Interview: Huan Vu

Huan Vu, der Autor und Regisseur der Lovecraft-Verfilmung DIE FARBE, stand für ein Interview zur Verfügung.

Frage: Gab es im Vorfeld Überlegungen, einen Film zu machen, der nicht  auf einer Vorlage basiert, sondern einer ganz eigenen Story folgt?

Huan Vu: Ja, ich hatte zuerst vor einen Film über die Deutsche/Badische Revolution von 1848/49 zu drehen – ein Herzensprojekt, das nun vielleicht wieder aus der Senke gehoben wird. Kurz nach der Trailerproduktion stellte sich aber recht bald heraus,  dass ich nicht die Mittel für einen solchen Langfilm aufbringen könnte,  und nach der Lektüre eines H.P. Lovecraft Sammelbandes schälte sich dann schnell „Die Farbe“ als Nachfolgeprojekt heraus.Dieser Film sollte finanziell gesehen eher umzusetzen sein, und da wir wussten, dass wir nicht die einzigen Lovecraft-Fans sind, fiel es auch leichter das ganze Geld dafür zusammenzuklauben.

Frage: Warum die Entscheidung „Die Farbe aus dem All“ zu adaptieren? Es  gibt ja doch eine ganze Reihe von Lovecraft-Geschichten, aus denen man  hätte wählen können.

Huan Vu: Mich hatte sie sofort schwer beeindruckt, und Jan Roth, Co-Producer und Haupt-3D-Artist, welcher mir das Buch auch ausgeliehen hatte, sah es genauso. Ich mochte auch die eher mystisch und okkult angehauchten Geschichten, aber der Science Horror in „Die Farbe aus dem All“ stach gerade auch im Kontrast dazu klar heraus.

Frage: Die Entscheidung, in Schwarzweiß zu drehen, wurde getroffen, da  man der „Farbe“ damit mehr Eigenständigkeit verleihen kann. Wie lange  dauerte es, bis der Entscheidungsprozess, den Film schwarzweiß zu halten, gefallen ist und gab es dabei logistische Probleme?

Huan Vu: Wir sponnen kurz etwas herum, wie man das herüberbringen könnte, und die Idee mit Schwarzweißbildern und nur dem Wesen in Farbe schälte sich dann ziemlich unmittelbar heraus. Wir wussten also quasi sofort wie wir das stilistisch hinbekommen würden, und von da an ließ uns die Idee nicht mehr los. Produktionstechnisch war das Drehen in Schwarzweiß sogar eher leichter, bei Ausleuchtung, Kostümen, Drehorten etc. mussten wir nicht so sehr auf die Farbstimmung achten.

Frage: Wie viele Drehtage hattet ihr und wie lange wurde von der ersten Idee bis zur Endfassung an diesem Film gearbeitet?

Huan Vu: Insgesamt hat das Projekt drei Jahre verschlungen. Drehbuch und Drehvorbereitung dauerten etwa ein volles Jahr, dann hatten wir zwei Drehblöcke – einmal die 30er Jahre innerhalb von 16 Drehtagen, und einmal die 70er Jahre innerhalb von 8 Drehtagen. Den 2. Drehblock mussten wir beinahe abblasen, da uns der erste mehr gekostet hatte als geplant, aber wir bekamen von einer Bekannten noch eine wichtige Finanzspritze und reduzierten das Drehpensum (die ersten Szenen, die in den USA spielen, mussten infolgedessen komplett vor Bluescreen gedreht werden, die vielen Drehortwechsel hätten sonst sehr viel vom Budget verbraucht).

Frage: Wo habt ihr gedreht?

Huan Vu: Den 30er Jahre Drehblock hauptsächlich im Freilandmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall, die Kraterszenen in einem Steinbruch nahe Backnang bei Stuttgart, und den 70er Jahre Block wiederum mitten im Schwäbisch-Fränkischen Wald, in der Umgebung von Gschwend.

Frage: Wie hoch war das Budget der Produktion?

Huan Vu: Ursprünglich hatten wir das Ganze auf nur 20.000 EUR angesetzt, am Ende waren es so etwa 28.000 EUR. Schauspieler und Crew haben allesamt ohne Gage mitgewirkt, ansonsten wäre so etwas auch unmöglich für unserereins umzusetzen.

Frage: Gab es Sequenzen, die in Skriptform existieren, aber während des Drehs entfernt oder verändert werden mussten, weil die Umstände nichts anderes zuließen?

Huan Vu: Ja, beim ersten Drehblock haben wir nicht alles geschafft und mussten daher eine größere und paar kleinere Szenen streichen. Die größere schrieb ich aber um, und wir drehten sie dann zum Auftakt des 2. Drehblocks nach, denn zufälligerweise sah die alte Sägemühle, in der wir drehten, von außen so ähnlich aus wie der Hof der Gärteners. Ansonsten hätten wir ja noch einmal in das Freilandmuseum zurück gemusst. Und
gücklicherweise hatten die Darsteller auch Zeit und konnten noch einmal kommen.

Frage: Wie schwer ist es, eine Lovecraft-Geschichte umzusetzen? Immerhin ist es bei Lovecraft traditionell so, dass das Grauen, die Monster,  angedeutet, aber nie plakativ gezeigt werden. Wie groß ist die  Versuchung, im Film etwas zu zeigen, das der Phantasie des Zuschauers überlassen werden sollte?

Huan Vu: Es ist sehr schwierig die Balance zu finden, viele Filmemacher driften leider in den Splatterbereich ab, was Lovecraft eigentlich überhaupt nicht widerspiegelt. Wir wollten der Geschichte möglichst treu bleiben und daher wenig zeigen, aber uns war klar, dass das Medium Film es verlangt, dass letztlich doch mal etwas zu sehen ist. Zumal die Farbe in der Originalgeschichte ja am Ende auch für die Protagonisten zu sehen ist – es ist nur schwierig sie sich vorzustellen, da Lovecraft sie mittels vieldeutiger Wörter unbegreiflich und schier unfassbar beschreibt. Von daher wird unsere Visualisierung mit Sicherheit nicht jedem gefallen, da jeder irgendwie sein eigenes Bild davon im Kopf hat.
Der eigenen Vorstellung entspricht das Ergebnis im übrigen auch nicht, das ursprüngliche Konzept war gasförmiger und organisch-flüssiger – technisch war es jedoch leider nicht für uns umzusetzen.

Frage: Michael Kausch spielt den alten Pierske. Er ist ein etablierter Darsteller. Wie hast Du ihn für das Projekt begeistern können?

Huan Vu: Ich lernte Michael Kausch bei dem 1848/49-Projekt kennen, er verkörperte
im Trailer den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Dass er ein bekannterer Darsteller ist, wusste ich damals gar nicht, das erfuhr ich erst von einem anderen Schauspieler am Set. Beim Casting hatte ich mich nur auf die Performance im Beispielvideo konzentriert und darauf, ob er optisch dem König ein wenig ähnelt.

Frage: Was war die größte Schwierigkeit bei der Umsetzung des Films?

Huan Vu: Das letzte Drehwochenende im Steinbruch. Nach einem großen Gewitter war alles völlig verschlammt und wir mussten auch noch nachts drehen. In der ersten Nacht mussten wir aufgeben, und am nächsten etwas trockeneren Tag dann das Pensum von zwei Drehtagen schaffen. Alle sind da an ihre Grenzen gegangen, aber irgendwie haben wir es überlebt…

Frage: Gibt es schon Pläne für einen weiteren Film?

Huan Vu: So frisch nach der Entbindung denkt man noch nicht direkt ans nächste Kind. Aber klar, es gibt da schon ein paar Gedankengänge, die in den vergangenen anderthalb Jahren Postproduktion auch immer mal wieder aufkamen. Die Hauptfrage ist aber eher, ob es noch einmal so eine Independent- und No-Budget-Produktion sein soll. Es wäre schon schön, mal nicht ständig jeden Euro umdrehen zu müssen, und auch mehr Möglichkeiten zu haben.

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9 Antworten auf Interview: Huan Vu

  1. Dominik sagt:

    Schönes Interview. Ich bin gespannt auf den Film. Irgendwelche Infos, ob der auch in den regulären Handel bzw. Online-Handel kommt? Bisher finde ich dazu nämlich nichts.

  2. Pete sagt:

    Kannst Du unter http://www.die-farbe.com bestellen.

  3. Dominik sagt:

    Hab‘ ich den Gag nicht verstanden? Der Link führt zu einer Testseite für Umlaute. 🙂

  4. Pete sagt:

    Mein Fehler. Falsche Endung. http://www.die-farbe.com

  5. doc knobel sagt:

    ja, sehr nett. Kritik ist bei uns ja auch online, Interview dann irgendwann die Tage. Hat mich ziemlich beeindruckt, muss ich sagen.

  6. Pete sagt:

    Deine Kritikpunkte liegen ja ähnlich, nur dass die Farbe nicht farbig sein sollte, ist nicht gar so sinnig. Das ist der Knackpunkt, warum der Film schwarzweiß sein muss!

  7. Doc Knobel sagt:

    Ne, so ist es ja gar nicht gemeint. Es ging nicht zwangsläufig darum, dass die Farbe „farbig“ ist. Es ging mir darum, dass es zu grell war und zu künstlich wirkte. So machte es einen unnötig plakativen Eindruck auf mich, so nach der Marke Holzhammer: Seht her, wie „anders“ die Farbe doch ist. Dass dieser farbliche Kontrast bewusst geschaffen wurde ist absolut sinnig, aber aufgrund der Künstlichkeit und der in meinen Augen unnötigen „Grelligkeit“ für meinen Geschmack ein wenig aus dem Rahmen fallend. Es war aber nie die Sprache davon, dass die Farbe nicht farbig sein sollte.

  8. Andreas sagt:

    Die DVD war 1 Tag nach der Bestellung bei http://www.die-farbe.com in meinem Briefkasten.
    Der Versand und die Abwicklung des gesamten Vorgangs war vorbildlich. Die Qualität des Artikels (DVD) ist absolut TOP. Ich kann den Versender auf jeden Fall weiterempfehlen. Weiter so!!

    Am Sonntag habe ich den Fim gesehen.
    Respekt…
    Er hat mir sehr gut gefallen.
    Ich habe mir immer gewünscht, dass einmal eine Geschichte von H.P. Lovecraft in der von ihm geschaffenen Atmosphäre verfilmt wird. Dieser Film geht 100% in diese Richtung.
    Besonders die Tatsache das dieser Film in Schwarz/Weiß gedreht wurde kommt der ganzen Story postiv zugute.
    Die düstere Atmosphäre, die ich aus Lovecraft Geschichen kenne, kam sehr gut herüber.
    Die schauspieristische Leistung waren toll. (Die Laiendarsteller in der Dorfwirtschaft kamen zwar etwas aufgestzt daher, dass tut aber dem Film keinen Abbruch)
    Toll finde ich, dass sich die Hauptdarsteller ohne Gage für dieses Projekt zur Verfügung gestellt haben.
    Danke für diese tolle „Lovecraft“-Umsetzung

    Andreas

  9. Peter sagt:

    Stimmt, ist ein toller Film, der auch schön zeigt, was alles mit geringen Mitteln, aber viel Enthusiasmus möglich ist.

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