Es ging an den meisten wohl vorbei, so wie auch an mir, aber schon im letzten Jahr, am 16. Dezember 2011, verstarb der große Schauspieler Nicol Williamson nach einem zweijährigen Kampf mit dem Krebs im Alter von 75 Jahren. Der Schotte hat eine überschaubare Filmographie vorzuweisen. Es war jedoch das Theater, das Williamson in seinen Bann gezogen hatte. Mir fiel er erstmals auf, da war ich noch ein Junge und sah zum ersten Mal John Boormans EXCALIBUR. Für ein Kind war der Film eigentlich viel zu schwer, viel zu düster, viel zu opernhaft, aber ich war – und bin es noch – fasziniert. Von der Bildgewalt, vor allem aber von Nicol Williamson als Merlin. Für mich hat er Merlin definiert. Ein jeder anderer Schauspieler muss sich an ihm messen lassen – und in der Regel dabei verlieren. Was aber nicht verwerflich ist, galt Williamson doch als einer der größten Schauspieler seiner Generation und wurde von Bühnenautor John Osborne als “größter Mime seit Brando” bezeichnet.
Dass er nie zum großen Star wurde, lag auch an seiner exentrischen Art, die dafür sorgte, dass er von Ko-Stars gefürchtet wurde. Williamson war ein Mann, der Narren nicht leichtfertig ertrug – weder auf der Bühne noch im Publikum. So kam es vor, dass er während einer Vorführung innehielt, weil Gewisper im Publikum zu vernehmen war, sein Schauspiel abbrach, die Zuschauer ermahnte und danach fortfuhr. Einem seiner Kollegen im Stück “I hate Hamlet” schlug er mit dem Schwert auf den Hintern, als dieser aus der vorgegebenen Choreographie ausbrach. Im selben Stück hielt er oftmals inne und zog plötzlich nicht nur über seine Ko-Stars, sondern auch über die Qualität des Stücks vom Leder.
Als John Boorman ihn für EXCALIBUR holte, da wollte er nicht nur Williamson als Merlin, sondern auch Helen Mirren als Morgana. Dem Regisseur war bekannt, dass die beiden, die Jahre zuvor eine Affäre zueinander gepflegt hatten, einander nicht länger ausstehen konnten. Als Williamson und Mirren erfuhren, dass sie beide in dem Film sein würden, protestierten sie. Doch das war Boorman egal, er wollte die Spannungen zwischen beiden, die im wahren Leben existierten, auch in ihren Rollen wiedersehen.
Merlin war seine größte Filmrolle, aber auch mit anderen Rollen blieb er im Gedächtnis. Als Little John in ROBIN UND MARIAN oder mit einer sehr eigenen Interpretation von Sherlock Holmes in KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES. Williamson war jedoch nicht nur ein exzellenter Schauspieler, sondern auch ein Poet. Viele seiner Gedichte kann man – von ihm selbst vorgetragen – auf YouTube genießen.
“Ich verstehe der Menschen Schmerz, Leidenschaft und Angst, und ich kann dies widerspiegeln, auf dass sie es betrachten können.” – Nicol Williamson
Ein guter Mann, den ich immer wieder gern gesehen habe. Und nun gehört – seine Lesung einer etwas gekürzten “Hobbit”-Version ist sehr gelungen. Was wäre er wohl für ein Gandalf gewesen? Schließlich hat Boorman damals den “Herrn der Ringe” drehen wollen, und stieg erst auf “Excalibur” um, als das Projekt nichts wurde. Vielleicht wäre Williamson sein Gandalf geworden?
Im hundsmiserablen “Spawn” wurde Williamson – dort als Magier “Cagliostro” der Einäugige unter Blinden und vom Dreh so frustriert, dass er danach in Rente ging – von Achim Höppner, Gandalfs deutscher Stimme, intoniert. So schließt sich der Kreis ein wenig.
Du hast die Sterbenachricht übrigens nicht überlesen, Williamsons Verscheiden wurde erst kürzlich bekannt.
“Williamson war ein Mann, der Narren nicht leichtfertig ertrug” – ein Punkt Abzug, weil man die englische Formulierung “didn’t suffer fools gladly” noch “durchhören” kann.
Lol, ja, ich weiß
. Es trifft nunmal den Nagel auf den Kopf.
@WV:
““Williamson war ein Mann, der Narren nicht leichtfertig ertrug” – ein Punkt Abzug, weil man die englische Formulierung “didn’t suffer fools gladly” noch “durchhören” kann.”
Verstehe ich nicht.