Eins gleich vorweg: Dem aus USA herübergeschwapptem Hype in Bezug auf PARANORMAL ACTIVITY schließe ich mich nicht an. Dabei werfe ich dem Film gar nicht vor, in irgendeiner Art THE BLAIR WITCH PROJECT abrippen zu wollen. Inhaltlich haben beide Filme praktisch nichts gemein. Lediglich die Nutzung der Consumer-Kamera von den Akteuren selbst und die Mär, dass es sich um echtes Material handelt, stimmt mit dem 1999er Hit überein. Ansonsten muss man konstatieren, dass eine stilistische Entscheidung getroffen wurde. Und schließlich wirft man “normalen” Filmen auch nicht vor, dass sie “normal” gedreht wurden.

Die Story: Katie wird seit Jahren von einem Geist heimgesucht. In ihrem neuen Heim wird es von Tag zu Tag schlimmer, weswegen ihr Freund Micah nachts eine Kamera aufstellt, damit sie überprüfen können, was passiert, während sie schlafen. Was anfangs nur Geräusche sind, steigert sich zu schlagenden Türen, flackernden Lichtern und einer Geistbegegnung, die den Horror auf die Spitze treibt.

Es gibt einiges, das an PARANORMAL ACTIVITY gefällt. Die beiden Schauspieler sind ziemlich gut. Sie spielen sich praktisch selbst und sorgen so für Realitätsnähe. Selbige wird auch geboten, weil man in einem ganz stinknormalen Haus gedreht hat. Gerade durch die gewöhnliche Umgebung wird der übernatürliche Schrecken glaubwürdiger, weil er in die Normalität unserer Erlebniswelt eindringt. Auch gut sind einige der gruseligen Szenen, wobei zwei oder drei sogar tatsächlich das Zeug haben, den Horror im Kopf des Zuschauers zu platzieren und ihn dort exponentiell anwachsen zu lassen. Speziell eine der letzten Szenen im Schlafzimmer von Katie und Micah ist an Intensität kaum zu übertreffen.

Leider ist bei PARANORMAL ACTIVITY aber auch nicht alles Gold, was glänzt. Die ersten 40 Minuten ziehen sich wie Kaugummi, lassen kaum bis gar keine Spannung aufkommen und geraten derart dröge, dass man versucht ist, den Film vorzeitig abzubrechen. Ein Anflug von Spannung kommt erst nach einer knappen Dreiviertelstunde. Danach nimmt der Film deutlich Fahrt auf, aber alle Szenen, die sich nicht mit dem nächtlichen Schrecken beschäftigen, sind dennoch eher lahm ausgefallen. Die Dialoge wirken hier auch deutlich stärker gekünstelt. Das Ende lässt etwas zu wünschen übrig. Ich spoilere es hier nicht, darum nur soviel: Ihm fehlt der richtige Punch. Es erscheint nicht stimmig mit dem zuvor Gesehenen. Und es wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Aber das mag der eine oder andere auch als Stärke werten.

Lohnt PARANORMAL ACTIVITY also? Ja, durchaus, aber man darf hier nicht den großen Horrorwurf erwarten. Und auch ein Meisterwerk ist der Film nicht geworden. Aber er ist interessant umgesetzt und erfrischend originell in Zeiten, in denen das Horrorgenre von Sequels und Remakes dominiert wird. Bemerkenswert ist dabei, dass der Film so manches Mal für puren Schrecken sorgt, indem die starr montierte Kamera nur einen völlig bewegungslosen Raum zeigt. Eigentlich etwas ganz Normales, aber im Kontext des Films ist es Horror-Subtext, der beim willfährigen Zuschauer für Nervenkitzel sorgt. Leicht zu beeinflußende Gemüter könnten von dem Film auch locker stärker aufgewühlt werden. Und so oder so wird einem des Nächtens im Bett beim Hören von unerklärlichen Geräuschen zumindest ein kleiner Schauer über den Rücken laufen…