Als vierter Titel der “Galerie des Grauens” ist DIE NACHT DER UNHEIMLICHEN BESTIEN a.k.a THE KILLER SHREWS erschienen. Und ja, direkt nach DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE ist der Film das bisherige Highlight der Edition.

Die Story: Als der Abenteurer Thorne Sherman mit seinem Partner Rook eine kleine Insel ansteuert, um die dortige Forschungsstation mit Vorräten zu versorgen, ahnt er nicht, dass er sich geradewegs in einen Albtraum hineinmanövriert. Durch ein aus dem Ruder gelaufenes Experiment treibt ein Rudel hundegroßer Nagetiere sein Unwesen. Die Monster, deren Biss obendrein giftig ist, vertilgten bereits alles Leben auf der Insel und haben es nun auf ihren Schöpfer Dr. Craigis und dessen Team abgesehen. Verschanzt in einer heruntergekommenen Hütte beginnt für die Menschen ein Kampf ums Überleben, während die Spannungen zwischen den Eingeschlossenen stärker werden. Und unaufhaltsam nagen die Monster an den maroden Wänden, um die Menschen ihrem Speiseplan hinzuzufügen

Mit einer Lauf zeit von 66 Minuten hat der Film kein Gramm Fett. Er bewegt sich rasant und auch nach 50 Jahren kann man ihm in Sachen Spannung keine Vorwürfe machen. Bei der Darstellung des farbigen Maats gilt schon eher das Gegenteil. Aus heutiger Sicht stößt die Art, wie sowohl der Farbige als auch der Mexikaner Mario dargestellt werden, unangenehm auf. Dass beide als erstes ins Gras beißen, überrascht da auch nicht. Gerade, wie Rook aus dem Weg geräumt wird, ist aber problematisch und man muss sich unwillkürlich fragen, wie viele der Texaner, in deren Bundesstaat der Film produziert wurde und die ihn zuerst zu Gesicht bekamen, freudig lachten, als sie den dicken farbigen Mann auf dem Baum um Hilfe rufen und dann hinunterstürzen sahen, nur um von den Killerratten zerfleischt zu werden.


Sieht man vom latenten Rassismus des Films ab, erweist er sich praktisch als eine Blaupause für George A. Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD. Die Umstände sind sehr ähnlich: Sieben Menschen in einem isolierten Haus, umgeben von Monstern, die nach Fleisch gieren. Für die, die gefressen werden, dürfte es dabei nebensächlich sein, ob von Zombies oder Riesenratten. Interessanter Weise wurde einiges der Stock Music dieses Films auch bei NIGHT OF THE LIVING DEAD benutzt. Wo beide differieren, ist die Darstellung des Farbigen. Wo er hier Kanonenfutter ist, ist er knapp zehn Jahre später bei Romero der Held der Geschichte.


Die Angriffe der Riesenratten sind effektiv umgesetzt. Für Nahaufnahmen benutzte man Modelle, die auch dadurch, dass sie zumeist durch Latten des Zauns oder Wandmaterial verdeckt sind, überzeugend aussehen. Bei Totalen der herumstreunenden Ratten musste man anders vorgehen: Man verkleidete Hunde. Das sieht nicht wirklich überzeugend aus – die Beine sind eben nicht die einer Ratte -, aber der Trashgehalt dieser Umsetzung ist auch nicht zu unterschätzen.


Ein paar Szenen sind freilich angestaubt, so etwa der Konflikt zwischen Thorne und Jerry, die extrem schnell vom Stapel gelassene Liebelei zwischen Thorne und Ann und natürlich das Ende auf dem Boot. Hervorragend ist hingegen die Idee, wie Thorne, Ann und ihr Vater vom Haus bis zum Boot kommen.


Regiesseur Ray Kellogg war ein Spezialeffektkünstler. Im selben Jahr inszenierte er auch THE GIANT GILA MONSTER und knapp zehn Jahre später schickte er John Wayne in THE GREEN BERETS a.k.a DIE GRÜNEN TEUFEL nach Vietnam. Die Besetzung des Films ist interessant: Baruch Lumet, der Dr. Craigis spielt, ist der Vater von Sidney Lumet und sowohl Ken Curtis als auch James Best wurden später zu Fernsehstars. Curtis spielte von 1959 bis 1975 Festus in GUNSMOKE (RAUCHENDE COLTS), während Best von1979 bis 1985 der Sheriff in THE DUKES OF HAZZARD (EIN DUKE KOMMT SELTEN ALLEIN) war.

Die DVD von Anolis ist gewohnt schön ausgefallen. Das Schwarzweiß-Bild sieht für das Alter hervorragend aus, der Audiokommentar von Christian Kessler und Ingo Strecker ist informativ und Bildergalerie nebst Super-8-Version des Films gibt es auch.