Listen to Jesus, Jimmy: Reefer Madness

Keine Ahnung, wie REEFER MADNESS a.k.a. KIFFERWAHN fünf Jahre an mir vorbeigehen konnte, aber gerade eben habe ich diesen herrlichen Film gesehen. Filmische Musicals sind immer tricky. Sie wirken oft zu glattgebügelt. Nicht so REEFER MADNESS, ein schräges Stück, das von Showtime produziert wurde und dem ich einfach mal zuspreche, dass es das Zeug hat, zur modernen ROCKY HORROR PICTURE SHOW zu werden. Der Film ist ein Remake des 1936er-Films, der damals bierernst vor den Gefahren von Marihuana – dem Staatsfeind Nummer 1! – warnte. Die Musical-Version ist alles andere als ernst, sondern wunderbar überzogen.

Die Story: Jimmy und Mary, das amerikanische Vorzeige-Teenagerpaar schlechthin, bereiten sich auf eine Englisch-Prüfung an der High-School und ein erfülltes Kleinfamilienleben vor. Doch Jimmy gerät in die Fänge des Marihuana-Dealers und Jazz-Fans Jack. Ein Zug an der Haschischzigarette – und der saubere Jimmy verwandelt sich in ein unmoralisches Monster, das nur noch nach Sex, Anarchie und dem nächsten Joint lechzt. Widerwärtige Ausschweifungen, Tote, Irrsinn und schwerste Rechtsverletzungen sind die Folgen des Stoffes, der Amerika zu vernichten droht. Jimmy und seine neuen Freunde stellen im Drogenrausch die furchtbarsten Dinge an, ständig begleitet von infernalischer Musik. Das schonungslose Ende naht, als die sonst so brave Mary im Rausch des Giftes ihre Qualitäten als Domina entdeckt…

Der Film zitiert natürlich das Original, macht sich jedoch über dessen moralinsaure Attitüde lustig und ist zudem ein bitterböser Kommentar auf Menschen, die im Namen des guten Geschmacks, der Rechtschaffenheit oder der Moral über andere herfallen. Schwarzweißszenen gibt es ebenso wie Angriffe von Zombies, kannibalistische Kiffer, eine mehr oder weniger glückliche Version von “Romeo und Julia”  und Jesus und Satan, die um die Seele eines Mannes kämpfen. Gerade letzteres ist eine der geilsten musikalischen Einlagen des Films. “Listen to Jesus, Jimmy” ist eine grandiose Nummer, mit “Marihuana”- anstelle von “Hosianna”-Refrain.

REEFER MADNESS wurde ursprünglich für die Bühne entwickelt. In der Filmversion sind viele Stars der Bühnenversion zu sehen, darunter Kristen Bell, Christian Campbell, John Kassir und Robert Torti. Letzterer ist im Film allerdings nur Jesus, während er auf der Bühne auch noch andere Rollen interpretierte. Die DVD enthält übrigens auch den 1936-Film. Das perfekte Double Feature.

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