Die sechste Folge von SPARTACUS: BLOOD AND SAND trägt den Titel “Delicate Things”. Und was hier geschieht, ist in höchster Weise delikat. Nach seinem Sieg verkündet Batiatus Spartacus, dass seine Frau gefunden ist und in zwei Tagen eintreffen wird. Derweil besucht der Magistrat Batiatus und erhält Kunde von einem Botschafter, nach der der Sohn seines toten Verwandten Ovidius am Leben sein soll. Für Batiatus ist dies schlechte Kunde, könnte der Junge ihn doch verraten. Darum muss er herausfinden, ob es stimmt und so spricht er mit Barcas Liebhaber Pietros, der es bestätigt. Daraufhin lässt Batiatus Barca töten, nur um wenige Minuten später herauszufinden, dass Barca ihn nicht angelogen hat. Er hat den Jungen getötet, aber seinen Liebhaber angelogen. Barca fiel damit einer Intrige von Ashur zum Opfer, da dieser dem Gladiator eine hohe Summe Geld schuldete. Spartacus will die Freiheit. Er ist nicht gewillt, jahrelang für Batiatus zu kämpfen, während seine Frau als Sklavin ihr Dasein fristet. Darum plant er die Flucht und bereitet alles vor: Er organisiert Wein und Weiber für die Gladiatoren, setzt Doctore unter Drogen und ist bereit, Batiatus zu entführen, um sicher mit Sura fliehen zu können. Doch als die Kutsche mit Sura eintrifft, ist all dies vergessen. Die Kutsche wurde überfallen und alle Insassen wurden getötet. Sura lebt noch wenige Momente und sieht Spartacus an. Batiatus sagt seiner Frau, dass er sein Versprechen, sie wieder zueinander zu bringen, eingehalten hat.
Wäre man ein Zyniker, müsste man sagen, es war von vornherein klar, dass Sura das Ende nicht erleben würde. Warum? Weil sie als einzige Spartacus’ echten Namen kennt. Und die Macher von SPARTACUS: BLOOD AND SAND wollen sicherlich nicht, dass dieser innerhalb der Serie benutzt wird. Davon abgesehen erwartet man im Verlauf der Folge durchaus, dass sich das Ende anders gestaltet. So wäre es auch durchaus möglich gewesen, dass die falsche Sura in den Ludus gebracht worden wäre.
Bislang war es so, dass praktisch jede Folge in Bezug auf ein oder zwei Personen wichtige Erkenntnisse brachte. In “Delicate Things” geschieht dies mit Batiatus, einem ehrenwerten Mann, wie Spartacus erklärt. Und doch sieht man an ihm eine gänzlich andere Seite, die zuvor so nicht offen zutage getreten ist. Er ließ Sura töten, hielt jedoch sein Versprechen ein und kann doch sicher sein, Spartacus an sich zu ketten. Als Lucretia versteht, was Batiatus getan hat, sieht man Entsetzen auf ihrem Gesicht. Überraschung darüber, wozu ihr Mann fähig ist. Doch dies ist nicht die einzige Schreckenstat des Batiatus. Die Badeszene zeigt eine sadistische Ader an ihm, die zuvor nicht erkennbar war. Und die Hinrichtung von Barca zeigt wiederum, dass auch der Meisterplaner Batiatus nicht davor gefeit ist, Opfer einer Intrige zu werden.
So ist “Delicate Things” auch eine Folge der Abschiede. Zwei Protagonisten sterben – und mit ihnen geht der Glaube an einen ehrenwerten Römer zugrunde. Es sind die kleinen Momente, die hier besonders gut funktionieren. Die Szenen, in denen ein Blick mehr aussagt, als tausend Worte. Solche Momente haben John Hannah, Lucy Lawless, Peter Mensah und Antonio Te Maioho. Letzterer erlebt einen Moment von Menschlichkeit, macht diesen aber zunichte. Und Peter Mensah als Doctore ist mehr als klar, was Spartacus getan hat. Insofern wird interessant, wie sich ihrer beider Beziehung in den weiteren Folgen manifestieren wird.
Sehr schön sind die Szenen, in denen man sieht, wie Spartacus seinen Fluchtplan immer wieder aktualisiert. Bis hin zu der Version, an deren Ende er fast mit Sicherheit glücken muss. Doch nichts im Leben ist sicher, wie Varro zu bedenken gibt. Und er hat Recht!



