Schreiende Geigen: Paganini Horror

Luigi Cozzi ist ein Enthusiast. Das merkt man, wenn man sich Interviews mit dem Mann ansieht. Und er ist nicht nur das. Er ist auch ein Fan. Aber der Weg vom Fan zum Filmemacher und wieder zurück ist steinig. Und nicht nur mit filmischen Meisterwerken gepflastert.

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Ich habe nun PAGANINI HORROR gesehen, den letzten Film, den Cozzi 1989 gemacht hat. Danach zeichnete er nur noch für zwei Dokumentationen verantwortlich. X-Rated, wo der Film 2003 erstmalig in deutscher Sprache aufgelegt wurde, nennt das Werk vollmundig „einen der letzten großen italienischen Horrorfilme“. Einer der letzten? Mag hinkommen. Aber groß? Eher nicht.

Die Story: Eine Popgruppe bezieht ein verlassenes Haus in Venedig, um dort ein Musikvideo aufzunehmen. Der Song basiert auf einer alten Partitur, die vom Teufelsgeiger Paganini komponiert wurde. Leider schloss Paganini damit einen Pakt mit dem Teufel. Während der Aufnahmen werden nach und nach einige der Musiker ermordet. Der Geist des Teufelsgeigers geht um und hält die jungen Leute durch eine unsichtbare Barriere in dem Haus gefangen.

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Die DVD hat dankenswerterweise einen Audiokommentar. Der erhellt dieses wirre Werk immens, macht aber auch deutlich, welche Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung herrscht. Ich glaube gerne, dass Cozzi im Drehbuch, aber mehr noch in seiner Phantasie mit Symbolismus spielt und auch etwas aussagen will, aber auf der Leinwand (bzw. nun auf dem Fernseher) findet sich davon rein gar nichts wieder.

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Dass der etwa drei Tage am Dreh beteiligte Donald Pleasence den Teufel spielt, erfährt man erst in den letzten Minuten. Die Szenen, in denen er zuvor zu sehen sind, sind aber schlichtweg bedeutungslos und wirken so stimmig in die Handlung eingefügt, wie Bela Lugosi bei PLAN 9 FROM OUTER SPACE. Hört man den Audiokommentar, dann erkennt man in vielen Szenen, was Cozzi anstrebte, und sieht zugleich, was er nicht bewerkstelligen konnte. Dass die Flechte, die den Paganini-Geigen solch herrliche Klänge verleiht, auf den Menschen überspringt, ist unmotiviert und auch nur verständlich, wenn man Cozzi zuhört. Und selbst dann muss man sich mühen, dem Gedankengang zu folgen. Das Ende – eine Cozzi-Hommage an NOSFERATU – ist, wie es Cozzi selbst sagt, totaler Quatsch. Warum der Geist des Geigers vom Sonnenlicht verbrannt wird, bleibt völlig unerklärlich. Und was es mit Cozzis angedeuteten SF-Elementen auf sich hat, ebenso. Selbst der von ihm selbst postulierte Kreislauf des Lebens, nach dem das Ende ein neuer Anfang sein soll, haut nicht so hin, wie er es sich vorstellt. Was er in seinem Kommentar beschreibt, wäre ein UND WIEDER GRÜSST DAS MURMELTIER-Effekt, was man sieht, ist jedoch etwas gänzlich anderes. Manchmal hat man das Gefühl, Cozzi wäre lieber in die PHANTASM-Richtung gegangen und hätte seinen Blutgeiger zum Außerirdischen gemacht. Aber ob das dem Film nennenswert genützt hätte?

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PAGANINI HORROR ist nicht einer der letzten großen italienischen Horrorfilme. Er ist vielmehr ein letztes, zaghaftes Zucken vor dem endgültigen Tod. Ein Film, der abseits von Daria Nicolodi und Donald Pleasance Knallchargen beschäftigt hat, die selbst die Mimen von DAS KILLERKROKODIL 2 wie Oscar-Anwärter erscheinen lassen. Er hat Effekte, die selbst für italienische Verhältnisse mager sind. Und eine Kameraarbeit, die total inkonsistent ist, in einer Sekunde mit Blaufilter arbeitet, und dann wieder grelles Licht nutzt, nur um gleich wieder zum Blauton zurückzukehren. Nein, Sir, ein großer Wurf ist PAGANINI HORROR wahrlich nicht.

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4 Antworten auf Schreiende Geigen: Paganini Horror

  1. t.hohmann sagt:

    Welcher Wahnsinnige aus der X-Rated Redaktion hat den Film denn so gelobt? Meine Güte. Am meisten tut es mir um Pleasence leid – ein großer Schauspieler, der nie wirklich so groß heraus gekommen ist, wie er es verdient hätte.

    BTW: Ist meine Stargate Mail wieder nicht angekommen?

  2. Pete sagt:

    Nicht das X-Rated-Magazin, die X-Rated-DVD-Firma verkündet das auf dem Cover vollmundig.

    Nö, keine Mail angekommen. Du benutzt schon die richtige emailadresse?

  3. t.hohmann sagt:

    Aso, ichwollte schon sagen. Na dann weiß ich ja umindest, woher dieser Spruch kam.

    Natürlich benutze ich die richtige Mailadresse: Was glaubst du denn, wo ich die anderen Mails hingeschickt habe. :D Schaue vielleicht mal in den Spamordner.

  4. t.hohmann sagt:

    Auf deine Mail antwortete ich jetzt gerade direkt. Wenn du sie jetzt auch nicht hast, verstehe ich die Welt nicht mehr.

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