Es war, als würde ich eine Erschütterung der Macht wahrnehmen, geradeso, als ob Millionen von Menschen auf einmal aufschrien. Man hätte meinen können, George Lucas hätte auf der STAR WARS CELEBRATION V den nächsten Kinofilm angekündigt. Das hat er nicht. Aber was könnte Millionen Geeks überall auf dem Globus nur dazu bringen, gemeinsam freudig aufzujaulen wie ein Hund, dem man ein besonders tolles Leckerli vorgeworfen hat? “So ziemlich alles”, müsste wohl die Antwort sein, denn der salonfähige Geek der Moderne erleidet scheinbar schon bei einfachsten Stimuli fast einen Herzkasper.
Die Antwort: Die klassische STAR WARS-Trilogie erscheint auf Blu-ray, aber das ist nicht das Wichtige. Wichtig ist, dass es bei DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER zwei entfallene Szenen zu bestaunen gibt. Ja, die Aufregung der Nerd-Horden im Saal und den Geek-Legionen, die sich in den Weiten des Internets tummeln, wird dadurch angefixt. Es sind entfallene, besser noch gelöschte Szenen. Und das aus gutem Grund. Die erste zeigt Darth Vader, wie er einen Gang entlangschreitet, in seiner Kammer sitzt und geistig nach Luke ruft. Die zweite zeigt Luke in einer Höhle, wie er den Ruf vernimmt, und das gerade, als er sein Lichtschwert fertig gebaut hat.
Nun könnte man die Geek-Trance noch (halbwegs) nachvollziehen, wenn hier Essenzielles zu sehen wäre. Oder wenigstens etwas Spektakuläres. Aber nein, es handelt sich um Schneidetischabfall, Füllermaterial, das zu Recht als minderwertig entfernt wurde. Die eine Szene wiederholt nur, was man kennt und ist redundant, die andere würde im Film die Überraschung verderben, dass es Luke ist, der vor Jabbas Palast auftaucht. Der gemeine Warsler – so nennt sich die Spezies der Jedi-Jünger auch gerne – sieht darüber geflissentlich hinweg. Es ist STAR WARS, es ist unbekannt, es bewegt sich – was könnte es Größeres geben? Für Vorzeigespacken wie Harry Knowles offenbar nichts (“This is the shit that gets my geek going into overdrive”).
Er ist aber nicht allein. “Brilliant”, “Mega Fricken Cool”, “Goddamn awesome” – das sind nur ein paar der Wortmeldungen, die man in den letzten Tagen finden konnte. Da fragt man sich, ob der Fanboy – das ist, was aus Geek und Nerd wird, wenn das letzte bisschen Kritikfähigkeit von einem Lichtschwert geröstet wurde- auf der geistigen Stufe eines Brotlaibs steht, denn diese beiden Szenen sind viel, aber weder brillant, noch cool, und schon gar nicht gottverdammt geil. Bei Gott, es handelt sich um filmischen Abfall!
Aber die Fanboys kreischen beim popeligen Anblick eines lausigen Lichtschwerts.