Gedanken zu “La Bohème”

Im ZDF lief die Filmversion von Giacomo Puccinis LA BOHÈME in der Inszenierung von Robert Dornhelm mit Rolando Villazon und Anna Netrebko in den Hauptrollen. Ich bin kein großer Opernfan. Gut, ich habe noch nicht so dermaßen viele gesehen, aber darunter waren immerhin TURANDOT in der Inszenierung von Zhang Yimou und Richard Wagners TANNHÄUSER auf einer Freilichtbühne in Eutin. Aber richtig ins Herz treffen mich Opern nicht. Dabei mag ich sowohl Theater als auch Musicals, aber Opern erscheinen mir etwas arg schwermütig. Der Gesang ist schön – vor allem bei begnadeten Talenten wie Villazon und Netrebko -, aber das spricht mich nur auf einer rein technischen Ebene an. Ich fühle mich nie mitten im Stück und die Figuren bleiben mir fremd.

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Das war auch bei dieser Inszenierung der Fall. Es ist freilich ein Bühnenstück auf Film, weswegen das vor Energie sprudelnde Live-Feeling fehlt, aber das versucht man mit ein paar filmischen Ideen und einer Nachbearbeitung zu kompensieren, die manchmal zu sehr mit den technischen Möglichkeiten verliebt ist, so etwa unnötigen Schwarzweißsequenzen, in denen Farbsprenkel auftauchen und die dann gänzlich in Farbe umschwenken.

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Bei LA BOHÈME hatte ich besonders das Gefühl, dass es hier um so wenig geht. Das mag auch bei anderen Kunstformen der Fall sein, aber hier hat man die Liebesgeschichte von Mimi und Rodolfo, in der beide umeinander tänzeln, sich Arien an den Kopf schmettern, aber letzten Endes inhaltsleere Worthülsen abliefern. Das alles könnte man auch beschleunigen. Und müsste es vielleicht auch. Sicher, eine klassische Oper zu modernisieren, würde wohl unter den Kunstbeflissenen als das absolute Sakrileg angesehen, aber zumindest ich habe das Gefühl, dass die Oper sehr out of synch mit dem Publikum ist. Der Zeitgeist fehlt. Es wirkt antiquiert, verstaubt, ohne Aussage für das heutige Publikum. Dabei ist das Grundgerüst der Geschichte natürlich pure Klassik, sind es doch Liebende, die durch Widrigkeiten getrennt werden, nur um ein letztes Mal zueinanderzufinden, bevor der Tod eine der beiden Figuren ereilt.

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Ich wollte LA BOHÈME wirklich mögen, aber es hat nicht sollen sein. Naja, den Versuch war’s wert. Und irgendwann starte ich den nächsten. Vielleicht werde ich dann ja mit der Oper warm…

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