Archiv für Februar, 2010

Heldin der Pop Art: Barbarella

Es gibt immer wieder Filme, die hätte man eigentlich schon vor Jahren sehen sollen, aber irgendwie ist man nie dazu gekommen. Filmische Bildungslücken sind das. Und eine solche Lücke stellte bei mir BARBARELLA dar. Ich war immer ein großer SF-Fan, aber in meiner Jugend fand ich die überdrehten Bilder, die ich von diesem Film gesehen habe, doch sehr … gewöhnngsbedürftig. Darum hatte ich auch nie größeres Bedürfnis, den Film mal zu sehen. Diesen Missstand hab ich nun beseitigt.

Die Story: Im Jahr 40.000 v.Chr. landet die Astro-Agentin Barbarella auf einem unbekannten Planeten. Der weibliche James Bond besiegt das Böse in Gestalt von Robotern und Monstern. Außerdem belohnt sie freizügig die gut aussehenden Männer, die sie bei ihrem Abenteuer begleiten. Ob sie nun mit Black Guards, der bösen Königin oder dem Engel Pygar kämpft, es scheint sich einfach nicht vermeiden zu lassen, dass sie dabei zumindest einen kleinen Teil ihres hautengen Raumanzuges verliert.

BARBARELLA ist ein nicht unbedingt gut gealterter Film. Der die freie Liebe propagierende Film ist Pop Art pur. Alles ist gekünstelt. Und das nicht nur, weil die Effekte und Kulissen der späten 60er Jahre so toll nicht waren, sondern weil es so sein sollte. Die Dino-de-Laurentiis-Produktion, die in Sachen Kitsch ein Vorläufer von Dinos FLASH GORDON ist, adaptiert einen Comic und setzt dabei auf phantastische Gebilde und viel nackte Haut – freilich, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Die Anfangssequenz mit Barbarellas schwebendem Striptease zeigt schon, dass Regisseur Roger Vadim, der der kunstvollen Darstellung der weiblichen Form nie abgeneigt war, hier den Zuschauer mit vielen Teases ködern will. Er beutet Jane Fonda aus. Und die lässt sich ausbeuten, spielt die Sexbombe mit viel Inbrunst, zeigt sich nackt und ist doch geheimnisvoll verhüllt. Es ist die Form, die man sieht, weniger die Details.

BARBARELLA ist ein merkwürdiger Film, wie er nur in den 60er Jahren entstehen konnte. Er ist Kitsch pur, und niemals kann man sich sicher sein, ob dies nun eine SF- oder eine Porno-Parodie sein soll. Neben der Lavalampen-Ästhetik der 60er Jahre sind es auch SM-Muster, die hier ungeniert in die Geschichte eingebaut werden. John Phillip Law als blinder Engel Pygar sieht – lässt man die Flügel außer Acht – wie der Prototyp von Rocky aus der ROCKY HORROR PICTURE SHOW aus.

Surreal ohne Ende ist auch die Sequenz, in der Barbarella gefesselt von den Puppen mit den Reißzähnen attackiert wird. Aber das ist längst nicht die einzige Szene, die Staunen macht. Künstlichkeit ist hier Trumpf. Die Kulissen sehen mehr noch als bei STAR TREK nach Marke Eigenbau aus. Und es dürfte kaum einen SF-Film geben, der eine bizarrere Bilderpracht bietet als BARBARELLA. Der Film ist faszinierend, vielleicht nicht gut, aber so eigen, so ungewöhnlich, so sexy, so irre, dass man sich seinem Bann kaum entziehen kann.

Die unwiderlegbare Wahrheit über Dämonen

Hier ist sie also: DIE UNWIDERLEGBARE WAHRHEIT ÜBER DÄMONEN (THE IRREFUTABLE TRUTH ABOUT DEMONS). Nun, ganz so weit geht der Neuseeländer Glenn Standring nicht, aber einen exzellenten Film hat er dennoch abgeliefert. Er konzentriert sich auf den Anthropologen Harry Ballard, der in die Fänge von Le Valliant und seiner Sekte von Satansanbetern gerät. Wahn und Wirklichkeit vermischen sich und Harry muss sich die Frage stellen, ob er sich das Spiel der Dämonen nur einbildet oder er tatsächlich zum Spielball übernatürlicher Mächte geworden ist.

Die Geschichte erinnert von ihrer Konzeption und ihrem Aufbau an Clive Barker (und hier vor allem an dessen Film LORD OF ILLUSIONS), ist aber eher als eine Hommage, denn als ein billiger Rip-off zu verstehen. Standring schuf einen kleinen, aber eindringlichen Horrorfilm, der von seiner bedrohlichen Stimmung lebt und diese auf den Zuschauer übertragen kann. Dabei verzichtet er fast vollständig darauf, die Dämonen – hübsch mit CGI getrickst – zu zeigen, sondern setzt auf psychologischen, aber auch physischen Schrecken, wenn Le Valliant dem späteren Eomer Karl Urban alias Harry Ballard so richtig hart zusetzt. Das Ende ist dabei ambivalent gehalten und fordert den Zuschauer auf, sein eigenes Urteil zu treffen.

THE IRREFUTABLE TRUTH ABOUT DEMONS ist ein interessanter Beitrag zum zeitgenössischen Horrorfilm, der abseits des großen Mainstream-Markts existiert. Nach diesem Werk dauerte es sechs Jahre bis Glenn Standring wieder einen Film vorlegen konnte. Das Warten hat sich übrigens gelohnt, denn auch PERFECT CREATURE ist ein feiner Film.

Raketenwürmer in Serie

Ich hätte ja nicht gedacht, dass die Serie noch mal das Licht der DVD-Welt erblicken würde, aber am 9. März 2010 erscheint in den USA tatsächlich TREMORS: THE COMPLETE SERIES in einer Box. Enthalten sind alle 13 Folgen auf drei DVDs. Die Serie aus dem Jahr 2003 ist nicht so gut wie die ersten beiden Filme, hält aber locker mit dem dritten Teil mit und übertrifft das eher fade Prequel noch deutlich. Neben Graboiden jeder Couleur gibt es in der Serie auch einen Mad Scientist, dargestellt von Christopher Lloyd, und Verschwörungen. Und Melvin (Robert Jayne) aus dem ersten Teil ist auch wieder mit dabei. Natürlich darf Michael Gross alias Burt Gummer nicht fehlen.

Liam in Paris: Taken

„I don’t know who you are. I don’t know what you want. If you are looking for ransom, I can tell you I don’t have money. But what I do have are a very particular set of skills; skills I have acquired over a very long career. Skills that make me a nightmare for people like you. If you let my daughter go now, that’ll be the end of it. I will not look for you, I will not pursue you. But if you don’t, I will look for you, I will find you, and I will kill you.“

Dies ist die Schlüsselsequenz des Actionfilms TAKEN (a.k.a. 96 HOURS). Mit diesen mehr als ernst gemeinten, an eine Bande von Kidnappern gerichteten Worten, beginnen für Bryan Mills, einen ehemaligen Agenten, die längsten 96 Stunden seines Lebens – und die Jagd nach der skrupellosen Organisation von Mädchenhändlern, die seine Tochter Kim entführt hat.

TAKEN ist eine klassische Geschichte. Ein Einzelkämpferfilm, wie er in den 80er Jahren üblich war. Aber visuell modern umgesetzt und mit einem Star, der nicht aus der Muskelprotzgarde kommt und gerade darum umso überzeugender wirkt. Dies ist einer der härtesten und kompromißlosesten Actionfilme der letzten Jahre, in dem Liam Neeson zu beängstigender Höchstform aufläuft. Wie er gegen die bösen Buben vorgeht, ist etwas, das man schlichtweg gesehen haben muss. Gegen Bryan Mills sieht sogar der Punisher wie ein Schülerlotse aus.  Und selten war es befriedigender, die Bösen sterben zu sehen.



I Love Sarah Jane

In Tim Burtons ALICE IM WUNDERLAND spielt die Australierin Mia Wasikowska die Hauptrolle. Und das ziemlich gut. Sie ist eine wunderbare Alice. Und Frauen, die  mit britischem Akzent sprechen, mochte ich sowieso schon immer. Aber während des Sehens des Films hab ich mir die ganze Zeit den Kopf zerbrochen, wo ich sie schon einmal gesehen habe. Ich bin nicht drauf gekommen, aber die IMDb ist unser Freund. Und nun weiß ich es. Sie war Chaya in DEFIANCE. Eine nette kleine Rolle in einem ziemlich mauen Film. Interessanter ist I LOVE SARAH JANE, ein australischer Kurzfilm, der 2007 entstanden ist und zeigt, wie es um Kinder in einer Welt bestellt ist, in der die Zombie-Apokalypse stattgefunden hat. Derzeit kann man Wasikowska auch als Sophie in neun Folgen von IN TREATMENT auf 3SAT sehen. In der ersten Staffel war sie eine der Patientinnen von Dr. Paul Weston.

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20 Minuten Prince of Persia

In München wurden gestern etwa 20 Minuten aus PRINCE OF PERSIA, der neuen Jerry-Bruckheimer-Produktion, die am 20. Mai startet, vorgeführt. Es waren vier Szenen. In der ersten sieht man, wie Jack Gyllenhaals Figur Dastan eine Mauer erklimmt, in eine Festung eindringt, das Tor öffnet und dann die heranstürmenden Verteidiger ausschaltet, bevor seine Leute durch das Tor eindringen. Die zweite Szene zeigt Dastan und Tamina, die natürlich der Love-Interest für den schmucken Prinzen ist, aber ihm just den Garaus machen will. Dabei findet Dastan heraus, dass er einen magischen Dolch besitzt, der die Zeit zurückdrehen kann. Die dritte Szene ist dann mehr fürs Amüsement gedacht, denn Dastan bekommt es während eines Straußenrennens mit dem verschlagenen Sheik Amar zu tun, der ihn wegen des Kopfgelds an seinen Bruder ausliefern will. Die vierte Szene scheint nahe des Finales stattzufinden: Dastan und Tamina sind in einer Art Tempel und müssen einem ganz speziellen Pfad folgen.  Haut natürlich nicht hin, so dass der Boden unter Dastan wegbricht, während sich Tamina noch retten kann.

Was man sieht, ist – es ist Bruckheimer und wer den Trailer gesehen hat, ist nicht überrascht – pures Spektakel. Woran es aber wohl happern wird, das ist die Story. Irgendwie fühlte ich mich bei diesen Szenen ganz gewaltig an SCORPION KING erinnert. Das Hin und Her zwischen Dastan und Tamina ist dem von Mathayus und der Zaubererin nicht unähnlich. Der Look ist auch ähnlich, wobei man dem PRINCE OF PERSIA in diesen Sequenzen schon ansieht, dass hier ein Multi-Millionen-Budget in die Effekte gesteckt wurde. Der zusammenbrechende Tempel, bei dem Dastan fast vom Sand begraben wird, sieht phantastisch aus, auch wenn es viel verlangt ist, vom Zuschauer zu erwarten, zu glauben, dass irgendjemand dieses Inferno überleben könnte. Mit dem Realismus hat’s der Film aber bestimmt nicht so sehr, wie man schon daran sehen kann, wie Dastan die Wand erklimmt: Seine Kumpel schießen Armbrustbolzen in die Ritzen zwischen den einzelnen Steinen und Dastan klettert daran hoch!

Gyllenhaal sieht als Actionheld gut aus und Gemma Arterton macht mit britischem Zungenschlag auch eine gute Figur. Und Alfred Molina dürfte als verschlagener Straußenrennenbetreiber für den Humor sorgen. Irgendwie fehl am Platz erscheint Ben Kingsley. In den 20 Minuten, die gezeigt wurden, konnte man nicht viel von ihm sehen, aber in der Klamotte, in der er hier steckt, scheint er sich ähnlich unwohl wie weiland bei BLOODRAYNE zu fühlen.

Unterm Strich bestätigen die Szenen das, was man wohl erwarten konnte: Der Film dürfte so locker wie Zuckerwatte sein, eine 08/15-Geschichte ohne Überraschungen bieten, hübsch umgesetzt sein und mit viel, viel SFX-Spektakel aufwarten. Es gibt wahrscheinlich Schlimmeres, als mit einem Sommer-Blockbuster á la PRINCE OF PERSIA die Zeit totzuschlagen.

Grandiose Reden: Babylon 5 – In the Beginning

Autor J. Michael Straczynski ist immens begabt. Aber seine vielleicht größte Stärke ist das Schreiben von Reden. In seinem Magnum Opus BABYLON 5 hat er eine Vielzahl grandioser Reden geschrieben, denen allen eines gemein ist: Sie sind extrem mitreißend, sie sorgen für Gänsehaut und sie stimulieren das emotionale Zentrum im Gehirn. Man kann sie nicht hören, ohne bewegt zu sein. Sicher, die Wirkung ist noch größer, wenn man tief in der Serie steckt, doch auch für sich betrachtet, sind die von JMS geschriebenen Reden phantastisch. Zwei der schönsten gibt es im Fernsehfilm IN THE BEGINNING.

Londo – in der Zukunft Imperator über das in Flammen stehende Reich der Centauri – erinnert sich an den Krieg zwischen Menschen und Minbari. Er bewundert den Mut der Menschen, die zwei Jahre auf verlorenem Posten kämpften und um die eigene Vernichtung wussten. Neben den mitreisenden Bildern und Peter Jurasiks phänomenaler Darbietung ist es auch die Musik von Christopher Franke, die zu Tränen rührt.

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Im selben Film gibt es eine Rede der Präsidentin der Erdallianz. Die Situation ist die, dass die Minbari vor der Erde stehen. Der finale Schlag zur Auslöschung der Menschheit steht bevor. Und die Präsidentin bittet jeden fähigen Mann mit einem Schiff in den sicheren Tod zu gehen – um Minuten zu erkaufen, die für die Evakuierung und damit letzten Endes die Rettung der letzten Überbleibsel der Menschheit vonnöten sind. Die Rede ist derart phantastisch, dass man nur zu gut verstehen kann, warum Menschen sich opfern, um der Nacht die Stirn zu bieten.

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Die Rondo Hatton Classic Horror Awards: Voting-Beginn

Die alljährlihc verliehenen Rondo Hatton Classic Horror Awards gehen in die achte Runde. Das Voting ist eröffnet. Die Liste der Nominierten ist hier zu finden: http://www.rondoaward.com/rondo/rondos.html

Grandiose Reden: Boondock Saints

BOONDOCK SAINTS – der deutsche Titel ist grandios: DER BLUTIGE PFAD GOTTES – ist ein prächtiger Film um Selbstjustiz. Ein Film, der das Wort “Coolness” neu definiert und ein derart dynamisches Regiedebüt ist, nach dem man erwartet hätte, dass Troy Duffy einer der ganz Großen wird. Wurde er nicht, weil Arroganz und Starallüren als Anfänger ein absolutes No-Go sind. Ist aber auch egal. Der Film ist, was er ist. Und die Courtroom-Speech von Conner und Murphy McManus ist eine unglaublich vitale Szene mit einer wild agierenden Kamera. Und phantastischen Monologen, die von Sean Patrick Flanery und Norman Reedus mit dickem irischen Akzent zum Besten gegeben werden.

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Die Wiege der Langeweile

Manche Filme erscheinen, sieht man sich nur den Trailer an, als könnte man sich damit wirklich gut amüsieren. Alex Chandons CRADLE OF FEAR ist ein solcher Streifen. Der Trailer sieht nach einem blutigen, aber guten Horrortrip aus, der zwar wiederum billig ist, aber immerhin mit Musik von Cradle of Filth und Auftritten der Bandmitglieder aufwarten kann. Blutig ist der Film, billig sowieso und wummernde Mucke hat er auch, aber gut ist er nicht mal ansatzweise.

Die Geschichte hat diese Bezeichnung eigentlich nicht im Mindesten verdient. Vier wenig originelle Episoden – allesamt nach Schema F gestrickt –  werden von einer schaurigen Rahmenhandlung mehr schlecht als recht zusammengehalten. Soviel zum narrativen Gerüst, was die formale Umsetzung dieses Zwei-Stunden-Ungetüms betrifft, sieht es leider auch nicht sehr viel besser aus. Chandon präsentiert seinen auf Video gedrehten Film recht fad– eine Vision scheint der Regisseur nicht zu besitzen. Der einzige Bereich, auf dem CRADLE OF FEAR punktet, sind die äußerst blutigen FX, die zwar krude gestaltet sind, aber Gorehounds mehr als zufrieden stellen sollten. Allan Bryce vom britischen Magazin Darkside sagte zu diesem Film in Anlehnung an ein bekanntes Stephen-King-Zitat: „Ich habe die Zukunft des britischen Horrors gesehen – ihr Name ist Alex Chandon.“ Wenn so die Zukunft aussieht, dann nehme ich auf jeden Fall mit der Vergangenheit vorlieb. Die hat einfach mehr Klasse.

P.S.: Die Zukunft von Alex Chandon hat seit 2001 nicht stattgefunden. Von weiteren Machwerken wurde man darum verschont.