V: Red Sky

Die zwölfte und letzte Folge der ersten Staffel von V trägt den Titel “Red Sky”. Und am Ende wird klar, dass hiermit keine Metapher gemeint ist.

Die Story: Tyler möchte auf dem Raumschiff leben und erklärt seiner Mutter, dass Anna sie zum Essen eingeladen hat. Für Erica ist das die Gelegenheit. Sie erklärt den anderen, dass sie Annas Eier vernichten will. Dazu treten sie in Kontakt mit Joshua, der für eine Ablenkung während des Dinners sorgen soll, so dass Erica ihre Mission erfüllen kann. Joshua muss jedoch die Kommunikationsvorrichtung verschwinden lassen, bevor die Details geklärt sind. Darum schlägt Jack vor, Chad Decker eine Nachricht übermitteln zu lassen, die so unverfänglich ist, dass sie auch nicht gefährdet sind, selbst wenn er sie Anna geben sollte. Gute Idee, aber in der Umsetzung zweifelhaft, da Chad natürlich zu Anna geht und seine Nachricht ins medizinische Labor geliefert werden soll. Anna lässt Joshua festsetzen und seinen Kollegen wegbringen. Chad spricht mit Joshua und kann nicht glauben, was dieser ihm erzählt: Die Fünfte Kolonne will die Menschheit retten und Anna hat ihm das Aneurysma, von dem er geheilt wurde, überhaupt erst verpasst. Joshua schickt Chad zu einem Bereich des Raumschiffs, wo dieser Zeuge davon wird, wie an den Menschen experimentiert wird. Lisa entscheidet sich nach einem Gespräch mit Joshua für eine Seite. Sie hilft den Menschen und gibt Erica eine Granate, mit der diese Annas Eier vernichtet. Joshua wird auf der Flucht erschossen. Anna erfährt, dass ihre Kinder tot sind und hat ihre erste menschliche Emotion: Erst grenzenlosen Schmerz, dann das Sinnen auf Vergeltung. Sie initiiert ein Protokol, das den Himmel der Erde rötlich färbt…

Und als wäre das alles nicht genug, darf man darüber rätseln, ob Hobbes nun ein Verräter ist oder nicht, da er sich erneut mit Marcus einlässt, muss miterleben, wie Anna Valerie tötet, kann am Ende darüber grübeln, ob Anna Ryan mit seinem Kind, das sie ihm gibt, wieder auf ihre Seite gezogen hat, Jack zu seiner Predigt applaudieren und sich freuen, dass Joshua lebt – auch wenn er wohl nicht gerade die angenehmste Zeit vor sich hat.

Das Finale punktet auf ganzer Linie. Hier passiert wirklich viel und macht auch vergessen, dass einige der vorherigen Episoden im Schneckentempo vorangeschlichen sind. Das Ende ist überraschend und wirft zugleich Fragen auf. Darüber, was der rote Himmel zu bedeuten hat, lässt sich nur spekulieren. Es erscheint jedoch so, als ob dies der erste Schritt einer Art von Terraforming ist, wäre es doch durchaus denkbar, dass die Visitors diese Welt so ummodeln wollen, dass sie für sie zum perfekten Habitat wird. Nicht minder faszinierend ist Annas Reaktion auf den Tod ihrer Kinder. Im ersten Moment denkt man, die Besucher hätten doch Emotionen und verbergen sie Vulkaniermäßig nur. Doch nein, dies ist die erste Emotion, die Anna erlebt. Das ist insofern interessant, da man wohl einerseits davon ausgehen kann, dass dies ein Effekt ist, den die Besucher nicht vorhergesehen haben, und andererseits damit ein dringlicher Zeitplan vorliegt. Denn wenn die Königin von Emotion übermannt werden kann, dann auch alle anderen. Die Spekulation muss wohl dahin gehen, dass dieser emotionale Aufruhr davon ausgelöst wird, dass die Visitors über dem eigenen Körper einen menschlichen tragen und beides einander langsam beeinflusst.

Am Ende dieser Staffel sind die Fronten großteils geklärt. Sehr schön die Szene, in der Lisa sich für eine Seite entscheidet. Hierbei wird auch bestätigt, dass sie die künftige Königin ist, die ihre Mutter beerben wird. Bzw. ist sie nun die Alternativkönigin für die Fünfte Kolonne. Bei Chad Decker war man lange unschlüssig, wem seine Loyalität gilt. Nachdem, was er in dieser Folge gesehen hatte, dürfte sein Platz wohl unwiderruflich beim Widerstand bleiben. Unklar sind hingegen die Positionen von Ryan und Hobbes. Bei ersterem gehe ich davon aus, dass er dem Bliss widerstehen und Teil des Widerstands bleiben wird. Bei letzterem ist das deutlich unsicherer, auch und gerade, weil die Produzenten andeuteten, dass die Besucher einen menschlichen Maulwurf in der Fünften Kolonne in der nächsten Staffel haben könnten. Man erfährt hier immerhin, dass Hobbes ohne sein Wissen schon häufig von den Visitors angeheuert wurde. Aber eins bleibt immer zu bedenken: Warum sollte irgendein Mensch, der die Wahrheit kennt, kollaborieren? Am Ende steht doch die Auslöschung der eigenen Spezies.

Zum Schluss gibt es auch noch das, worauf viele wohl schon lange gewartet haben. Stand der Buchstabe V bisher für die Visitors, so gibt ihm Jack seine wahre Bedeutung zurück. Bemerkenswert übrigens an seiner V-kritischen Predigt ist, dass der Großteil der Zuschauer geht. Eine bittere Szene, erstaunlich realistisch jedoch, würde es mit der Schafsmentalität der Menschheit im echten Leben doch ebenso sein – und ist es bei anderen Gelegenheiten auch.

Alles in allem endet die Staffel gut. Einige wichtige Handlungsstränge werden zu Ende gebracht, eine besonders nervige Figur wird aus der Serie entfernt, die Fronten sind abgesteckt und der Krieg steht unmittelbar vor der Tür (zumindest, wenn man dem Produzenten Glauben schenken darf). Da kann man frohen Mutes der zweiten Staffel entgegensehen. Die wurde bereits bewilligt, wird aber noch nicht im Herbstprogramm laufen. Man spekuliert nun, dass V im November oder aber auch erst im Januar des nächsten Jahres zurückkehren könnte.

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