Skript-Review: Swamp Thing

An einer Verfilmung des Comics SWAMP THING wird seit Jahren immer mal wieder herumgedoktert. Dabei ließ der Rechte-Inhaber Joel Silver schon 2003 ein Drehbuch anfertigen, das auch für den momentan wieder in der Entwicklung befindlichen Film in Ordnung ginge. Es wurde von Len Wein geschrieben, der das Swamp Thing in den 70er Jahren zusammen mit Bernie Wrightson erfunden hat.

Alec Holland arbeitet in einem Labor in den Sümpfen an einer Formel, mit der auf Wüstenboden Nahrung wachsen lassen will. Er hat endlich Erfolg und führt die funktionierende Substanz seinem ehemaligen Freund und Kollegen Anton Arcane vor. Der möchte die Formel sofort haben, um sie den Finanziers, der Sunderland Corporation, vorlegen zu können. Doch Alex wiegelt ab. Als er abends mit Arcanes Nichte Abby ausgehen will, schickt Arcane seine Lakaien los, um die Formel zu stehlen.

Alec kommt ihnen in die Quere. Es kommt zu einem Kampf, bei dem Alec mit der Substanz in Berührung kommt. Er geht in Flammen auf und stürzt sich in den Sumpf. Arcane, der mit seinen eigenen Experimenten zur Verlängerung des Lebens nicht vorankommt und dabei einige schreckliche Kreaturen erschaffen hat, will Abby überzeugen, ihm bei der Fertigstellung von Alecs Formel zu helfen. Denn ein paar wichtige Details fehlen noch, ohne die sie nicht funktioniert. Abby erklärt sich erst bereit, stiehlt die Formel dann jedoch, da sie sie Arcane nicht überlassen will.

Abby flieht und wird von dem Swamp Thing gerettet. Arcanes Männer glauben, dass Abby stirbt, doch als sie erwacht, ist das Swamp Thing bei ihr. Es ist Alec, der ihr erzählt, was ihm widerfahren ist. Er ist nun mit dem Grün verbunden, allem Pflanzlichem, das lebt. Und er zeigt ihr, wie er die Welt nun sieht.

Derweil hat Arcane seine eigene Formel verändert und testet sie an dem unglückseligen Wachmann Veitch, der sich in ein schreckliches Monster verwandelt, betäubt und eingesperrt wird.

Das Swamp Thing erzählt Abby, dass es in der Lage ist, seinen Geist durch das Grün zu schicken und andernorts einen neuen Körper entstehen zu lassen. Bei den Experimenten, wie weit es reisen kann, kommt es auch in den Fluss und findet dort die Überreste von Alec Holland. Das Swamp Thing kehrt zu Abby zurück und erklärt ihr, dass es nicht Alec ist. Wie Bandwürmer, die einander fressen und das Wissen des anderen Spezimens aufnehmen, ist es pflanzliches Leben, das von Hollands Erfindung befeuert wurde und das dessen Gedanken, dessen Geist, dessen Bewusstsein in sich aufgenommen hat. Und dann erschuf sich das pflanzliche Leben im Glauben, Alec Holland zu sein, einen humanoiden Körper. „Ich bin kein Mann, der zu einer Pflanze wurde“, sagt es, „ich bin eine Pflanze, die glaubte, ein Mann zu sein.“

Das Swamp Thing ist erschüttert. Es drängt Abby, ihn zu verlassen. Und Abby läuft davon. Sie wird von Ferrett und seinen Männern gefunden, die nach dem Swamp Thing suchen, welches Arcane für seine Forschungen benötigt. Als sie um Hilfe ruft, hört das Swamp Thing sie. Es stürzt sich auf Ferrett, Bruno und Benny, aber sie sind mit ihrem Wagen schneller. Und dem Swamp Thing wird klar, wohin Abby gebracht wird: zu Arcane.

Das Swamp Thing bahnt sich seinen Weg durch Arcanes Wachen. Als der Wachmann Pasko ungläubig fragt „Was bist Du?“ antwortet es: „Wütend… sehr wütend.“ Da man dem Swamp Thing mit konventionellen Waffen nicht beikommen kann, attackieren Arcanes Schergen es mit Entlaubungsmittel, was einen hässlichen Effekt erzielt: Das Swamp Thing verwelkt sozusagen. Dann kollabiert es und man bringt es zu Arcane.

Als es wieder erwacht, ist es schwach. Und Arcane erkennt im Gespräch, dass es sich um Alec handelt. Er lässt die Temperatur herunterfahren, so dass das Swamp Thing wie jede andere Pflanze auch reagiert. Es wird bewusstlos, woraufhin Arcane mit einer Autopsie beginnt. Er hofft, in Swamp Things Körper die Information zu finden, die er benötigt, um seine eigene Formel zu perfektionieren. Als Arcane seine Nichte wegbringen lässt, gelingt es ihr, das Thermostat aufzudrehen, ohne dass es jemand bemerkt. Das Swamp Thing erwacht zu neuem Leben und tötet Benny. Als Arcane klar wird, dass Alec noch Probleme machen wird, lässt er den Piloten Berger alles vorbereiten, um das French Quarter von New Orleans mit Hilfe eines Helikopters mit der Substanz zu besprühen. Außerdem entlässt er alle Kreaturen aus ihren Käfigen.

Sowohl Bruno als auch Ferrett versuchen, dem Swamp Thing zu entkommen, werden jedoch von diesem getötet. Letzterer verbrennt, da das Swamp Thing Ferrett spüren lassen will, was Alec Holland fühlte. Derweil trinkt Arcane die von ihm selbst entwickelte Substanz. Das verändert Arcane, macht ihn stärker, aber auch zu einem menschlichen Monster. Ein Kampf zwischen Arcane und Swamp Thing entbrennt, dem sich auch die Veitch-Kreatur anschließt. Swamp Thing gelingt es, aus Veitch wieder einen Menschen zu machen. Und es gewinnt die Oberhand über Arcane, der glaubt, einen Trumpf in der Hand zu haben. Er denkt, er könnte fliehen, während das Swamp Thing das French Quarter rettet, doch Alec gelingt es, Arcanes Körper zu paralysieren, womit er ihn zu ewigem Leben in der Bewegungslosigkeit verflucht.

Um die Menschen im French Quarter zu retten, wächst das Swamp Thing zu immenser Größe heran und nimmt die purpurnen Substanz, die der Helikopter entlässt, in sich auf.  Wie zuvor bei dem Entlaubungsmittel wird das Swamp Thing immer bräunlicher und zerbirst schließlich.

Abby glaubt, dass das Swamp Thing nun tot ist. Sie begräbt Alecs sterbliche Überreste und bemerkt nicht, wie ein neues Swamp Thing aus dem Boden wächst.

Das Drehbuch hält sich sehr eng an die Entstehungsgeschichte des Swamp Things, wie sie Wein und Wrightson ersonnen haben. Was hier jedoch fehlt, ist die Frau von Alec Holland. Stattdessen ist es gleich Abby Arcane, mit der er hier arbeitet, und die er liebt. Eine kleine Veränderung, die nicht weiter stört, sondern manches einfacher macht. Vom Verlauf der Geschichte ist dieses Skript auch ein richtiges Remake des ersten Films von Wes Craven. Das Einzige, was relevant anders ist, ist die Tatsache, dass Wein hier die Idee von Autor Alan Moore aufgreift, der das Swamp Thing zu Beginn der 80er Jahre neu definierte. War es zuvor tatsächlich so, dass es Alec Holland war, dessen Körper verändert wurde, so etablierte Moore mit der Geschichte „Die Anatomiestunde“, dass das Swamp Thing niemals Holland war, sondern vielmehr eine von seiner Substanz mit Leben erfüllte Pflanze, die das Wissen und das Bewusstsein von Alec Holland in sich aufgenommen hat. Und über Jahre hinweg glaubte, Holland zu sein. Doch tatsächlich ist es ein Erdelementar, der Champion des Grüns. Das wiederum wird in Weins Skript nicht so explizit ausgearbeitet, aber die Grundlage hierfür wird gelegt, da das Swamp Thing hier Kräfte offenbart, die es früher nicht besaß. Das nutzt Wein auch für ein paar interessante Szenen, wenn das Swamp Thing gegen Arcanes Lakaien kämpft und diese tötet, ohne sie überhaupt zu berühren. Im Fall von Benny nutzt es das Gemüse, das dieser gegessen hat und das in seinen Eingeweiden noch nicht verdaut worden ist.

Die meisten Details dieses Skripts beruhen auf verschiedenen Geschichten der Comic-Serie. Fans können hier sehr viel wiedererkennen, das sie schon früher mochten. Und selbst Leute, die eigentlich nur den 1982er-Film kennen, haben hier sehr viel Wiedererkennungswert – nur dass die Geschichte sich deutlich runder anfühlt und größer aufgezogen ist.

Einige Figuren wie Alec Hollands Frau Linda oder auch Matt Cable, der sich in Abby verliebt, wurden entfernt, aber man vermisst sie hier nicht. Und letzterer wäre durchaus bei einem Sequel einsetzbar.

Für die Fans der Comics hat Wein darüber hinaus viele von Arcanes Lakaien nach SWAMP THING-Veteranen benannt: (Karen) Berger, (Rick) Veitch), (John) Totleben, (Steve) Bissette, (Alan) Moore, (Martin) Pasko) und (Tom) Yeates. Und selbst die Begrifflichkeit, mit der sich das Swamp Thing in der Prä-Moore-Ära beschrieb – „the muck-encrusted mockery of a man“ – wird hier genannt, auch wenn es aus Arcanes Mund kommt.

Größer als die alten Verfilmungen ist das Finale. Der Monsterkampf ist eine Sache, aber wirklich faszinierend ist, wie Swamp Thing das French Quarter rettet, da hier überdeutlich das gestiegene Potenzial der Figur deutlich gemacht wird. Es ist eben nicht mehr nur ein Sumpfmonster, sondern eine formidable messianische Gestalt, was Wein unterstreicht, indem er postuliert, dass das Swamp Thing praktisch die Position des Gekreuzigten einnimmt, während es die bösartige Substanz in sich aufnimmt. Es opfert sich für die Menschheit – und es ersteht wieder auf.

Es gibt vieles, was an diesem Skript gefällt. Nicht alles ist Gold – Arcanes elendig langer und repetitiver Monolog während er das Swamp Thing auseinandernimmt fällt hier ein -, aber eben vieles schon. Ob ein anderes Drehbuch die Essenz der Figur besser einfängt, wird man sehen müssen. Es bleibt nur zu hoffen, dass man sich nicht einfach darauf versteift, wie anno 1982 eine 08/15-Monster-Geschichte zu erzählen.

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2 Antworten auf Skript-Review: Swamp Thing

  1. t.hohmann sagt:

    bei der derzeitigen Stimmungslage der Traumfabrik wird man wohl noch ewig auf eine adäquate Umsetzung warten dürfen. Lieber auf den 3-d und Twilight Zug aufspringen, als mal etwas düsteres zu wagen. Ich könnte mich sogar mit einer vernünftigen DVD Umsetzung arrangieren. Ist sehr schade ums Thema, aber ich glaube nicht, dass das in absehbarer Zeit was wird.

  2. Pete sagt:

    Vermutlich nicht. Der Stoff ist auch nicht gerade perfekt geeignet, um nen großen Sommer-Blockbuster draus zu machen.

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