Ich war unsicher, was die neue Serie SHERLOCK betrifft, nachdem ich hörte, dass der Welt größter Detektiv aus dem Gaslicht in die Moderne transportiert werden sollte. Für die Serie spricht hingegen, dass sie von Steven Moffat (und Mark Gatiss) entwickelt wurde, dessen Arbeit an DOCTOR WHO ich wiederum sehr schätze. Es ist problematisch, Figuren aus ihrer angestammten Zeit herauszureißen und in die Gegenwart zu transportieren. Bei Sherlock Holmes ist dies schon einmal sehr erfolgreich geschehen. Die Filmreihe mit Basil Rathbone startete in den 30er Jahren zwar mit der zeitlichen Verortung im späten 19. Jahrhundert, wurde jedoch nach nur zwei Filmen in die (damalige) Moderne geholt. Schon damals betrug der Unterschied mehrere Jahrzehnte, so dass Puristen in jener Zeit sicherlich auch die Nase rümpften. Der moderne Zuschauer wiederum hat diese Filme als alte Werke kennen gelernt. Sie wurden zeitlich nach vorne verlagert, aber aus heutiger Sicht spielen sie immer noch in lange zurückliegender Vergangenheit. Bei SHERLOCK ist dies nun nicht so. Diesen modernen und zeitgemäßen Sherlock Holmes erlebt man als Zuschauer hautnah mit.
Die Story: Dr. John Watson kommt aus Afghanistan zurück. Über einen Bekannten lernt er Sherlock Holmes kennen, der nach einem Mitbewohner sucht, aber Schwierigkeiten hat, einen zu finden. Noch während Watson überlegt, wird er mitten in einen Fall hineingezogen. Holmes fungiert als konsultierender Detektiv für die Polizei. Und nun geht es um einen Fall, bei dem sich mehrere Menschen selbst mit Gift umgebracht haben – doch der Verdacht liegt nahe, dass sie ermordet wurden. Aber wie ist das möglich? Holmes und Watson ermitteln.
Man braucht ein paar Minuten, um sich an den modernen Sherlock Holmes zu gewöhnen. Vor dem geistigen Auge sieht man einfach all die Filme mit Holmes im Seersucker Suit, doch schon nach kurzer Zeit ist dies vergessen. Denn die Essenz von Holmes und Watson fühlt sich richtig an. Reißt man beide Figuren aus ihrer angestammten Zeit heraus, ist aber auch eine gewisse Neuinterpretation vonnöten. Die gibt es hier, was vor allem für Holmes’ Ruf gilt, der bei der Polizei alles andere als gut ist. Lestrade steht auf seiner Seite, weil er ihn braucht und weil er an ihn glaubt, doch dessen Kollegen? Sehen Holmes als Freak – im besten Fall -, als Psychopathen und Killer-in-spe im schlechtesten Fall. Dabei geht Moffat auch darauf ein, dass ein Mann wie Sherlock Holmes seine Umgebung verunsichern würde. In einer Schlüsselszene, in der Holmes Watson gegenüber herunterrattert, warum er weiß, was er weiß, zeigt sich sein neuer Freund beeindruckt. Eine Reaktion, die Holmes normalerweise nicht erlebt. Normalerweise stößt er damit vor den Kopf, denn in seiner Gegenwart fühlt sich praktisch ein jeder unsicher und unterlegen. Darum hat er keine Freunde, bis er auf Watson trifft. Auch Watsons Figur wird modernisiert, eigenbrötlerischer dargestellt als gewohnt und dabei zu einem würdigen Begleiter von Holmes. Die Szene, als Watson auf den “Erzfeind” trifft, aber auch der Schluss, machen dies sehr gut deutlich.
Die Geschichte von A STUDY IN PINK ist nicht einfach. Das Mordmysterium ist so komplex, dass man sich bis zum Ende fragt, was es damit auf sich hat. Das Finale schließlich, eine mehrminütige Sequenz, in der Holmes nur mit dem Killer spricht, ist erstaunlich spannend geraten, dafür, dass praktisch nur zwei Figuren Dialoge austauschen. Über das Motiv des Killers lasse ich mich hier nicht aus, es würde zuviel spoilern, aber die Figur an sich wird von Moffat benutzt, um Größeres vorzubereiten und Sherlock einen wahren Erzfeind zu bescheren. Denn der hier von Mart Gatiss gespielte “Erzfeind” ist nicht Moriarty, sondern vielmehr eine Figur des Holmes-Kosmos, die in der filmischen Welt der Figur so gut wie niemals aufgetaucht ist, in den 70er Jahren jedoch einmal von Christopher Lee gespielt wurde (mehr sag ich nicht, lasst euren detektivischen Fähigkeiten freien Lauf, um auf den Namen zu kommen).
Gut, der Geschichte von A STUDY IN PINK wäre vielleicht noch mehr gedient gewesen, wenn man auf eine Laufzeit von ca. 60 Minuten geschielt hätte, aber langweilig wird es hier nicht. Dafür sorgen schon Benedict Cumberbatch als Sherlock und Martin Freeman als Watson. Beide verstehen es, sich innerhalb nur eines Films die Figuren zu eigen zu machen. Die Inszenierung von Paul McGuigan ist ansprechend und die musikalische Untermalung erinnert ein wenig an Guy Ritchies SHERLOCK HOLMES.
SHERLOCK ist ein Projekt, das nach allen Regeln der Kunst hätte scheitern können und sollen, das aber triumphiert hat. Die freie, aber sehr clevere Adaption von Arthur Conan Doyles A STUDY IN SCARLET ist ein faszinierender Auftakt, der nicht nur eine bemerkenswerte zeitgemäße Visualität nutzt, um Holmes’ Kombinationsgabe sichtbar zu machen, sondern – und sicher, das mag lächerlich früh sein – bei mir das Gefühl erzeugt, hier eine Version von Sherlock Holmes zu sehen, die in die Fußstapfen der großen Film- und Fernsehreihen um Basil Rathbone und Jeremy Brett tritt. Ein neuer SHERLOCK, der das Zeug hat, dereinst als Klassiker zu gelten.





Ich kombiniere: Watson ist Moriarty.
Und wenn nicht? Stürzt du dich dann die Reichenbach-Fälle hinab?
Nein, Watson ist nicht Moriarty. Dagegen spricht so ziemlich alles.


Ich habe alle Bücher gelesen, die Filme basieren ja darauf, ich weiß schon, wer Moriarty ist
Aber am 7.August können das auch alle erfahren, die niemals ein Buch zur Hand hatten…
Nein, tut mir leid, der war ganz mies :S
Ja, ich hab die beiden anderen Filme damals auch gesehen. Das waren nur die Gedanken zum ersten Film…
Ich bin der Meinung dass Benedict Cumberbatch der bestaussehendste Mann des Universums ist!!
Wow!
Also ich fand die Serie war der Hammer.
Habe erst das erste Buch gelesen und da auch ehrlich gesagt noch nicht so einen Narren dran gefressen und deshalb auch schnell wieder zur Seite gelegt… :’)
Ich hab also bis jetzt die Moderne-Serie gesehen und auch die Filme mit Jude Law & Co gesehen und war im Museum in London…
Ich habe mich unglaublich über das Ende geärgert und eine riesige Frage blieb bei mir natürlich offen: Es gibt ja (garantiert?) eine 2. Triologie (Gott hört sich das beschissen an). Wann sind denn da die Dreh-Termine angesetzt? Also wenn es schon welche gibt und jemand das weiß…
Die nächsten drei Filme sollen im Januar bei den Briten laufen.
Was Holmes betrifft, mag ich auch gerne die alten Filme aus den 30er/40er Jahren mit Basil Rathbone (gibt es von Koch Media auf DVD).