Bill Paxton im Dienste des Herrn: Frailty

Spät nachts, irgendwo in Texas. Eine Ambulanz steht vor einem Gebäude des FBI. Fenton Meiks, ein junger Mann, möchte gerne den für den „Gottes Hand“-Killer zuständigen Agenten sprechen, da er Informationen zu diesem Fall hat, die lebenswichtig sein könnten. Agent Wesley Doyle empfängt Meiks, der ihm gesteht, dass der Killer niemand anderes als sein eigener Bruder Adam ist. Doyle ist nicht überzeugt, doch Fenton beginnt, ihm die Geschichte seiner Familie zu erzählen. Die Geschichte seines Vaters, eines guten Mannes, der eines Nachts erwachte und ihm und seinem Bruder mitteilte, dass Gott zu ihm gesprochen hatte. Er gab ihm den Auftrag, das Böse zu vernichten, die Dämonen dieser Welt zu jagen und sie auszulöschen. Fenton glaubte seinem Dad nie, doch Adam war von der Rechtschaffenheit des Tuns seins Vaters überzeugt. Und nun ist er in seine Fußstapfen getreten und führt die Mission seines Vaters fort …

Jedes weitere Wort zum Inhalt wäre bereits zuviel, da FRAILTY (DÄMONISCH) nicht nur von der gelungenen Stimmung und Atmosphäre, sondern auch von seiner penibel ausgeklügelten Geschichte lebt, die sich langsam vor dem Zuschauer ausbreitet. Brent Hanleys Skript spielt mit dem Publikum, lässt es ständig im Unklaren, ob Bill Paxtons Charakter nun ein verrücktgewordener Killer ist oder er tatsächlich im Namen Gottes handelt. Zusätzliche Spannung gewinnt die stringente Inszenierung durch den geschickten Wechsel der gegenwärtigen mit der vergangenen Handlung. Obwohl die Rahmenhandlung mit Matthew McConaughey und Powers Boothe im Vergleich sehr viel weniger Raum einnimmt, als die extensiven Rückblicke, sind sie es, die die Geschichte vorantreiben und auf ein Ende hinarbeiten, das die Erwartungen des Publikums nimmt und sie in ihr Gegenteil verkehrt.

Der Schrecken ist tief in der Realität verwurzelt und nicht so leicht abzutun wie Außerirdische oder Dämonen. Der deutsche Titel ist etwas plump gewählt und wird dem Film nicht wirklich gerecht, denn auch wenn es um Dads Kampf gegen Dämonen geht, ist die zentrale Frage des Films doch, ob er und seine Söhne dem Wahnsinn anheim gefallen sind oder nicht, doch leider bliebt der Originaltitel FRAILTY in seiner Vieldeutigkeit natürlich unübersetzbar.

Bill Paxton war sich darüber im Klaren, dass er mit FRAILTY einen Film erschaffen hat, der die Zuschauer nicht unbedingt in Massen ins Kino locken würde, doch ist dies auch ein Film, der für all jene, die sich auf ihn einlassen können und wollen, eine lohnende Erfahrung darstellt. Und es ist ein Film, der ein wiederholtes Ansehen nicht nur erwünscht, sondern sogar erfordert, da sich die ganze Geschichte mit all ihren subtilen Elementen erst dann vollständig erschließt.

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4 Antworten auf Bill Paxton im Dienste des Herrn: Frailty

  1. Dominik sagt:

    Großartiger Film!

    Bei der Gelegenheit; hab‘ gestern die neue MS gekauft. Vom Interview keine Spur oder hab‘ ich wirklich die berühmten Scheuklappen vor den Augen?

  2. Pete sagt:

    Ne, hast schon richtig gesehen. Fiel Platzproblemen zum Opfer (der Exorzismus-Bericht hätte eigentlich zwei Seiten mehr haben sollen).

  3. Dominik sagt:

    Schade. Bedeutet das dann, dass es noch folgen wird (in der nächsten Ausgabe oder dann vielleicht später, passend zum DVD-Start) oder haben wir eher eine Chance auf VÖ hier?

  4. Pete sagt:

    vermutlich wird es hier aufschlagen.

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