Tot ist tot?

Ein Problem, das Superhelden-Comics haben und das sich im Verlauf der letzten 20 Jahren entwickelt hat, ist der Umstand, dass der Tod keinen Schrecken mehr bereit hält. Denn wenn ein Held wirklich mal stirbt, kann man schon mit Sicherheit sagen, dass er bald wieder ins Reich der Lebenden zurückkehrt.

Früher ließ man Superhelden nicht so häufig sterben. Der Tod war damals noch schockierend und nachhaltig. Als in den 80er Jahren Captain Marvel an Krebs starb, Supergirl in der CRISIS ON INFINITE EARTHS ihr Leben gab und Barry Allen als Flash das ultimative Opfer leistete, da bedeutete das noch etwas. Jason Todd, der zweite Robin, wurde vom Joker erschlagen, und Bucky Barnes, der Sidekick von Captain America, starb schon in den frühen 60er Jahren.

In den letzten Jahren haben bei Marvel jede Menge Helden ins Gras gebissen: Ant-Man, Wasp, Banshee, Colossus, ein paar Alpha-Flight-Mitglieder und Captain America. Und das sind nur die bekanntesten, die es in den letzten Jahren erwischt hat. Ein paar Schurken mussten auch das Zeitliche segnen, am bekanntesten darunter sicherlich Sabretooth und Mister Sinister.

In diesem Jahr sind nun Nightcrawler, Doc Samson und Bullseye den Weg alles Irdischen gegangen.

Aber für wie lange?

Der Tod ist in den Comics zu einem schlechten Witz geworden. Viele der hier genannten wackeren Gefallenen sind längst wieder zurück. Steve Rogers trägt zwar nicht mehr das Kostüm von Captain America, ist aber trotzdem quicklebendig. Bucky Barnes ist der neue Captain America, Jason Todd ein Schurke namens Red Hood und Barry Allen kam unlängst in einer unglaublich lahmen Miniserie zurück.

Der Tod hat keine Bedeutung mehr. Er ist noch nicht mal mehr ein emotional packender Moment. Denn wenn man heute eine Figur in den Comics sterben sieht, dann weiß man, dass sie zurückkommt. Nur wenn sie total obskur ist, kräht kein Hahn nach ihrer Wiederauferstehung. Aber ein Nightcrawler? Wird sich innerhalb der nächsten zwei Jahre zu den gefühlten ein bis zwei Dutzend anderen Wiedergängern der X-Men hinzugesellen. Bullseye? Wird auch wieder Daredevil das Leben schwer machen. Und würde es irgendjemand wagen, Geld darauf zu wetten, dass die X-Men nicht in absehbarer Zeit wieder Probleme mit Mister Sinister haben und Wolverine von Sabretooth malträtiert wird?

Marvel und DC haben den Tod so oft bemüht, dass der Leser zum Zyniker mutiert ist. Wer stirbt, der ist nicht lange tot. Eine der unumstößlichen Weisheiten der Welt der Comics. Wer lange genug Comics liest, der weiß das. Schade, denn früher war der Tod eines Helden nicht nur ein Gimmick. Er bedeutete etwas. Er hinterließ eine Lücke. War spürbar und emotional packend. Heute ist das nicht mehr so. Ohne den Tod hat das Leben keinen Wert. Für Superhelden gilt das nicht mehr. Als Superheld steht man einfach wieder auf, lässt den grimmen Schnitter hinter sich und kämpft weiter für die gute Sache. Bis zum nächsten Sterben – und der unvermeidbaren Wiederauferstehung.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Tot ist tot?

  1. Dominik sagt:

    Ein Artikel, der mir aus der malträtierten Comic-Seele spricht. Wobei das Phänomen ja nicht auf Comics beschränkt werden kann sondern auch in anderen Medien absoluter Usus ist, vor allem natürlich übernatürliche TV-Serien. „Xena“ dürfte trauriger Rekordhalter im Sterben und Auferstehen sein aber damit endete die Reihe nicht sondern sie begann damit.

  2. Pete sagt:

    Bei Xena war aber wenigstnes nach sechs Jahren Schluss. Bei den Comics ist es open end!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.