Archiv für Dezember, 2009

In einer Weihnachts-Galaxie, weit, weit entfernt…

Es ist ein paar Jahre her, da wurde Carrie Fisher in einem Interview gefragt, wie die Arbeit am STAR WARS HOLIDAY SPECIAL war. „Es gab kein Holiday Special.“ war ihre Antwort. Zugegeben, Ms. Fisher konsumierte zu jener Zeit einiges an weißem Pulver, so dass ihr Erinnerungsvermögen vielleicht nicht mehr das Beste ist oder sie die Jahre zwischen EINE NEUE HOFFNUNG und DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK in ihrer Gänze vergessen hat, doch wahrscheinlicher ist wohl, dass sie diese Peinlichkeit gerne totschweigen würde. Immerhin fiel es seinerzeit sogar ihr zu, zur gängigen Star Wars-Melodie einen mehr als kitschigen Text zu singen. In den 80er Jahren konnten sich die Fans an den beiden Ewoks-Filmen, einer Zeichentrickserie zu den Fellknäueln und einer weiteren zu den beliebten Droiden C-3PO und R2-D2 delektieren, doch so richtig toll war nichts davon. Dass es jedoch auch noch schlimmer geht, hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten. Ganz betagte Fans, die den Film bereits 1977 im Kino gesehen haben und zu Thanksgiving 1978 voller Erwartung und Vorfreude CBS einschalteten, können jedoch ein ganz anderes Lied singen: Das Star Wars Holiday Special stellt alles andere in den Schatten!

Doch worum geht’s? Nun, offenbar hatte man keine wirklich gute Geschichte zur Hand, um Harrison Ford, Mark Hamill, Carrie Fisher, Peter Mayhew und Anthony Daniels etwas zu tun zu geben. Darum ersann man kurzerhand den Life Day, einen besonderen Festtag bei den Wookiees, zu dem Han seinen Kumpel Chewbacca heim bringt. Natürlich kann’s das aber noch nicht gewesen sein, weswegen imperiale Sturmtruppen auftauchen und nach Rebellen suchen. Genug Zeit für Chewbaccas Sippe – Großvater Itchy, Frau Malla und Sohn Lumpy – sich merkwürdige Kochrezepte im intergalaktischen Fernsehäquivalent anzusehen, sich der herrlich kuriosenVirtuellen Realität mit allerhand kosmischen Tanzeinlagen hinzugeben oder dröge Videogames zu zocken. Dazu gibt es Gaststars wie Beatrice Arthur, Harvey Korman, Diahann Caroll, Art Carney und Jefferson Starship. Allesamt sind dies Namen, die zu ihrer Zeit wohl einen gewissen Klang gehabt haben mögen, heutzutage jedoch nur noch für irritiertes Stirnrunzeln sorgen.

Fast so interessant wie der Inhalt dieses Specials ist seine Entstehungsgeschichte. Nach dem Erfolg von STAR WARS war das Thema heiß und CBS ließ sich wahrlich nicht lumpen, um ein quotenträchtiges Special zum Filmhit im Programm zu haben. Eine Million Dollar wurde ausgegeben und eine Drehzeit von einem Monat veranschlagt. Als Regisseur wurde David Acomba verpflichtet, doch auf Grund kreativer Differenzen verließ er nach halber Drehzeit die Show und Steve Binder folgte nach. Um die Geschichte zu ersinnen, war mit Rod Warren, Bruce Vilanch, Leonard Ripps und Pat Proft tatsächlich ein Quartett vonnöten, womit sich der gern zitierte Spruch von den vielen Köchen wieder einmal als wahr erwies. Obwohl offiziell nicht an diesem Special beteiligt, gehört auch George Lucas zu den Schuldigen, die die Verantwortung an dieser kitschigen Show par exzellence tragen. Zwar betont der gute George immer wieder, dass er nichts mit der Produktion dieses Specials zu tun hatte, doch dabei sollte man nicht vergessen, dass im einzigen passablen Teil des Specials, einem 12-minütigen Zeichentrickfilm, Boba Fett seinen ersten Auftritt hat. Und woher sonst, denn aus dem kreativen Geist eines George Lucas sollte der Kopfgeldjäger entstiegen sein?

Schließlich ist er hier, was Attitüde und Design betrifft, schon genau jener Boba Fett, den man Jahre später in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK in Fleisch und Blut kennen lernen sollte. Wie gesagt, das echte Highlight dieses Specials ist der Zeichentrickfilm, der Boba Fett vorstellt. Dabei darf er sich als ein Verbündeter gebärden und gibt vor, Chewbacca zu helfen, der nach einem Heilmittel für Han und Luke sucht, die von einer seltenen Krankheit geplagt werden. Natürlich steht Fett aber hier schon in Diensten von Darth Vader, was unsere Freunde noch rechtzeitig herausfinden. Fett flieht und verkündet, dass sie sich schon bald wiedersehen werden. Abgesehen von diesem Zeichentrickfilm, der von Nelvana Limited, später verantwortlich für die Zeichentrickserien EWOKS und DROIDS, gestaltet wurde, bietet das HOLIDAY SPECIAL jedoch nicht viel.

Chewbaccas Familie – der Vater hässlich wie die Nacht finster und der Sohnemann eine schleimige Blaupause für die späteren Ewoks – wurde von Stan Winston entworfen. Nicht sehr viel besser erging es Make-up-Spezialist Rick Baker, der in einer Cantina-Szene (natürlich sieht die Cantina zum Schreien billig aus!) die altbekannten Kreaturen gestalten und mit Lion Man und Baboon Man zwei neue Monster erschaffen durfte. Das STAR WARS HOLIDAY SPECIAL ist eine Nummernshow, die den Zuschauer hauptsächlich langweilt, manchmal geradezu nervt (man denke nur an die etwa zehnminütige Einführung, bei der man Chewbaccas Familie nur unverständlich grunzen hören kann) und buchstäblich im Kitsch ertrinkt. Was sich alle Beteiligten gedacht haben, ein solches Machwerk zu produzieren, bleibt wohl auf ewig ihr Geheimnis.

Für Fans ist dieses Special nur bedingt zu empfehlen. Sicherlich ist es interessant, sich diese Kuriosität einmal anzusehen, doch die Laufzeit von fast zwei Stunden macht es schwer, ruhig auf der Couch sitzen zu bleiben und das Gebotene zu ertragen. Zu kitschig, zu banal, zu lachhaft, kurz zu schmerzhaft ist das, was sich hier abspielt – die Krone setzt dem Ganzen dann noch Leias Song auf, bei dem man nur noch den Kopf schütteln kann und sich fragen muss, ob die glasigen Augen der Mimin nicht nur Indiz ihres, sondern auch des Zustands der Crew sein mögen. Die Qualität des Gebotenen spricht für sich. Dass das HOLIDAY SPECIAL niemals wieder ausgestrahlt wurde und sicherlich auch nicht in Form einer Special Edition auf den Markt gebracht wird, zeigt, wo der Hammer hängt.

Mit der Zeit mag dieses Special, das ohnehin nur noch in Form schlechter Bootleg-Kopien existiert, verschwinden, weil einfach die Vorlagen immer schlechter werden und irgendwann nicht mehr zu gebrauchen sind, vergessen wird es aber wohl niemals. Steve Sansweet, seines Zeichens fanatischer Sammler von STAR WARS-Memorabilia jeder Art und offizieller STAR WARS-Botschafter, erzählte auf einer Convention in Australien einmal, dass George Lucas zu ihm gesagt hat: „Wenn ich genügend Zeit und einen Hammer hätte, würde ich jedes Bootleg dieses Programms aufspüren und zerschlagen.“ Man kann es ihm nicht verübeln.

Spurensuche

Mir fielen letzthin ein paar Fanzines in die Hände. Für die heutige Internetgeneration ist das Konzept eines Fanzines sicherlich kaum noch fassbar. Ein photokopiertes Heft mit Klammerbindung, oftmals in DIN-A5, natürlich schwarzweiß, ohne Zuschnitt und mit einer winzig kleinen Auflage. So sahen viele Fanzines aus. Es gab natürlich auch Hefte, die im Offset-Druck daherkamen wie die TREKWORLD oder das JOURNAL OF THE WHILLS, aber viele kleinere Hefte hatten eben den doch noch stärkeren Charme des Selbstgemachten. Die fraglichen Fanzines, die ich in Händen hielt, waren die fünf Ausgaben von BEYOND THE NEUTRAL ZONE, einem STAR TREK-Heft, das sich vornehmlich mit den Romulanern beschäftigte. Das Heft erschien Anfang der 90er Jahre, als STAR TREK so richtig heiß war und Fanzines wie Pilze aus dem Boden schossen. Doch darum geht’s hier gar nicht. Vielmehr geht es um das Fanzine CHILDREN OF DARKNESS, das von Sabine Marklewitz und einigen anderen, die schon BEYOND THE NEUTRAL ZONE machten, ins Leben gerufen wurde.

Es war kein auf eine spezifische Serie zugeschnittenes Magazin, sondern vielmehr ein bunter Mix, der sich hauptsächlich mit Horrorthemen, Vampiren, den Arbeiten von Neil Gaiman und praktisch allem, was die teilhabenden Schreiberlinge interessierte, beschäftigte. Es war das Jahr 1996 und ich selbst war noch kein Söldner, der Worte verkaufte. Zu dem Zeitpunkt frönte ich dem Schreiben aber schon und verfasste Artikel für eine Reihe von Fanzines. Und da ich Sabine und die BTNZ-Crew auch kannte, war ich bei der Startausgabe von CHILDREN OF DARKNESS auch dabei.

Das Heft hob sich von anderen Fanzines – zumindest denen, die ich kannte – ab, indem es nicht nur eine Reihe von Artikeln gab, sondern auch viele Kurzgeschichten enthalten waren. Auch aus meiner Feder floßen zwei Geschichten – wenn sie auch nicht exklusiv für das Heft entstanden sind. Sie waren in purem Schaffensdrang schon eine Weile vorher verfasst worden, aber ich hatte das Gefühl, sie in CHILDREN OF DARKNESS verbraten zu können; neben einer Reihe von Artikeln zu Dingen, die mich damals schwer beeindruckt hatten, so etwa die Marvel-Serie FOOLKILLER oder die Vertigo-Anthologie LOUDER THAN NOISE. Zwei Geschichten hatte ich in CHILDREN OF DARKNESS veröffentlicht, die erste eine, die hauptsächlich der innere Dialog einer (vermutlich) schizophrenen Frau war, die andere mit einer Hauptfigur, durch die ich von Alan Moores SWAMP THING inspiriert war, nur dass ich das dort zelebrierte Grün durch das Rot ersetzte. Mit dieser Idee spielte ich auch in der Folgezeit immer mal ein bisschen herum, dachte an eine große Geschichte, schrieb aber letzten Endes nur etwa zehn Seiten, wobei ich da immerhin noch einen Spin fand, die erste Story auch gleich noch zu integrieren.

Ich glaube, insgesamt sind sechs Ausgaben erschienen. Zumindest hab ich keine siebte mehr erhalten. Die in diesem Fanzine versammelten Frühwerke sind bei Auflagen von anfangs 25, später 50 Stück, wenn ich mich recht entsinne, praktisch dem Vergessen überantwortet. Ist vielleicht auch besser so, bleiben meine Jugendsünden so doch einem sehr kleinen Kreis vorbehalten. Heute noch an eines dieser Hefte heranzukommen, dürfte so gut wie ausgeschlossen sein.

Filme, die niemals waren: James Whales “A Trip to Mars”

Eine der für den phantastischen Film fruchtbarsten Perioden aller Zeiten waren die 30er Jahre. Ein Jahrzehnt, das von den bahnbrechenden Filmen der Universal Studios geprägt worden war. Die phantastischen Genres selbst wurden auf nicht gerade unbedeutende Weise von James Whale bestimmt, der mit FRANKENSTEIN und DER UNSICHTBARE zwei der wichtigsten Klassiker jener Ära vorlegte.

whale1

Durch seine erfolgreichen Arbeiten gehörte er bei Universal zu den geschätztesten Regisseuren. Er schien der ideale Mann für ein Projekt zu sein, das Carl Laemmle Jr., für die Produktionsseite des Studios verantwortlich, 1932 begonnen hatte. Ausgang war eine 27-seitige Story von Harry Hoyt, der einst für die First National Pictures THE LOST WORLD inszeniert hatte. Mittlerweile war er bei Universal angekommen und machte sich Hoffnungen darauf, für A TRIP TO MARS das Drehbuch schreiben und vielleicht auf dem Regiestuhl Platz nehmen zu können.

Die Chance sollte er jedoch nicht erhalten, da ein derartig prestigeträchtiges und aufwändiges Projekt bei Whale in weit besseren Händen war. Immerhin hatte man es hier mit einer gigantischen Geschichte zu tun, in der seltsame halbmechanische Kreaturen gegen halbwegs intelligente Rieseninsekten kämpften – und dazwischen gefangen waren einige Menschen.

Im Verlauf der Vorproduktion wurden verschiedene Treatments entwickelt und ein Drehbuch angefertigt. 1933 erwies sich Whales DER UNSICHTBARE als gigantischer Triumph und so kündigte man von Seiten Universals als nächstes Projekt des Regisseurs entweder A TRIP TO MARS oder eine Fortsetzung zu FRANKENSTEIN an.

Man entschied sich schließlich für A TRIP TO MARS, da dieser weitaus geeigneter war, dem phänomenalem Unsichtbarem zu folgen. Das Drehbuch war gegen Ende 1933 fast fertig gestellt, wobei Whale einige humorige Szenen einfügte. Eine der Änderungen betraf beispielsweise den Terrier eines der Menschen, der auf dem Mars ungewöhnlich intelligent wird und sprechen lernt. Kurz vor seinem Tod darf er noch einen letzten kernigen Spruch ablassen.

Danach verließ Whale das Land für zwei Monate. Als er wieder zurückkehrte, befand sich A TRIP TO MARS noch immer in Produktion, aber da die Stop-Motion-Effekte, die man für die Roboter- und Insektenwesen benutzen wollte, eine sehr lange Vorbereitungszeit erforderten, entschied man bei Universal, dass sich Whale noch eines anderen Films annehmen sollte. Whale begann schließlich mit der Arbeit an FRANKENSTEINS BRAUT, seinem besten Film. Danach, so sah es der Plan vor, hätte er an dem großen SF-Projekt weiterarbeiten sollen, doch dazu kam es nicht mehr. Hinter den Kulissen bei Universal gab es Veränderungen und die Horrorfilme, die einstige Erfolgsgaranten waren, wurden zum Ende des Jahrzehnts hin durchgängig erfolgloser. Whale wandte sich, da das Projekt nicht weiterging, anderen Dingen zu und bevor man sich versah, hatte die Universal-Ära der Phantastik geendet – und mit ihr war A TRIP TO MARS eines langsamen Todes gestorben.

Erinnerungen an das Gestern

Ich hab heute AVATAR im Kino gesehen. Aber darum soll’s an dieser Stelle nicht gehen (wer dennoch wissen will, wie ich ihn fand, kann hier kucken: http://www.movieman.de/Bericht.php?bid=28167&nid=2000). Ich hab den Film in einem Multiplex gesehen, in dem ich schon etwa sieben Jahre nicht mehr war. Nicht, weil ich das Kino nicht mögen würde, sondern weil ich normalerweise nicht mehr in der Nähe davon bin und ein Besuch sich damit erübrigt. In den Jahren 2002 und 2003 war ich jedoch sehr häufig dort. Und daran musste ich heute denken. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber ich verbinde viele Erinnerungen an Erlebnisse mit bestimmten Filmen und auch den Lichtspielhäusern, in denen ich sie gesehen habe. In den letzten Jahren hat sich dieses Kino kein Stück verändert. Und das holte einige Erinnerungen hoch.

In den Jahren 2002 und 2003 habe ich dort mit einem mir lieben Menschen sehr, sehr oft DER HERR DER RINGE – DIE ZWEI TÜRME gesehen. Insgesamt waren wir wohl 13- oder 14-mal in dem Film. So oft war ich weder vorher noch nachher jemals beim selben Film im Kino. Dieser Film wurde für uns zu einem Event. Ich mag den ersten Teil, aber den zweiten Teil liebe ich. Was nicht nur am Film selbst liegt, sondern auch an den Erlebnissen, die sich 2002 ergaben und bis weit ins nächste Jahr hineinreichten. Ich bin ein ziemlich privater Mensch. Das sieht man ja auch an diesem Blog, in dem wenig von mir selbst durchscheint – zumindest für jene, die mich nicht besser kennen. Deswegen halte ich die meisten Menschen auch auf Abstand und lasse sie nur zögerlich hinter meine imaginäre Mauer. In jenem Jahr tat ich das aber und ließ meinen HdR-Buddy nicht nur hinter diese Mauer, sondern gewährte auch Einblick in das eine oder andere Geheimnis, das ich normalerweise nicht teile. Das klingt vielleicht mysteriöser als es ist, aber es gibt Dinge, über die mag ich nicht sprechen. Und in der Regel tue ich das dann auch nicht. Damals war das jedoch anders. Und befeuert wurde die Situation noch, da die Zeiten für uns beide turbulent waren, was – natürlich – zu intensiven und tiefen Gesprächen führte, die man, schätze ich, so nur sehr, sehr selten mit anderen Menschen hat.

DIE ZWEI TÜRME war so etwas wie der Katalysator, wenn man so will. Der Film entführte in eine Welt, die soviel angenehmer als die reale erschien. In ihr fühlten wir uns wohl. Und egal, welche Sorgen uns beutelten, drei Stunden Mittelerde ließen diese vergessen. Auch deswegen haben wir DIE ZWEI TÜRME so häufig gesehen.

Wir sahen ihn nicht immer im selben Kino, aber mehrmals in München, sehr häufig in Salzburg und einmal in Hamburg – das war am Ende der Kinoauswertung des Films in einem Multiplex am Stadtrand, wofür eine locker einstündige Busfahrt notwendig war, um die eine Vorstellung, die noch täglich lief, sehen zu können. Am lebhaftesten sind mir jedoch die Besuche in Salzburg im Gedächtnis haften geblieben. Einmal sahen wir den Film dort zweimal hintereinander. Wir hatten festgestellt, dass vier Kinosäle auf dem gleichen Stockwerk waren und die Kartenabreißer ihren Dienst an der Treppe, nicht jedoch vor den einzelnen Sälen verrichten. Und so entschieden wir, nach dem Ende des Films in den nächsten Saal zu wechseln, wo die nächste Vorstellung anstand. Zu dem Zeitpunkt lief der Film schon eine ganze Weile, weswegen der Saal nicht voll war. Es war also leicht, ein Plätzchen zu finden, das nicht von einem Karteninhaber beansprucht werden konnte. Und so sahen wir DIE ZWEI TÜRME fast wie in einer Endlosschleife – ein herrlicher Tag, an den ich mich auch all die Jahre später noch immer gerne erinnere.

Bei AVATAR gab es mitten im Film eine Pause. Und auch das löste Erinnerungen aus. Denn auch DIE ZWEI TÜRME hatte immer eine Pause. Wir hatten den Film so oft gesehen, dass es schon wie ein pawlowscher Reflex war, wenn die Szene kam, die die Pause einläutete. Und einmal – es war eine der letzten Aufführungen des Films in Salzburg und die Kopie war schon merklich abgenutzt – sprangen wir schon auf, als der Film eigentlich enden sollte, aber die Pause war gestrichen. Das Kino hatte wohl nicht das Gefühl, mit der Handvoll Filmfans an der Snackbar noch groß Kasse machen zu können. Und so fielen wir wieder in die Kinosessel zurück, um weiterhin fest im Bann von Mittelerde zu bleiben und den Angriff der Warge zu erwarten.

Daran musste ich heute denken. Und mir kommt Thomas Wolfes posthum erschienener Roman “You Can’t Go Home Again”, zu Deutsch “Es führt kein Weg zurück”, in den Sinn. Darin heißt es am Ende: 

“You can’t go back home to your family, back home to your childhood … back home to a young man’s dreams of glory and of fame … back home to places in the country, back home to the old forms and systems of things which once seemed everlasting but which are changing all the time — back home to the escapes of Time and Memory.”

Die Geschichten aus der Gruft kommen

Eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass die TALES FROM THE CRYPT in Deutschland veröffentlicht werden würden. In den USA gibt es die sieben Staffeln ja längst (und mittlerweile auch günstig im Bundle). Nun hat 84 Entertainment angekündigt, wohl schon im Februar mit der VÖ zu beginnen. Eine erstaunliche Ankündigung, hätte ich doch nicht erwartet, dass ein vergleichsweise kleines Label, das zu 95 Prozent nur Repacks bringt, eine Lizenz von Warner erwerben würde. Aber Respekt, das ist eine von vielen ersehnte Veröffentlichung.

Staffel 1 – 2er Disc

- Wer zuletzt stirbt (The Man Who Was Death)
- Stille Nacht, blutige Nacht (And All Through the House)
- Der lebende Tote (Dig That Cat…He´s Real Gone)
- Schön wie die Sünde (Only Sin Deep)
- Die perfekte Hochzeitsnacht (Lover Come Hack To Me)
- Das Prunkstück der Sammlung (Collection Completed)

2 DVDs, Ungeschnitten und unzensiert

Bildformat: 1,33:1
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 2.0, Englisch Dolby Digital 2.0

DVD 1: Laufzeit ca. 160 Minuten

DVD 2 (Bonus):
- Einführung durch den Cryptkeeper
- Featurette: From Comic Books to Television
- Featurette: Crypt Keeper’s History of Season 1

Laufzeit Bonus ca. 57 Minuten

geschichten_staffel1

Troma zieht in den Krieg: Troma’s War

Kein Horrorfilm, sondern vielmehr ein Action- oder Kriegsfilm der gar nicht ernsten Art ist diese Megaproduktion von Troma, die sich Lloyd Kaufman und Michael Herz immerhin drei Millionen Dollar kosten ließen: TROMA’S WAR (CLUB WAR). Für Troma-Verhältnisse ist dies ein geradezu unglaublicher Batzen Geld, der benutzt wurde, ein Epos mit Trashcharakter zu schaffen. Alles beginnt mit den Überlebenden eines abstürzenden Flugzeugs, die auf einer Insel um ihr Leben kämpfen müssen. Hier bereiten Terroristen aus aller Welt die Infiltration der USA vor und töten, was ihnen in den Weg kommt. Irgendwann drehen die Passagiere den Spieß jedoch um und beginnen, gegen den erbarmungslosen Feind zu kämpfen.

Tromas_War98be7f21e425b67a359fe1fd346

TROMA’S WAR ist ein schräger Film, der alles, was Troma groß gemacht hat, in sich vereinigt. Neben harter Action, die mit blutigen Einlagen gespickt ist, gibt es auch Barbusiges zu bestaunen und so manch verdrehten Humor zu sehen und zu hören.

cover

Siamesische Zwillinge und eine mörderische Aids-Brigade, die im feindlichen Hinterland die Seuche verbreiten soll, sind da nur die Spitze des Eisbergs an Ideen, die Kaufman und Herz hier abbrennen. Dass der Film in den USA kein Erfolg wurde, kann allenfalls daran liegen, dass der Humor mitunter von extrem bissiger Art ist, so dass einem das Lachen durchaus im Hals stecken bleiben kann. Wer jedoch darüber steht, den erwartet eine actionreiche Satire, wie sie nur Troma bieten kann, und Action, wie sie in den 80er Jahren Gang und Gebe war: einer der ganz großen Klassiker der Firma.

Gedanken zu “La Bohème”

Im ZDF lief die Filmversion von Giacomo Puccinis LA BOHÈME in der Inszenierung von Robert Dornhelm mit Rolando Villazon und Anna Netrebko in den Hauptrollen. Ich bin kein großer Opernfan. Gut, ich habe noch nicht so dermaßen viele gesehen, aber darunter waren immerhin TURANDOT in der Inszenierung von Zhang Yimou und Richard Wagners TANNHÄUSER auf einer Freilichtbühne in Eutin. Aber richtig ins Herz treffen mich Opern nicht. Dabei mag ich sowohl Theater als auch Musicals, aber Opern erscheinen mir etwas arg schwermütig. Der Gesang ist schön – vor allem bei begnadeten Talenten wie Villazon und Netrebko -, aber das spricht mich nur auf einer rein technischen Ebene an. Ich fühle mich nie mitten im Stück und die Figuren bleiben mir fremd.

villazon_la_boheme_D_70144b

Das war auch bei dieser Inszenierung der Fall. Es ist freilich ein Bühnenstück auf Film, weswegen das vor Energie sprudelnde Live-Feeling fehlt, aber das versucht man mit ein paar filmischen Ideen und einer Nachbearbeitung zu kompensieren, die manchmal zu sehr mit den technischen Möglichkeiten verliebt ist, so etwa unnötigen Schwarzweißsequenzen, in denen Farbsprenkel auftauchen und die dann gänzlich in Farbe umschwenken.

38183-1674_Netrebko_Villazon_copyright_Unitel_MR_FILM_Hubert_Mican

Bei LA BOHÈME hatte ich besonders das Gefühl, dass es hier um so wenig geht. Das mag auch bei anderen Kunstformen der Fall sein, aber hier hat man die Liebesgeschichte von Mimi und Rodolfo, in der beide umeinander tänzeln, sich Arien an den Kopf schmettern, aber letzten Endes inhaltsleere Worthülsen abliefern. Das alles könnte man auch beschleunigen. Und müsste es vielleicht auch. Sicher, eine klassische Oper zu modernisieren, würde wohl unter den Kunstbeflissenen als das absolute Sakrileg angesehen, aber zumindest ich habe das Gefühl, dass die Oper sehr out of synch mit dem Publikum ist. Der Zeitgeist fehlt. Es wirkt antiquiert, verstaubt, ohne Aussage für das heutige Publikum. Dabei ist das Grundgerüst der Geschichte natürlich pure Klassik, sind es doch Liebende, die durch Widrigkeiten getrennt werden, nur um ein letztes Mal zueinanderzufinden, bevor der Tod eine der beiden Figuren ereilt.

netrebko-villazon-constanti

Ich wollte LA BOHÈME wirklich mögen, aber es hat nicht sollen sein. Naja, den Versuch war’s wert. Und irgendwann starte ich den nächsten. Vielleicht werde ich dann ja mit der Oper warm…

Buck Rogers 1934

Der Held Buck Rogers tauchte erstmals 1928 in einer Novelle auf. Nur ein Jahr später war er der erste Science-Fiction-Held, der regelmäßig Comic-Strip-Abenteuer in den Zeitungen erlebte. Und 1932 war Buck auch der Held einer eigenen Radio-Show. Dass Buck Rogers auch ins Kino kam, wissen die Meisten. Dass Buster Crabbe im zwölfteiligen Serial BUCK ROGERS CONQUERS THE UNIVERSE (1939) nicht der erste Schauspieler war, der Buck darstellte, ist jedoch nicht weithin bekannt.

Buck_Rogers_serials_1232_390x191

Tatsächlich erlebte Buck Rogers sein Filmdebüt schon im Jahr 1934. Die für den Comic-Strip verantwortliche John F. Dille Company produzierte BUCK ROGERS IN THE 25TH CENTURY, einen knapp zehnminütigen Kurzfilm, der seine Premiere auf der Weltausstellung 1934 in Chicago feierte, wobei man neben der Darbietung des Films auch Modelle der Raumschiffe ausstellte.

worlds_fair

Der Sohn des Produzenten, John Dille Jr., spielt den Weltraumhelden Buck Rogers. Seine holde Maid Wilma Deering wurde von seiner Freundin dargestellt und der Part von Dr. Huer ging an Dr. Harlan Tarbell, der auch gleich noch die Regie führte.

Der krude Film erzählt von einer Invasion der Tiger Men vom Mars, die mit einer großen Flotte in Richtung Erde fliegen. Buck Rogers stellt sich mit einer Erdflotte dem Angreifer entgegen, kann die Tigermen zurückschlagen und deren Anführer gefangen nehmen.

BLOG_buck_rogers_x3

Der Film ist das, was man heute eine Amateurproduktion nennen würde. Die Schauspieler sind Laien, die erbarmungslos übertreiben (unglaublich Dr. Huers „Good Luck, Buck!“). Die Kulissen sind wenig überzeugend und die Spezialeffekte mit dem Kampf der Raumschiffe sind meilenweit von dem entfernt, was Universal später bei seinem BUCK ROGERS-Serial bieten sollte (und was FLASH GORDON als Standard für SF-Serials der 30er Jahre festgesetzt hat). Besonders unterhaltsam sind ohnehin Dr. Huers Einlassungen, der mit Hilfe einer seiner Erfindungen die Schlacht verfolgt und sie wie ein Sportkommentator ein Fußballspiel fachgerecht bewertet. Die Qualität der Zero-Budget-Produktion zeigt sich im Übrigen auch an Dr. Huers falscher Glatze, die als solche selbst beim schlechten Erhaltungszustand des Films bestens zu erkennen ist.

BLOG_buck-easel

Zu Beginn des Films sieht man Zeichner Dick Calkins vor seinem Zeichenbrett. Er hat die Zeitungsstrips des Weltraumhelden damals regelmäßig zu Papier gebracht. Einige der Kulissen entstammten wohl einer durch die USA tingelnden BUCK ROGERS-Ausstellung, mit der für den Comic geworben wurde. Die Kostüme wurden extra für den Film hergestellt und die Raumschiffe waren Modelle aus Holz.

Aus heutiger Sicht ist BUCK ROGERS IN THE 25TH CENTURY natürlich unglaublich schlecht. Es gibt keine Qualitäten, die für ihn sprechen würden. Interessant ist er eigentlich nur noch aus filmhistorischer Sicht und weil es der erste filmische Auftritt von Buck Rogers ist. Der Untertitel des Kurzfilms lautet übrigens AN INTERPLANETARY BATTLE WITH THE TIGER MEN OF MARS.

YouTube Preview Image

Danneberg und das Phantom Commando

Für das russische Remake von PHANTOM KOMMANDO, sinnigerweise natürlich PHANTOM COMMANDO – DIE RÜCKKEHR betitelt, konnte Thomas Danneberg als Synchronsprecher gewonnen werden. Auf YouTube gibt es nun einen Clip aus dem Film, der zum einen schön zeigt, welche Ähnlichkeiten zur Vorlage bestehen, zum anderen Dannebergs Stimme in Aktion zeigen.

YouTube Preview Image

Vincent Price rezitiert “The Raven”

Ich hatte schon einmal vor ein paar Monaten einen Beitrag über Edgar Allan Poes THE RAVEN (DER RABE) gepostet und dabei ein paar Lesungen verlinkt, u.a. von Christopher Walken. Die beste Darbietung von Poes erzählendem Gedicht ist jedoch die Version, in der Vincent Price es nicht nur rezitiert, sondern auch spielt. Price’ warme und ausdrucksstarke Stimme ist wie gemacht für dieses, Poes vielleicht schönstes Gedicht. Dazu kommt, dass die Darstellung – obwohl zurückhaltend – sehr ansprechend ist und mit einfachen Mitteln die Darbietung unterstreicht.

YouTube Preview Image