Mir fielen letzthin ein paar Fanzines in die Hände. Für die heutige Internetgeneration ist das Konzept eines Fanzines sicherlich kaum noch fassbar. Ein photokopiertes Heft mit Klammerbindung, oftmals in DIN-A5, natürlich schwarzweiß, ohne Zuschnitt und mit einer winzig kleinen Auflage. So sahen viele Fanzines aus. Es gab natürlich auch Hefte, die im Offset-Druck daherkamen wie die TREKWORLD oder das JOURNAL OF THE WHILLS, aber viele kleinere Hefte hatten eben den doch noch stärkeren Charme des Selbstgemachten. Die fraglichen Fanzines, die ich in Händen hielt, waren die fünf Ausgaben von BEYOND THE NEUTRAL ZONE, einem STAR TREK-Heft, das sich vornehmlich mit den Romulanern beschäftigte. Das Heft erschien Anfang der 90er Jahre, als STAR TREK so richtig heiß war und Fanzines wie Pilze aus dem Boden schossen. Doch darum geht’s hier gar nicht. Vielmehr geht es um das Fanzine CHILDREN OF DARKNESS, das von Sabine Marklewitz und einigen anderen, die schon BEYOND THE NEUTRAL ZONE machten, ins Leben gerufen wurde.
Es war kein auf eine spezifische Serie zugeschnittenes Magazin, sondern vielmehr ein bunter Mix, der sich hauptsächlich mit Horrorthemen, Vampiren, den Arbeiten von Neil Gaiman und praktisch allem, was die teilhabenden Schreiberlinge interessierte, beschäftigte. Es war das Jahr 1996 und ich selbst war noch kein Söldner, der Worte verkaufte. Zu dem Zeitpunkt frönte ich dem Schreiben aber schon und verfasste Artikel für eine Reihe von Fanzines. Und da ich Sabine und die BTNZ-Crew auch kannte, war ich bei der Startausgabe von CHILDREN OF DARKNESS auch dabei.
Das Heft hob sich von anderen Fanzines – zumindest denen, die ich kannte – ab, indem es nicht nur eine Reihe von Artikeln gab, sondern auch viele Kurzgeschichten enthalten waren. Auch aus meiner Feder floßen zwei Geschichten – wenn sie auch nicht exklusiv für das Heft entstanden sind. Sie waren in purem Schaffensdrang schon eine Weile vorher verfasst worden, aber ich hatte das Gefühl, sie in CHILDREN OF DARKNESS verbraten zu können; neben einer Reihe von Artikeln zu Dingen, die mich damals schwer beeindruckt hatten, so etwa die Marvel-Serie FOOLKILLER oder die Vertigo-Anthologie LOUDER THAN NOISE. Zwei Geschichten hatte ich in CHILDREN OF DARKNESS veröffentlicht, die erste eine, die hauptsächlich der innere Dialog einer (vermutlich) schizophrenen Frau war, die andere mit einer Hauptfigur, durch die ich von Alan Moores SWAMP THING inspiriert war, nur dass ich das dort zelebrierte Grün durch das Rot ersetzte. Mit dieser Idee spielte ich auch in der Folgezeit immer mal ein bisschen herum, dachte an eine große Geschichte, schrieb aber letzten Endes nur etwa zehn Seiten, wobei ich da immerhin noch einen Spin fand, die erste Story auch gleich noch zu integrieren.
Ich glaube, insgesamt sind sechs Ausgaben erschienen. Zumindest hab ich keine siebte mehr erhalten. Die in diesem Fanzine versammelten Frühwerke sind bei Auflagen von anfangs 25, später 50 Stück, wenn ich mich recht entsinne, praktisch dem Vergessen überantwortet. Ist vielleicht auch besser so, bleiben meine Jugendsünden so doch einem sehr kleinen Kreis vorbehalten. Heute noch an eines dieser Hefte heranzukommen, dürfte so gut wie ausgeschlossen sein.
Hi Peter,
stell dein Licht mal nicht unter den Scheffel, so schlecht waren deine Jugendsünden nu wirklich nicht
Bin gerade zufällig über diesen Eintrag gestolpert, schön das du dich daran noch erinnerst. War auch wirklich eine schöne Zeit.
Ich bin jetzt nur noch online aktiv, aber nur soweit mir die Arbeit Zeit dazu lässt.
Liebe Grüße
Sabine Marklewitz
Hey Sabine,
schön mal wieder von Dir zu hören. COD war schon eine lustige Zeit – und so exklusiv
. Dank dem Internet gibt’s so lustige kleine Fanzines ja leider (so gut wie) gar nicht mehr.