Ich hab Dr. Loomis Worte in den Mund gelegt

Ich hab früher gelegentlich Comics übersetzt. Das kam zustande, weil ich für das Fachmagazin HIT-COMICS tätig war und darüber erfuhr, dass man bei MG Publishing – das war der Verlagsarm des mittlerweile in die Binsen gegangenen Vertriebs Modern Graphics – nach einem Übersetzer suchte. Eins führte zum anderen und so saß ich im Frühjahr 2000 an der Übersetzung des 600-Seiten-Mangas DRAKUUN, der mitten in der Handlung abbricht, weil der japanische Autor keinen Bock hatte, die Story abzuschließen. Damals wurden Mangas noch häufig aus dem Englischen übersetzt. Keine optimale Ausgangslage, aber es dauerte, bis die Verlage genügend Japanisch-Übersetzer hatten, um die Flut an Mangas bewältigen zu können.

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Nach diesem ersten Auftrag kamen immer wieder andere daher. Mit dem damaligen Redakteur Frank Tuppi konnte ich auch ganz gut. Man laberte – auch und gerade auf Messen – über Gott und die Welt. Das hat Spaß gemacht. Das war zu einer Zeit, als ich in der Comic-Szene noch recht aktiv war und Messen wie Erlangen so etwas wie große Familientreffen waren, bei denen man all die Leute wiedersah, mit denen man ansonsten nur per Mail oder Telefon verkehrte. Ein paar Jahre später zog ich mich aus persönlichen Gründen stark aus der Szene zurück. Ich hab damals aber verschiedene MG-Titel wie RESIDENT EVIL, WWF COMIX und ALIENS VS. PREDATOR übersetzt, wahre Passion konnte ich jedoch in HALLOWEEN einfließen lassen.

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Im Jahr 2000 hatte der amerikanische Verlag Chaos Comics – mittlerweile ebenfalls mit dem Bauch nach oben schwimmend – einen ersten One-Shot produziert, der vom renommierten Autor Philip Nutman geschrieben worden ist. Das Teil war damals derart neu, dass es praktisch zeitgleich in den USA und Deutschland erschien. Darum konnte ich auch nicht mit dem fertigen Comic arbeiten, sondern hatte für die Übersetzung nur das Skript vorliegen. Das war insofern faszinierend, weil sich daran sehr schön sehen ließ, wie Nutman Comic-Seiten beschreibt.

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Das Interessante an diesem ersten Heft war, dass der sechste Film fortgesetzt wurde und man zugleich einen Rückblick erhielt, nämlich auf die Zeit, in der Dr. Loomis mit dem jungen Michael Myers gearbeitet hat. Sehr schön war auch, dass die ersten Seiten den Mord an Judith Meyers noch einmal erzählen. Ich habe mich damals bemüht, die exakten Dialoge des Films zu übernehmen, da dies auch Nutman getan hatte. Allerdings war eine Sprechblase derart klein, dass ich hier zu einer Verkürzung greifen musste.

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Dieses erste Heft erschien sowohl im normalen Comic-Format mit 32 Seiten als auch als großformatiges MOVIE MANIAX-Special mit doppeltem Umfang, wobei die zweite Hälfte des Heftes mit Artikeln rund um die Filmserie bestritten wurde. Die unter dem Signet “Chaos Special” geführte Serie debütierte – sehr passend – im Oktober 2000. Das zweite und dritte Heft folgten bis zum Dezember 2001, danach war Schluss. Das lag hauptsächlich daran, dass der US-Verlag unterging. Und das war schade, denn man hatte dort geplant, nicht nur weitere HALLOWEEN-Comics zu produzieren, sondern sich auch anderer Horrorserien wie FREITAG, DER 13. anzunehmen.

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Seit jener Zeit hat sich auch der deutsche Comic-Markt stark gewandelt. Einige Verlage sind eingegangen, andere haben praktisch im Verlauf der Turbulenzen Monopolstellung in verschiedenen Marktsegmenten erreicht. Die einstmals so beliebten Hefte gibt es fast gar nicht mehr. Sie sind Tradepaperbacks gewichen. Amüsanterweise ist der Ausstoss an Material heute aber wohl sogar umfang- und abwechslungsreicher, als er es in der Goldgräberzeit um die Jahrtausendwende herum gewesen ist.

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