In Gedenken an Achim Höppner

Heute vor drei Jahren ist Achim Höppner an einem Herzinfarkt verstorben. Er war erst 60 Jahre alt. Ich habe Herrn Höppner als Synchronsprecher und Schauspieler immer sehr geschätzt. Er hatte eine unglaublich warme Stimme, die eine Bandbreite unterschiedlichster Emotionen bedienen konnte. Ihm zuzuhören, war einfach schön.

Erstmals aufgefallen ist mir Herr Höppner als Synchronsprecher von Ian McKellen in DER HERR DER RINGE. Herr Höppner, der in Lübeck geboren worden ist, aber über Jahrzehnte in Germering bei München lebte, hatte schon viele Jahre zuvor im Synchrongewerbe gearbeitet, doch wie bei vielen Männern wurde seine Stimme im fortgeschrittenen Alter noch um eine Oktave tiefer und sehr viel charismatischer. Er sprach nicht nur Ian McKellen, sondern auch Jon Voight, lieh nach Klaus Kindlers Tod Clint Eastwood seine Stimme und war ein beliebter Sprecher, wenn es darum ging, einen Erzähler für Dokumentationen zu finden. Es gab eine Zeit, da konnte man praktisch zu jeder beliebigen Uhrzeit durch sämtliche Sender zappen und irgendwo hörte man Achim Höppner. Er sprach regelmäßig Beiträge für GALILEO ein und war für Klassik Radio als Friedrich Epenstein der Erzähler der „Wahren Geschichte“. Sicherlich weit über 1.000 Stück hat er davon eingesprochen. Und noch heute laufen sie von Montag bis Freitag im Programm von Klassik Radio.

Ich habe Herrn Höppner nie persönlich kennen gelernt, aber ich hatte zweimal das Vergnügen, ihn live zu erleben. Herr Höppner hat sich sehr oft für soziale Zwecke engagiert und Lesungen abgehalten, deren Erlös dann Kindergärten und dergleichen zu Gute kamen. In Germering lauschte ich einmal einer Lesung von DON QUIJOTE. Etwa zwei Stunden las Herr Höppner aus den ersten Kapiteln dieses Buches und wechselte dabei zwischen Erzählerstimme und einzelnen Figuren – und das ohne jede Mühe. Selbst die Frauenrollen gab er überzeugend und mit einem großen Maß an Spielfreude zum Besten. Eigentlich hatte er geplant, im Lauf der Jahre das komplette Buch vorzulesen, aber dazu kam es leider nicht mehr.

Ein zweites Mal erlebte ich ihn als Schauspieler. Im Theater in Weilheim hatte er die Hauptrolle in einer Inszenierung von DER HAUPTMANN VON KÖPENICK übernommen. Einige seiner Kollegen in diesem Stück waren sicherlich Laien, andere waren Profis – alle spielten jedoch überzeugend. Obschon das Theater alles andere als groß war, war es nicht ausverkauft. Die ersten fünf oder sechs Reihen waren wohl gefüllt, mehr aber auch nicht. Das änderte am Enthusiasmus von Herrn Höppner und seinen Kollegen aber nichts. DER HAUPTMANN VON KÖPENICK ist eines der ganz klassischen Stücke, die vom Süden bis in den Norden auf den Bühnen der Republik gespielt werden. Ich kenne keine andere Live-Performance des Stücks, aber es fällt mir schwer zu glauben, dass irgendeine andere Inszenierung besser sein könnte. Herr Höppner ging ganz und gar in der Rolle auf. Er beherrschte die Bühne und ließ keinen Moment nach. Selbst wenn seine Figur in den Hintergrund trat, beschäftigte sie sich. In einer Szene in einem Restaurant, in dem seine Figur keinerlei Text hat, da die Handlung sich am anderen Tisch abspielt, konnte man sehr schön sehen, wie er dennoch spielte, wie er sich – stumm – mit dem Gegenüber unterhielt, wie er an der Tischdecke herumnestelte, den Hemdkragen richtete und mit dem Besteck spielte. All das passiert, aber es war nicht aufdringlich. Es war Teil der Kulisse und nicht dazu gedacht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es war wahrhaftiges Schauspiel.

Ich glaube, er liebte die Bühne am Meisten. Er hat sicherlich auch alle anderen Facetten des Schauspiels genoßen, aber das Theater war wohl seine erste (künstlerische) Liebe. In Hinblick darauf, dass er in den letzten Jahren seiner Karriere nur selten in Film und Fernsehen zu sehen war – eine seiner letzten Arbeiten war eine Folge der ROSENHEIM-COPS -, aber dafür durch Lesungen, das Einsprechen von Hörbüchern und der Synchrontätigkeit nicht nur ein vielbeschäftigter, sondern auch sehr erfolgreicher Mann gewesen ist, nannte er sich selbst einen „Reisenden in mehr oder weniger feinen Ton-Waren“.

Eine gute, eine kluge Umschreibung seiner Selbst.

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Eine Antwort auf In Gedenken an Achim Höppner

  1. Eko sagt:

    Sehr geehrter Herr Osteried,

    Vielen Dank für den Beitrag über Herrn Achim Höppner, den ich genau so wie Sie und viele viele Andere schätzen, mögen und sehr vermissen..
    Sein Werk, seine Kunst, unter anderem auch „sie glauben Bescheid zu wissen, ich erzehle ihnen die wahre geschichte“ bleiben!

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