hauser arbeitet. Ganz und gar nicht überraschend ist hingegen, dass die Polizistin einen persönlichen Grund hat, sich zu engagieren. Und das sogar in doppelter Hinsicht, denn in den ersten Minuten der ersten Folge wird ihr Partner getötet – von ihrem aus dem Limbo zurückgekehrten Großvater.

Die Schauspieler sind gut, allerdings werden sie auch nicht besonders gefordert. Sam Neill hat schon des Öfteren geheimnisvolle Typen gespielt und Jorge Garcia ist als Diego Soto praktisch der Schwippschwager von Hurley. Da passt es doch auch, dass sich beider Leben um eine Insel dreht. Die weitgehend unbekannte Sarah Jones als Detective Madsen schlägt sich gut und wirkt erfrischend normal.

Auffällig an der ersten Folge ist, dass alles etwas sehr leicht von der Hand geht. Rebecca und Diego sind in Nullkommanix Teil der ominösen Organisation. Dies geht sogar so schnell vonstatten, dass man wohl erwarten muss, hier noch eine Überraschung zu erleben. Und wenn es die nicht gibt, dann haben es sich die Autoren einfach ganz leicht gemacht.

ALCATRAZ fängt gut, aber alles andere als spektakulär an. In weiten Teilen fühlt sie sich an, als handele es sich bei ihr eh nur um eine weitere Cop-Show, die mit ein paar SF-Elementen aufgepeppt wird. Die Schauspieler sind gut, eine richtige Dynamik stellt sich aber nicht sofort ein. Und: Eine Nebenfigur (zumindest steht das zu vermuten) ist um Welten interessanter als die Hauptfiguren. Jeffrey Pierce spielt Häftling Jack Sylvane und strahlt nicht nur eine Gefährlichkeit, sondern auch eine Traurigkeit aus, womit er mehr Emotion bietet, als die drei Hauptfiguren zusammen.

ALCATRAZ könnte richtig gut werden, muss aber nicht. Für ein endgültiges Urteil ist es zu früh. Am Ende der ersten Staffel sind wir wohl schlauer. Bleibt nur zu hoffen, dass es am Serienende nicht heißt: “Um das Mysterium ging es doch nie. Es geht um die Charaktere.”

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“A nal na tracht, ut was betat, doriel dienwe.” – Leben Sie wohl, Mr. Williamson!

Es ging an den meisten wohl vorbei, so wie auch an mir, aber schon im letzten Jahr, am 16. Dezember 2011, verstarb der große Schauspieler Nicol Williamson nach einem zweijährigen Kampf mit dem Krebs im Alter von 75 Jahren. Der Schotte hat eine überschaubare Filmographie vorzuweisen. Es war jedoch das Theater, das Williamson in seinen Bann gezogen hatte. Mir fiel er erstmals auf, da war ich noch ein Junge und sah zum ersten Mal John Boormans EXCALIBUR. Für ein Kind war der Film eigentlich viel zu schwer, viel zu düster, viel zu opernhaft, aber ich war – und bin es noch – fasziniert. Von der Bildgewalt, vor allem aber von Nicol Williamson als Merlin. Für mich hat er Merlin definiert. Ein jeder anderer Schauspieler muss sich an ihm messen lassen – und in der Regel dabei verlieren. Was aber nicht verwerflich ist, galt Williamson doch als einer der größten Schauspieler seiner Generation und wurde von Bühnenautor John Osborne als “größter Mime seit Brando” bezeichnet.

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Dass er nie zum großen Star wurde, lag auch an seiner exentrischen Art, die dafür sorgte, dass er von Ko-Stars gefürchtet wurde. Williamson war ein Mann, der Narren nicht leichtfertig ertrug – weder auf der Bühne noch im Publikum. So kam es vor, dass er während einer Vorführung innehielt, weil Gewisper im Publikum zu vernehmen war, sein Schauspiel abbrach, die Zuschauer ermahnte und danach fortfuhr. Einem seiner Kollegen im Stück “I hate Hamlet” schlug er mit dem Schwert auf den Hintern, als dieser aus der vorgegebenen Choreographie ausbrach. Im selben Stück hielt er oftmals inne und zog plötzlich nicht nur über seine Ko-Stars, sondern auch über die Qualität des Stücks vom Leder.

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Als John Boorman ihn für EXCALIBUR holte, da wollte er nicht nur Williamson als Merlin, sondern auch Helen Mirren als Morgana. Dem Regisseur war bekannt, dass die beiden, die Jahre zuvor eine Affäre zueinander gepflegt hatten, einander nicht länger ausstehen konnten. Als Williamson und Mirren erfuhren, dass sie beide in dem Film sein würden, protestierten sie. Doch das war Boorman egal, er wollte die Spannungen zwischen beiden, die im wahren Leben existierten, auch in ihren Rollen wiedersehen.

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Merlin war seine größte Filmrolle, aber auch mit anderen Rollen blieb er im Gedächtnis. Als Little John in ROBIN UND MARIAN oder mit einer sehr eigenen Interpretation von Sherlock Holmes in KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES. Williamson war jedoch nicht nur ein exzellenter Schauspieler, sondern auch ein Poet. Viele seiner Gedichte kann man – von ihm selbst vorgetragen – auf YouTube genießen.

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“Ich verstehe der Menschen Schmerz, Leidenschaft und Angst, und ich kann dies widerspiegeln, auf dass sie es betrachten können.” – Nicol Williamson

 

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Selene ist zurück

UNDERWORLD: AWAKENING soll anders sein. Der bekannte Status Quo wird aufgebrochen, die Vampire und Lykaner werden der Menschheit bekannt und ein gnadenloser Ausrottungskampf beginnt. Michael wird scheinbar getötet, Selene gefangen genommen und eingefroren. Das sind die ersten fünf Minuten des Films. Dann kommt ein Zeitsprung um zwölf Jahre. Selene wird aufgetaut, kann fliehen, und sucht nach Michael, den sie für Subjekt 2 hält. Doch falsch, dieses Subjekt 2, das Hauptforschungsobjekt einer sinistren Firma, ist ihre Tochter, die wie Michael ein Hybride ist. Die Flucht währt nur kurz, denn das Töchterchen wird alsbald aufgegriffen. Und dann kommt der von Stephen Rea gespielte Dr. Jacob Lane hinzu, der natürlich ganz eigene Pläne verfolgt. All das endet  in viel bleihaltiger Action. Im Grunde fängt es auch so an und bietet im Mittelteil auch nichts anderes.

Die eigentlich interessante Geschichte, die der Trailer auch propagiert, wird außen vor gelassen. Der Krieg der Menschen gegen die Nicht-Menschen, die Vampire und die Lykaner, wird in fünf Minuten abgehandelt. Danach kommt das übliche Gekloppe zwischen Vampiren und Lykanern und die Menschen treten praktisch nicht mehr in Erscheinung. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass man zwar den Status Quo aufrütteln will, aber sich irgendwie doch nicht so recht traut, etwas ganz anderes zu bieten (man denke an das Marvel-Credo: Niemals etwas verändern, sondern nur die Illusion von Veränderung erschaffen).

Was man bei UNDERWORLD: AWAKENING jedoch wirklich hätte sehen wollen, ist, was die ersten Minuten anreißen. Der Ausbruch des Krieges zwischen Mensch und Überwesen, das sich wendende Kriegsglück und der beinahe stattfindende Genozid. Das ist der Stoff, aus dem eine große Geschichte hätte werden können. Was geboten wird, ist im Endeffekt nicht mehr als ihr Wurmfortsatz.

Findet man sich damit ab, dass einem der Film die interessantere Geschichte vorenthält, dann kann man zumindest konstatieren, dass die beiden schwedischen Regisseure wissen, wie man Action dynamisch in Szene setzt. Dabei verstehen sie es auch, die Dreidimensionalität des Bildes zu nutzen, um das Geschehen noch unmittelbarer zu gestalten. An UNDERWORLD: AWAKENING ist jedoch kein bisschen Fett. Mit einer Laufzeit von gerade mal 80 Minuten gibt es für die Charaktere, deren Beziehung zueinander und die Geschichte selbst so gut wie kein Entfaltungspotenzial. Von Plot-Elementen, die einfach in der Luft hängen geblieben lassen, wollen wir erst gar nicht reden. Stattdessen wird geschossen und gekämpft. Das aber immerhin mit sehr viel Stil.

Auf der Haben-Seite gibt es die wie immer adrette und schlagkräftige Kate Beckinsale, das Fehlen von Schnarcher Scott Speedman und viel feiste Action. Demgegenüber stehen im Soll merkwürdig animierte Ratten-Werwölfe, Riesen-Lykaner, die an Endgegner typischer Computerspiele erinnern und eine Geschichte, die fast nicht fassbar ist. Etwas verschwendet erscheinen Charles Dance als Vampir und Michael Ealy als Polizist. Deren Figuren wirken, als hätten sie bei der Entwicklung vom Drehbuch zum fertigen Film kräftig Federn lassen müssen. Fazit: Als Action-Film okay, aber vorhandenes Potenzial wurde leider nicht ausgereizt.

 

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Ein Roboter aus Italien

L’UOMO MECCANICO ist ein früher Science-Fiction-Film aus Italien, der 1921 produziert wurde. Über viele Jahrzehnte hinweg galt er als verschollen, vor ein paar Jahren wurden ein paar Filmrollen wiederentdeckt. Allerdings enthalten diese nicht den ganzen Film. Bis dato sind nur etwa 40 bis 50 Prozent des Films erhalten, erfreulicherweise ist dies aber Material aus der zweiten Hälfte. Hier gibt es den mechanischen Mann, den (vermutlich) ersten Roboter der Filmgeschichte zu sehen. Besonders toll sind die Momente, in denen der Roboter das Auto verfolgt und mit einem anderen Roboter im Clinch liegt. In den USA gibt es diese Fragmente auch als THE MECHANICAL MAN auf einer Billig-DVD von Alpha zusammen mit dem Stummfilm THE HEADLESS HORSEMAN. Nach wie vor verschollen ist der ebenfalls 1921 in Italien produzierte IL MOSTRO DI FRANKENSTEIN. Gerade den würde ich gerne mal sehen.

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Der dekomprimierte Tod von Spider-Man

Dass der ultimative Spider-Man ins Gras beißt, hatte man ja gehört. Nun ist das “Epos” – und ich benutze das Wort nur widerwillig – als fünfter Band der ULTIMATE SPIDER-MAN-Reihe von Panini erschienen.

Ein kurzer Abriss der Handlung: Norman Osborn bricht aus dem Gefängnis aus, befreit dabei auch Spider-Mans andere Erzfeinde, und man kommt überein, dass man der Spinnenplage ein für allemal den Garaus machen will. Dass das möglich ist, liegt letzten Endes auch nur daran, dass der Punisher aus welchen abstrusen Gründen auch immer Captain America erschießen will, Spidey ihn wegstößt und die Kugel abbekommt. Warum Captain America den halbtoten Spider-Man einfach rumliegen lässt, erfährt man hier nicht. Auf jeden Fall schwingt der blutende Peter nach Hause und muss dort dann gegen den Kobold und die anderen kämpfen. Mit letzter Kraft besiegt er sie alle, aber dann ist er doch verblutet.

Autor Brian Michael Bendis war früher auch schon mal besser. Was er hier in fünf Heften abliefert, hätte man bei weniger dekomprimierter Schreibe auch in zwei Heften abfassen können. Stattdessen zieht sich das Ganze wie ein Kaugummi. Aber was noch schlimmer ist: Man muss wohl noch einige andere ULTIMATE-Serien lesen, um das Ganze zu durchschauen. Was der Punisher hier zu suchen hat, wieso er Cap töten will und warum die Lebende Legende den halbtoten Spider-Man einfach so liegen lässt? Keine Ahnung, irgendwo wird es darauf schon eine Antwort geben, in diesem Band auf jeden Fall nicht.

Was es stattdessen gibt, ist das langgezogene, wenig spektakuläre Sterben von Spider-Man. Das kommt erstaunlich wenig heroisch rüber, auch wenn Peter sich ins Zeug legt, um Tante May, Gwen und Mary-Jane zu retten. Am Ende ist es nur eine 08/15-Prügelei, die auch anders hätte ausgehen können. Aber Bendis musste Peter Parker ja loswerden, um mit seinem neuen Spider-Man spielen zu können. Emotional lässt einen dieser Tod kalt. Er ist so halbgar dargeboten wie es das vor mehr als 20 Jahren auch bei Superman und seinem Kampf mit Doomsday nicht anders war (übrigens: das Norman-Osborn-Kobold-Monster erinnert entfernt an Doomsday). Die Story bringt’s nicht, aber wenigstens sind die Zeichnungen von Mark Bagley top.

Das das Ultimate-Universum eh nur eine Bastard-Version des eigentlichen Marvel-Universums ist, mag es hier sogar sein, dass Peter Parkers Tod mal etwas längeren Bestand hat. Wirklich darauf wetten würde ich aber auch nicht…

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Kino in Kürze (6): GEFÄHRTEN (16.02.2012)

Steven Spielbergs neuer Film GEFÄHRTEN (WAR HORSE) basiert auf einem Roman, der auch zu einem erfolgreichen Bühnenstück verarbeitet wurde. Die Geschichte beginnt mit der besonderen Freundschaft zwischen einem Pferd namens Joey und Albert (Jeremy Irvine), einem Jungen, der ihn zähmt und trainiert. Als die beiden gewaltsam getrennt werden, folgt der Film der außergewöhnlichen Reise des Pferdes auf seinem Weg durch den Krieg und zeigt, wie es die Leben zahlreicher Menschen inspiriert und verändert, denen es unterwegs begegnet – britischer Kavallerie, deutscher Soldaten und eines französischen Bauern und seiner Enkelin – bevor die Geschichte im Niemandsland zwischen den Fronten ihr Ende findet.

GEFÄHRTEN sieht toll aus, episch, prächtig, so wie man das bei einem Großprojekt von Steven Spielberg erwarten darf. Dem älteren, reiferen, ruhigeren Spielberg. An der Optik gibt es nichts zu mäkeln, an der Geschichte sehr wohl schon. Das Problem ist, dass sich der Roman nur ungenügend in ein anderes Medium überträgen lässt. Der Roman ist aus der Perspektive des Pferdes erzählt. Darum gibt es eine innere Kohärenz. Die fehlt dem Film, der extrem in eine episodische Struktur zerfällt.

Sicherlich wäre es albern gewesen, Joeys Gedanken hörbar zu machen, aber ohne diesen Kunstgriff hat man eine Geschichte, die sich letzten Endes weniger mit dem Pferd, als vielmehr mit den Menschen beschäftigt. Und da es zwischen diesen praktisch keine Berührungspunkte gibt, galoppiert der Film von Episode zu Episode, lässt aber einen echten Höhepunkt vermissen. GEFÄHRTEN plätschert zu sehr. Das langweilt nicht, aber von einem Meisterwerk ist der Film weit entfernt.

Merkwürdig: Die Entscheidung, die Deutschen untereinander Englisch sprechen zu lassen (im Hintergrund aber sehr wohl deutschsprachige Befehle brüllen lassen). Auch die Franzosen sprechen Englisch – untereinander und mit Akzent. Authentizität sieht anders aus, Mr. Spielberg.

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Möge das Bellen mit euch sein

Genial.

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Everett De Roche über LINK, DER BUTLER

Als Sunfilm vor einiger Zeit das Remake von LONG WEEKEND rausbrachte, arrangierte Jörg Bauer für mich die Gelegenheit, mit Drehbuchautor Everett De Roche ein Interview zu führen. Es ist ein sehr langes, ausführliches Interview geworden, das seine großen Filme, darunter PATRICK, LONG WEEKEND, RAZORBACK und andere, abdeckt. Besonders interessant fand ich, was er zu LINK, DER BUTLER zu erzählen hatte.

Frage: 1986 arbeiteten Sie wieder mit Richard Franklin zusammen. Hat Franklin Sie für LINK – DER BUTLER geholt?

Everett De Roche: Ja, das war Richards Idee. Er hatte anfangs nicht viel, wir kamen dann aber auf die Affengeschichte, da wir uns beide zu der Zeit sehr für die Arbeit von Jane Goodall und Demond Morris interessierten.

Frage: LINK – DER BUTLER wurde in Großbritannien gedreht. Waren Sie am Set dabei?

Everett De Roche: Ich war während der Vorproduktionsphase in England, ging aber nach Hause, bevor die Dreharbeiten starteten. Elisabeth Shue oder Terence Stamp hab ich also nie getroffen. Aber die beste Anekdote erhielten wir vom Tiertrainer, der uns immens geholfen hat. Er erzählte uns, dass Schimpansen ungefähr sechsmal stärker sind als ein Mensch. Er berichtete uns von Trainern, denen schon Gliedmaßen und Augen ausgerissen worden waren. Und dann sagte er uns noch, dass es genetisch betrachtet zwischen einem Hund und einem Wolf weit mehr Unterschiede gibt als zwischen einem Menschen und einem Schimpansen.

Da Schimpansen sehr viel gefährlichere Affen sind, wurde aus Link schließlich ein Orang-Utan. Der Tiertrainer hatte Sorgen, dass drei Schimpansen am Set zu gefährlich sein würden. Aber auch mit nur zwei stand er ständig mit einem geladenen Gewehr parat. Wie man mir sagte, mussten die Dreharbeiten mit den Tieren auch immer verschoben werden, wenn weibliche Crew-Mitglieder ihre Periode hatten.

Frage: Was den Film von anderen Tierhorrorstreifen unterscheidet, ist die psychosexuelle Komponente zwischen Link und Elisabeth Shue. War das von vornherein so geplant oder entwickelte sich das im Verlauf der Dreharbeiten?

Everett De Roche: Ich wünschte, Richard würde noch leben. Er hatte unzählige Geschichten zu dem Film parat. Mir erzählte er einmal, dass er während der Dreharbeiten keine Ahnung hatte, ob die Zuschauer Angst haben oder lachen würden. Erst beim Schnitt konnte er abschätzen, wie die einzelnen Szenen wirken.

Und er erzählte mir, dass bei der Szene, in der Shue nackt ist, Link eine Erektion bekam, weswegen der Abzugsfinger des Tiertrainers zu zucken begann. Es war ein sehr angespannter Moment.

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Kino in Kürze (5): KRIEGERIN (19.01.2012)

Marisa (Alina Levshin) ist Anfang 20, Neonazi und rast durch ihre Welt wie ein offenes Rasiermesser. Sie ist aggressiv und schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Politiker, den Kapitalismus, die Polizei und alle anderen, denen sie die Schuld daran gibt, dass ihr Freund Sandro (Gerdy Zint) im Knast sitzt und dass alles um sie herum den Bach runter geht: Ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. Dieser Sommer hält noch mehr Ärger für Marisa parat: Die bürgerliche Svenja (Jella Haase) drängt in Marisas Clique und der afghanische Flüchtling Rasul  sucht sich ausgerechnet ihren Badesee zum Schwimmen aus. Als die Welten der Drei aufeinander prallen, setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihr Leben auf den Kopf stellt.

Den Film als deutsche Version von AMERICAN HISTORY X zu bezeichnen, würde zu kurz greifen. David Wnendts KRIEGERIN ist direkter, roher, weniger geschniegelt. Mit Handkamera immer direkt am Geschehen zeichnet Wnendt das Bild eines hässlichen Teils Deutschlands, den man gerne vergessen würde, der aber gerade in letzter Zeit mit aller Gewalt an die Oberfläche drängt. Es ist der provinzielle Osten des Landes, alles andere als eine blühende Landschaft, sondern eher ein Stück Deutschland, in dem braunes Gedankengut vielleicht nicht salonfähig ist, aber längst zum Alltag gehört.

Wnendt recherchierte an der Basis. Seine Geschichte ist fiktionalisiert, seine weiblichen Figuren jedoch ein Amalgam der Frauen, die er im Vorfeld interviewte. Das, aber auch die energische Darstellung von Alina Levshin, machen KRIEGERIN zum brodelnden Filmerlebnis. Der Film betrachtet, wie aus Marisa werden konnte, was sie ist, aber er seziert auch, wie ein Denkprozess stattfindet. Wie eine junge Frau hinterfragt, woran sie immer glaubte. Das glaubhaft und authentisch umzusetzen, ist keine leichte Aufgabe, aber KRIEGERIN gelingt das fast Unmögliche: Oftmals wirkt er weniger wie ein Film, als vielmehr wie ein Abbild des Lebens selbst.

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Auf dem Highway sind die Vampire los

Silvester 1969: Die beiden Models Brooke und Rhea sind in SUNSET VAMPIRES auf einer Party. Bei einem Zwischenfall kommt dort der berühmte Schauspieler Warren James ums Leben. Rhea und Brooke flüchten auf dem Highway Richtung Las Vegas. Bei einem Stopp inmitten der dunklen Wüste begegnet Ihnen der Schöpfer des Universums, der sie in Vampire verwandelt. Im Jahre 2009 werden die beiden wieder erweckt. Sie sollen das Böse auf Erden bekämpfen. Bevor Brooke erneut nach Blut dürstet und sie wieder tötet, will Rhea ihr das faszinierende, ewige Leben zeigen, welches sie gemeinsam mit ihrer Freundin erleben möchte.

Wirklich gut ist der Film nicht, auch wenn eine halbwegs originelle Geschichte erzählt wird. Immerhin erinnert SUNSET VAMPIRES mehr an echten Grindhouse, als es Tarantino und Rodriguez mit ihren Genre-Bastarden getan haben. Das Blut fließt und Sophie Monk (THE HILLS RUN RED) ist die Art Vampir, in deren Händen Mann gerne das Leben aushaucht…

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