Es gab eine Zeit, da hieß es in einer Umfrage, dass das Publikum gerne ROGER CORMAN’S FRANKENSTEIN sehen würde. Das alleine löste sicherlich nicht Produzent Thom Mounts Wunsch aus, Corman aus dem selbst auferlegten Regie-Exil zu holen. Er hatte in den späten 60er Jahren für Corman gearbeitet und glaubte, dass es eine pure Schande war, dass er nicht mehr Regie führte. Er überzeugte ein Studio von seiner Idee und konnte ein Budget von 11,5 Millionen Dollar sichern. Corman war nicht überzeugt, ob er zur Regie zurückkehren sollten. Aber da er war, wer er war, blieb ihm keine große Wahl. Denn immerhin: “Sie bezahlen mir eine Million Dollar. Wie könnte ich da nein sagen?”

Für FRANKENSTEIN entschied man sich, weil damals, 1989, schon lange nichts mehr mit der Vorlage angestellt worden war. Corman selbst hatte den Roman FRANKENSTEIN UNBOUND von Brian Aldiss gelesen, der 1973 erschienen ist und die klassische Prometheus-Geschichte mit einem Zeitreiseelement kreuzt. Die Rechte hieran wurden erworben, wobei sich verschiedene Autoren am Skript versuchten (nachdem Corman aufgegeben hatte, es einen Praktikanten in seiner Firma schreiben zu lassen). Letztendlich wurde das fertige Skript vom Filmkritiker F.X. Feeney und Corman selbst geschrieben.

Die Story: Bei dem Versuch, eine neue Wunderwaffe zu erfinden, erzeugt der Wissenschaftler Dr. Buchanan im Jahre 2031 ein gigantisches Zeitloch, das ihn zurück ins finstere 19. Jahrhundert schleudert. Joseph Buchanan findet sich ausgerechnet an einem Ort wieder, an dem soeben ein gewisser Dr. Frankenstein ein grauenerregendes Experiment abgeschlossen hat. Und seine Kreatur fordert ein Weib – oder hört nicht auf zu morden…

Für Cormans Verhältnisse war das Budget gigantisch hoch. Und dennoch konnte er nicht aus seiner Haut. Er versuchte, so wenige Takes wie möglich zu drehen, weswegen ihn Mount immer wieder anhalten musste, nicht so sparsam zu sein. Denn in der Welt der großen Studios – der Film wurde in den USA von 20th Century Fox, im Rest der Welt von Warner vertrieben – war das Einsparen von Geld nicht zwangsweise etwas Positives. Es war verrucht und wirkte, als ob man ein minderwertiges Produkt bekommen würde.

Was Corman schon im Drehbuch strich, war eine Sexszene zwischen Mary Shelley und Buchanan. Einerseits behagte es Corman nicht, eine solche Szene zu drehen, andererseits lag dies wohl auch am enormen Altersunterschied zwischen Bridget Fonda und John Hurt. Auf jeden Fall lavierte Corman solange herum, bis diese Szene praktisch nicht mehr existierte.

Als FRANKENSTEIN UNBOUND 1990 auf den Markt kam, da waren die Kritiken durchwachsen. Die einen mochten den Film, die anderen fanden ihn zu mondän, als dass sie ihm ein Lob gegönnt hätten. An Cormans Ruf kratzte das nicht, da jene, die den Film nicht mochten, wohl der Meinung waren, Corman hätte im Alter einfach an Biss verloren. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Als Adaption des Klassikers funktioniert der Film trotz SF-Touch ziemlich gut. Er sieht auch schön gefilmt aus, was nicht zuletzt an den feinen italienischen Drehorten rund um den Comer See liegen. Zudem ist das Monster hier sehr beredt – ein Umstand, den die meisten Adaptionen von Shelleys Buch außen vor lassen.

Keineswegs ist FRANKENSTEIN UNBOUND jedoch ein Meisterwerk und der Vergleich mit Cormans Poe-Filmen fällt einem nicht mal für eine Sekunde ein. Im Grunde ist man froh, dass Corman nur diesen einen Ausflug ins Regiefach wagte, nachdem er 1971 ausgestiegen ist. Die Zeit hatte sich verändert, Corman selbst aber wohl nicht so sehr. Und so wirkt der Film auf merkwürdige Art und Weise altmodisch, was dann jedoch durch drastische Effektszenen wie den Mord an Elisabeth konterkariert wird. So erscheint der Film in sich uneins, was nicht am SF-Horror-Gemisch, sondern am Widerspruch zwischen Regie der 60er Jahre und filmischem Anspruch der späten 80er Jahre liegt. Manchmal kann man einfach nicht nach Hause zurückkehren…
Ja, der Film ist irgendwie widersprüchlich. Hatte jetzt aber auch nicht mit dem Budget gerechnet. Ich mag den eigentlih ziemlich, habe ihn aber auch schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Aber alleine Hurt ist schon das Geld wert.
Ich hatte ihn 1990 das erste Mal gesehen und fand ihn so-so. Er machte mir gestern deutlich mehr Spaß, aber er ist freilich weit von den wirklich großen Corman-Filmen entfernt, auch wenn die alle eine Ecke günstiger waren. Raul Julia als Doc. Frankenstein hat mir auch gut gefallen.
Nachdem ich die Bio (How I made a 100 Movies…) durch hatte wollte ich den Streifen auch mal wieder sehen – war eigentlich solide inszeniert und Storytechnisch nicht uninteressant. Bei großen Budgets kommt Roger aber nicht so in Fahrt, deshalb ist der Film verhältnismäßig ruhig geraten (was nicht unbedingt schlecht ist) – Fazit: recht guter Abschluss, aber kein Überflieger (das Monster sah leider etwas dämlich aus).
Wahrscheinlich hätten wir alle aber mehr davon gehabt, wenn er die 11+ Mios für ein Dutzend Filme verwandt hätte