Innerhalb des Vertigo-Programms gibt es so manche Perle für den etwas anderen Geschmack. Ein Genre, das selbst bei diesem Label für Erwachsene recht selten war bevor 100 BULLETS und SCALPED daherkamen, ist das des Thrillers. SCENE OF THE CRIME ist eine solche Geschichte mit einem Privatdetektiv, der in die Fußstapfen großer literarischer Vorbilder wie Dashiell Hammett steigt, aber seine eigene Identität besitzt.
Es geht um Jack Herriman, der von einem alten „Freund“ einen Fall vermittelt bekommt, der anfangs simpel erscheint, es aber keineswegs ist. Er soll nur eine vermisste Frau suchen, aber als er Maggie Jordan findet und sich sein Auftrag erledigt hat, wird diese erschossen. Und damit verstrickt sich Jack in ein Geflecht aus Lügen und Mord, das seinen Ursprung bereits Anfang der 80er Jahre nahm.
Ed Brubaker und Michael Lark greifen bei ihrer Erzählung auf die Stilmittel des Film Noir zurück, porträtieren eine verlorene Welt, in der niemand wirklich glücklich ist. In der Welt von Jack Herriman gibt es keine Menschen, die von der Vergangenheit nicht gebrochen wurden. Glück ist etwas, das sie allenfalls erträumen, aber niemals wirklich erleben können.
Man muss sich als Leser auf das Abenteuer dieses Private Eyes einlassen und tief in den Morast menschlichen Daseins absteigen, um die triste und bedrückende Art der Erzählung wirklich schätzen zu können. SCENE OF THE CRIME ist mit seinem sich entfaltendem Drama, das gegen Ende leider ein wenig vorhersehbar wird, eine erfrischende Abwechslung im Comic-Dschungel. Keine leichte Lektüre, aber eine lohnenswerte. Wer jedoch unbedingt ein Happy End braucht, um sich einer Geschichte hinzugeben, der sollte sich von diesem Tatort lieber fernhalten.


