Horrorfans und Neanderthaler

In einem Artikel des Fachmagazins “Behavioural Neuroscience” wird von einer Studie der Universität Bonn berichtet, in der untersucht wurde, warum manche Menschen auf Horrorfilme – und hier besonders auf Splatter und Gore – mit Angst und Beklemmung reagieren, während sich andere amüsieren.

Der Grund hierfür soll eine Variante des so genannten COMT-Gens sein, das eine Chemikalie im Gehirn, die das Angstgefühl beeinflußt, freisetzt. Menschen, die von Horror leichter negativ beeinflußt werden, haben demnach zweimal dasselbe Gen, wobei es dafür sorgt, dass sie von verstörenden Bildern sehr viel schneller verängstigt werden. Menschen, die jedoch nur einmal eine Version des Gens plus eine Version eines anderen Gens haben, können ihre Emotionen leichter im Griff behalten. Es wird vermutet, dass die Gen-Variation erst seit relativ kurzer Zeit existiert, da es bei Primaten nicht vorhanden ist.

So ist eine Theorie, dass das Gefühl verstärkter Angst ein evolutionärer Schritt war, der dem Menschen bei seiner Entwicklung half. Anders als Tiere hatten Menschen in der Frühzeit schon größere mentale Fähigkeiten und dementsprechend die Möglichkeit, einer Gefahr zu entgehen und abzuwägen, wie man ihr begegnet. Man griff also nicht in blindem Mut an, sondern zog sich zurück und fand eine Lösung für das Problem. Den Neanderthalern fehlte dieses Gen. Sie reagierten auf blutige und drastische Bilder nicht mit dem instinktiven Reflex zu fliehen. Sie amüsierten sich oder griffen an.

Die mittlerweile vier Jahre alte Studie behauptet natürlich nicht, mit letzter Konsequenz entschlüsseln zu können, warum Menschen bei gewissen Bildern Angst empfinden, andere von ihnen jedoch nicht tangiert werden. Vielmehr wird die Studie als erster Schritt bei der Entschlüsselung der Wirkung einzelner Gene auf das Angstempfinden gesehen.

Amüsant ist es aber schon irgendwie: Der moderne Horrorfan soll also mehr Ähnlichkeit mit einem Neanderthaler haben, als er sich gemeinhin vorstellen würde. Außer Acht gelassen wird dabei natürlich, ob nicht weitere Gene hier hineinspielen, da bei Betrachtung eines Films natürlich jedem bewusst ist, dass er nur etwas Fiktives sieht. So stellt sich auch die Frage, wie Horrorfans, die bei Gore-Filmen ohne Ende johlen und sich amüsieren, auf reale Schreckensbilder reagieren.

Verhaltenstheorie ist aber so oder so ein interessantes Thema – und das nicht nur in Bezug auf Horrorfilme -, da der Mensch oftmals Dinge macht oder auf gewisse Weise reagiert und dabei nur einem vorgefertigten Muster folgt, das in seinem Kopf existiert, ohne dass er sich dessen überhaupt bewusst ist.

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