Archiv für Januar, 2010

Japanische Untote: Junk

JUNK ist ein japanischer Zombie-Film, schon ein bisschen in die Jahre gekommen, aber immer noch einer der coolsten Genre-Filme der letzten Jahre.

Nach Experimenten des US-Militärs erwachen in einem Lagerhaus in Japan einige Zombies zum Leben. Zu dumm, dass eine Viererbande an Juwelenräubern ausgerechnet dieses Lagerhaus benutzt, um ihre Ware weiterzuveräußern. Schon bald beginnt das schnelle Sterben (und Wiedererwachen).

Natürlich ist die Story nicht gerade himmelhochschreiend neu, aber sie ist schnell und konsequent umgesetzt. An Action und blutiger Effektkunst wird das geboten, was man sich von einem RESIDENT EVIL-Film erwarten würde (aber wegen des Schielens auf den Massenerfolg nicht geboten bekommen hat). Am Ende gibt es gar einen Superzombie, der die üblichen Klischees hinter sich lässt. Neben krachender Action darf man schließlich auch noch herzhaft lachen. Wer hätte schließlich gedacht, dass die Japaner sich unter einem guten alten Porsche etwas ganz anderes vorstellen als die Deutschen?

Megapiranhas kommen!

Nachdem MEGA SHARK VS. GIANT OCTOPUS für The Asylum doch recht profitabel war und da in diesem Jahr auch noch das Remake PIRANHA 3-D in die Kinos kommt, ist es – typische Asylum-Denke halt – doch nur recht und billig, das zu kombinieren. Und so erscheint in den USA am 27. April MEGAPIRANHA.

Die Geschichte schreibt sich ja praktisch selbst: Ein Schwarm von mutierten Riesen-Piranhas entkommt dem Amazonas und bewegt sich in Richtung Florida, wobei alles gefressen wird, was in den Weg kommt.

Ebenso wie bei MEGA SHARK VS. GIANT OCTOPUS setzt man auf ein abgehalftertes Pop-Sternchen aus den 80er Jahren. Wurde der Hai von Debbie Gibson gejagt, so bekommen es die Piranhas mit Tiffany zu tun. Die hatte in den 80er Jahren ein paar Hits und ist mittlerweile in Sachen Country-Musik unterwegs. Lorenzo Lamas gibt es nicht, einen schauspielerisch ähnlich begrenzten Ersatz hat man aber auch parat: Paul Logan. Kennt ihr nicht? Macht nichts. Logan war der TR-4 in Asylums THE TERMINATORS. Außerdem ist noch Barry Williams dabei, seines Zeichens ein Flüchtling aus DIE BRADY FAMILY. Und nun warten wir mal auf den ersten Trailer. Der ist sicher wieder amüsant.

Wenn Blicke töten könnten

Namensfindung für ein Syfy Original

Der amerikanische Syfy Channel hat wieder mal billigen Fantasy-Horror-Schlock produziert, der dem Begriff  “Syfy Original” sehr wahrscheinlich wieder spotten wird. Egal, um die sicherlich zweifelhafte Qualität geht’s hier nicht. Der Syfy Channel versucht, das Publikum einzubinden. Und hat einen Wettbewerb ins Leben gerufen, um einen Titel für das Meisterwerk zu finden.

So sieht die Story aus:

1099 A.D.: A battle-weary knight leads his men home from the Holy Land after years of fighting. But the supposedly holy relic he’s carrying bears a terrible curse, and now a murderous demon has been unleashed. It’s up to Sir Gregory and some unlikely allies to battle this unholy scourge and stop the spread of an unspeakable evil.

Man sieht schon, eine mordsmäßig originelle Geschichte. Ich würde ja auch gerne meinen Titelvorschlag einreichen, aber zur Teilnahme sind nur US-Bürger zugelassen. Zu dumm. Wie ich das Dingens genannt hätte?

HOLY MONSTER FROM HELL

Nein, jetzt weiß ich’s.

CRUSADING DEMON

Oder doch nicht. Vielleicht wäre

THE WRATH OF THE RAPED HOLY LAND

besser. Nö, auch nicht? Moment, jetzt hab ich’s.

GENERIC CGI MONSTER MOVIE

Das trifft’s bestimmt am besten.

Fanfilm: Grayson

Fanfilme gibt es wie Sand am Meer. Zu praktisch jedem Thema. Viele sind übelster Schrott, einige sind jedoch unglaublich gut, haben nicht nur Herzblut, sondern auch technisches Know How aufzubieten und machen Lust auf mehr.

Ein wirklich schöner Fanfilm ist der gut fünfminütige Trailer zu GRAYSON, einem Film, den es leider nie geben wird. Dabei ist das, was man hier sehen kann, wirklich toll. Batman ist tot und Dick Grayson kehrt aus dem Ruhestand zurück, um als Robin den Tod des Dunklen Ritters zu rächen. Schön an diesem Trailer sind auch die vielen Auftritte anderer DC-Helden wie Wonder Woman oder Green Lantern. Dass jemand in Robins Kostüm cool aussehen könnte, war so auch nicht zu erwarten. Aber es funktioniert. Zudem ist der Trailer von Comics wie THE DARK KNIGHT RETURNS oder THE KILLING JOKE inspiriert, auch wenn dies nur in wenigen Szenen offenkundig wird.

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So wird Kilowog aussehen

Der Name ist natürlich übel ohne Ende: Kilowog. Aber Kilowog ist eine der ältesten Green Lanterns und ein guter Kumpel von Hal Jordan. Im kommenden Kinofilm wird er auch dabei sein. Nun sind Konzeptzeichnungen ans Licht gekommen, die wirklich nicht übel aussehen. Links die für den Film geplante Variante, rechts ein seinerzeit neues Kostümdesign für den Comic von Carlos Pacheco.

What’s up?

Dazu muss man nicht viel sagen. Cooler Kurzfilm.

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Ein mörderischer Untermieter: The Lodger (1944)

THE LODGER basiert auf einem Roman von Marie Belloc Lowndes (1868-1947), die den Roman 1913 verfasst hat. Obschon die Geschichte natürlich von Jack the Ripper inspiriert ist, spielt sie im damals zeitgenössischen London und handelt von einem Serienkiller, der den Namen „The Avenger“ trägt. Die erste Verfilmung des Stoffs entstand noch zu Stummfilmzeiten und wurde von Alfred Hitchcock 1927 umgesetzt. In Hitchcocks Version war es auch der Avenger und nicht der Ripper, der das moderne London heimsuchte. Die erste Tonfilmfassung des Stoffs kam 1932 von Maurice Elvey. Was diesen Film interessant macht, ist die Tatsache, dass Elvey denselben Lodger benutzte wie Hitchock: Ivor Novello. Die dritte Verfilmung entstand bei 20th Century Fox, wo man Barré Lyndon das Drehbuch schreiben ließ. Und hier wurde aus dem Avenger erstmals Jack the Ripper.

Die Story: Mr. Slade ist ein junger und unscheinbarer Mann, der sich in einem Appartement im Londoner Whitechapel-Distrikt einmietet. Die Ankunft des neuen Mieters geht einher mit den Morden von Jack the Ripper. Purer Zufall oder doch mehr? Kitty, die Tochter der Familie, findet den neuen Mieter interessant. Immer öfters versucht sie, Zeit mit ihm zu verbringen und gerät dabei immer mehr in Gefahr, während der in sie verliebte Scotland-Yard-Inspektor John Warwick alle Hebel in Bewegung setzt, um dem Treiben des grausamen Frauenmörders ein Ende zu setzen …

Anders als die vorher gekommenen Filme ist THE LODGER a.k.a. JACK THE RIPPER – DER MÄDCHENMÖRDER ein period piece, das im London des Jahres 1888 spielt. Und der Untermieter ist der tatsächliche Jack the Ripper. In Hinblick auf die realen Vorkommnisse erlaubt sich der Film – teils notgedrungen – einige Freiheiten. So tötet der Ripper keine Prostituierten, sondern Schauspielerinnen und Varieté-Mädchen. Grund hierfür war, weil man Angst vor der Zensur hatte und weil Studiochef Darryl F. Zanuck auf Nummer Sicher gehen wollte. Wie die meisten Ripper-Verfilmungen der ersten 50 Jahre Kinogeschichte benutzt man hauptsächlich den Namen und verschiedene urbane Legenden, die als Basis für den Film dienen.

Die Macher waren aufgrund der Zensurpraktiken gezwungen, sehr viel kreativer vorzugehen. Denn das Thema ist freilich eines, das schwierig ist, geht es doch nicht um ein übernatürliches, sondern ein menschliches Monster. Und mehr noch: einen wahnsinnigen Mörder, dessen Motivation sexuell bestimmt ist.

Das wird im Film nicht vordergründig dargestellt, aber es lebt auf in Laird Cregars hervorragender Darstellung. Der mit sanfter Stimme spielende Schauspieler, der die Figur zurückhaltend anlegt und dessen Höflichkeit derart ist, dass er weit beängstigender erscheint, als wäre er ein geifernder Irrer, hat hier die wohl beste Leistung seiner Karriere abgeliefert. Regisseur John Brahm ließ ihm bei der Gestaltung der Rolle freien Lauf. Und Cregar nutzte das. Seine Blicke sagen mehr als tausend Worte. Und so ist die Schlüsselmotivation, die Cregars Figur Slade antreibt, etwas, das unter der Oberfläche schlummert und brodelt. Slade ist von seinem Bruder fasziniert – um nicht zu sagen, hoffnungslos in ihn verliebt. Und weil sein Bruder einer Frau wegen starb, entwickelt er einen Hass auf das andere Geschlecht. Die homosexuelle Ebene, die Cregar hier einbringt, ist nichts, was im Drehbuch zu finden wäre. Es ist etwas, das ganz und gar Cregars Darstellung zu verdanken ist.

Laird Cregars Darstellung zieht in den Bann. Unterstützt wird er dabei von einer sehr überlegten Inszenierung und einer fantastischen Ausleuchtung, die oftmals Highlights auf Cregars ausdrucksstarke Augen legt und deren hypnotische Wirkung noch unterstützt. Es ist Cregars unterkühlte, zurückhaltende Darbietung, die so wundervoll illustriert, was für ein verlorener Mensch sein Slade ist. Er ist allein, einsam, getrieben. Ein Opfer der eigenen Obsessionen. Und Brahm schafft es, dieses Gefühl mit Hilfe seines Kameramanns Lucien Ballard für den Zuschauer spürbar zu machen, indem er Szenen so anlegt, dass die Kamera als subjektiver Ersatz für den Zuschauer dient und weit ab vom Schuss ist. Losgelöst und fern von allem, das menschlich ist. Eine wunderbare Metapher für Cregars Slade.

Laird Cregar ist heutzutage eher unbekannt, aber 1944 schickte er sich an, zu einem der ganz großen Stars zu werden. Er hätte, so meinen viele, die Karriere haben können, die später Vincent Price hatte. Der am 28. Juli 1913 geborene Cregar war auf der Bühne erfolgreich, bevor er zum Film kam. 1941 spielte er in I WAKE UP SCREAMING die Rolle des obsessiven Polizisten, der so sehr von einer ermordeten Frau fasziniert ist, dass er einem Unschuldigen den Mord in die Schuhe schiebt, damit jemand dafür büßen muss. Weitere Rollen wie die des Teufels in Ernst Lubitschs HEAVEN CAN WAIT schlossen sich an, bevor er 1944 mit THE LODGER einen Überraschungserfolg hatte, der von Publikum, Kritik und Studio so gut angenommen wurde, dass man ein ähnliches Projekt anging, HANGOVER SQUARE, in dem das Erfolgsteam bestehend aus Cregar, Brahm und Lyndon erneut tätig wurde.

Doch Cregar erlebte die Premiere dieses Films nicht mehr. Der knapp zwei Meter große Schauspieler hatte immer Befürchtungen, dass er auf die Rolle des Schurken festgelegt werden könnte. Zudem wünschte er sich, die Rollen von Romantic Leading Men zu spielen. Doch dafür musste er abnehmen. Cregar wog 132 Kilogramm und nahm in extrem kurzer Zeit in einer brutalen und nicht überwachten Crash-Diät 44 Kilogramm ab. Für seinen Körper war dies zu fiel. Sein Magen rebellierte und Cregar musste sich einer Operation unterziehen. Nur wenige Tage nach der Operation, am 9. Dezember 1944, gab sein Herz auf. Laird Cregar starb an einer massiven Herzattacke.

THE LODGER ist ein fantastischer Film. Gotischer Horror, der als einer der ersten Vertreter des psychologisch motivierten Genre-Films daherkommt und ein Thema aufgreift, das erst Jahre später mit Alfred Hitchcocks PSYCHO kinematografisch salonfähig gemacht wurde. Die von Savoy erschienene DVD ist hervorragend geworden. Über Bild und Ton dieses fast 65 Jahre alten Films kann man nicht klagen. Hervorragend ist das Bonusmaterial. Eine Featurette beschäftigt sich mit dem Film, Laird Cregar und dem filmischen Jack the Ripper, wobei hier Filmhistoriker wie Greg Mank, Drehbuchautoren wie Christopher Wicking und Autoren wie Kim Newman zu Wort kommen. Die Bildergalerie umfasst viele Plakatmotive, aber auch Hinter-den-Kulissen-Fotos. Außerdem gibt es einen Audiokommentar der Filmhistoriker Alain Silver und James Ursini. Abgerundet wird das alles durch den Trailer und ein FSK-Logo-freies Wendecover.

Wo ist der Bart, Herr Poe?

So kennt man Edgar Allan Poe:

Am 23. Januar 2010 wurde jedoch ein mit Wasserfarben gefertiges Porträt des Autors, das von Künstler A.C. Smith gemalt wurde, in einer Ausstellung zu Ehren von Poes Geburtstag in Baltimore enthüllt. Das Porträt ist eines von dreien, die die Zeit überdauert haben. Es zeigt einen jungen, noch deutlich vitaleren Poe als jenen, den man aus den Fotographien, die zum Ende seines Lebens hin gemacht wurden, kennt.

Grimms düsteres Märchen: Schneewittchen

Die Geschichte vom Schneewittchen kennt wohl jeder, auch wenn man in erster Linie an Walt Disneys zuckersüße Version des Märchens denken mag. In Michael Cohns Film wird die altbekannte Geschichte aber auf neue und durchaus erwachsene Art erzählt. Das Grundgerüst der Geschichte ist dasselbe geblieben. Hier wie dort trachtet die böse Hexe Claudia (Sigourney Weaver) dem schönen jungen Schneewittchen Lilli (Monica Keena) nach dem Leben, um so weiterhin die Schönste im ganzen Land sein zu können. Aus dieser Konstellation ergibt sich aber im Folgenden eine Geschichte, die man ohne den altbekannten Namen vielleicht gar nicht so schnell mit Grimms Märchen in Verbindung gebracht hätte.

SCHNEEWITTCHEN ist ein ausgezeichneter Film geworden, der im düsteren Bereich des Gotik-Horrors schwelgt und aufgrund seiner dezenten Entwicklung des Schreckens den Vergleich mit klassischen britischen Schauergeschichten nicht zu scheuen braucht.

Der Film besticht mit durchwegs guten Schauspielern, allen voran Sigourney Weaver, die ihre Figur zu mehr macht als nur der mordlüsternen, bösartigen Hexe, die ein einfacher gestrickter  Film wohl bevorzugt hätte. Ihre Claudia ist eine von ihren eigenen Obsessionen getriebene Frau, die zwar über schwarzmagische Kräfte verfügt, vor allem aber durch ihr langsames Abgleiten in den Wahnsinn zu einer Bedrohung für alle anderen wird.

Aber nicht nur die schauspielerischen Leistungen – darunter die von Sam Neill als Lillis Vater Frederick – sind makellos, auch die Ausstattung und die Kulissen tragen dazu bei, den Zuschauer in den Bann des Films zu ziehen. Und Monica Keena, später durch DAWSON’S CREEK und FREDDY VS. JASON bekannt geworden, ist als Schneewittchen bezaubernd.

Abgerundet wird das Spektakel durch die unaufdringlichen und doch sehr schön gestalteten Spezialeffekte, für die der Terminator-Veteran Ernesto Farina verantwortlich zeichnet, und Mike Southons dynamischer und mitreißender Kameraführung, die bisweilen zu richtigem Eigenleben findet.

Dieses SCHNEEWITTCHEN ist ganz anders als alle seine Vorgänger und dabei ein schönes Beispiel dafür, wie auch Erwachsene wieder für die Welt der Märchen und Mythen begeistert werden können.