Ich habe vor etwa zwei Wochen Peter Jacksons THE LOVELY BONES (IN MEINEM HIMMEL) gesehen. Ein wirklich schöner Film, der seine Geschichte ungewöhnlich erzählt: Aus der Sicht des Mordopfers, das in seinem eigenen Himmel beobachtet, wie das Leben weitergeht. Interessant ist dabei, wie der Himmel dargestellt wird. Schon in der Romanvorlage von Alice Sebold wird darauf verzichtet, christlichen Dogmen zu folgen. Der Himmel – oder vielleich auch der Zwischenschritt auf dem Weg zum Himmel – ist ein Ort, den man sich selbst erschafft, ist prächtig, bunt, blühend, phantastisch, wenn man guter Dinge ist. Und wird düster, wenn das Gemüt getrübt ist.
Irgendwie stelle ich mir das Nachleben so vor. Wenn es eines gibt. Ich würde gerne an die Existenz eines Himmels glauben. Es hat sicherlich etwas Beruhigendes, wenn man festen Glaubens ist, dass diese Existenz nicht alles ist. Dass das, was wir sind und was uns ausmacht, nicht verschwindet, wenn der Lebensfunke den Körper verlässt und eine leere Hülle zurückbleibt. Aber wenn ich ehrlich bin – und das vor allem zu mir selbst – dann glaube ich eigentlich nicht daran. Ich würde es gerne, aber es geht nicht.
Ich mag die Vorstellung, dass es so sein könnte. Aber diese Vorstellung zu mögen, sie sich auszumalen und darüber zu sinnieren, wie sich der Himmel darstellen könnte, ist etwas gänzlich anderes als zu glauben. Ich habe in meinem Leben ein paar Menschen getroffen, die tiefgläubig waren und sind. Und ich frage mich, wie sie die Darstellung des Himmels in THE LOVELY BONES bewerten würden.
Mir fiel auf, dass für gläubige Menschen die Frage nach dem Glauben augenscheinlich sehr wichtig ist. Nach dem Tod meines Vaters wurde ich mehrmals gefragt, ob er den gläubig gewesen sei. Ob er – auch abseits kirchlicher Dogmen – an etwas geglaubt hatte. Ich bejahte, aber eigentlich nur, um das Thema schnell zu beenden. Denn mit letzter Konsequenz weiß ich es nicht.
Das ist der Unterschied zwischen Menschen, die glauben, und jenen, die es nicht tun: die Beschäftigung damit. Für Skeptiker ist es ein Thema, das – nur aus meiner persönlichen Warte gesprochen – eher selten zum Teil der gedanklichen Beschäftigung wird. Es ist ein Non-Thema, wenn man so will. Wir glauben nicht, also was sollen wir großartig darüber nachdenken? Dazu angeregt werde ich in der Regel durch Impulse von außen. THE LOVELY BONES eben. Der mit seiner Darstellung des Nachlebens recht ähnlich WHAT DREAMS MAY COME (HINTER DEM HORIZONT) ist. In beiden Fällen ist es ein Himmel, der aus uns selbst entsteht. Ein Himmel, der aus unseren Erinnerungen, Träumen und Wünschen genährt wird – egal, ob wir das wissen oder nicht. Die Geschichten beider Filme sind aber gänzlich unterschiedlich und lassen sich auch nicht vergleichen. Aber das sollte man auch nicht, ist der Himmel des einen doch gänzlich anders als der Himmel des anderen – und das nicht nur in beiden Filmen, sondern auch bei jeder einzelnen Person. Das dahinter steckende Konzept ist jedoch faszinierend.
Es erscheint wie ein lebendiger Traum, eine Welt der Phantasie, in die man nach dem Tod gleitet. Und wer weiß, vielleicht ist es das. Vielleicht ist das Nachleben eine Art ewiglicher Schlaf, in dem ein Traum dem anderen folgt. Es ist ein Thema, über das man vortrefflich sprechen kann. Es lädt zur Diskussion ein, weil es keine endgültige Wahrheit gibt. Ob es ein Nachleben gibt oder nicht – und wie sich dieses gestaltet – findet ein jeder für sich selbst heraus. Am Tag unseres Ablebens. Und sollte danach etwas kommen, dann bleibt uns auch nichts anderes übrig, als wie Susie Salmon auf die Welt hinunterzublicken. Und auf die Menschen, die wir lieben, immer hoffend, dass ihrer Leben ohne uns gut und glücklich verlaufen wird.
Schlagworte: Hinter dem Horizont, In meinem Himmel, The Lovely Bones, What Dreams May Come




Ich hab mir vor einiger Zeit den Roman von Alice Sebold gekauft. Am besten hat mir gefallen, wie jeder, ganz besonders die Eltern, auf ihrer Art versuchen, mit dem doch sehr schmerzlichen Verlust klar zu kommen.
Hoffentlich haben Peter Jackson, Fran Walsh & Philippa Boyens das Beste aus dieser wunderschönen Geschichte herausgeholt.
Sind ja leider offiziell noch 16 Tage
Mit dem Glauben finde ich alles etwas überbewertet – gerade von Menschen, die viele Dinge einfach zu ernst sehen und alles auf die goldene Waage legen müssen.
Ich hab das Buch nicht gelesen, fand den Film aber sehr schön. Bin gespannt, wie du ihn finden wirst, da du ja den direkten Vergleich zum Roman hast.
Werde auf jeden Fall davon berichten. Meine Erwartungen sind aufgrund des Buches sehr hoch.