Fühlen und Erleben: Horror

Manchmal gibt es Filme, die entziehen sich konsequent allen Konventionen. Solche Filme sind selten, aber es gibt sie – hin und wieder. Natürlich wird man solche Filme nur selten im Kino bewundern können, doch die DVD bietet die Möglichkeit, auch Schätze abseits des großen Einerleis entdecken und lieben lernen zu können. Dante Tomasellis HORROR ist ein solcher Film: Horror, den man fühlen, aber nicht verstehen muss.

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Die Geschichte klingt simpel, ist es aber nicht. Zwei Plots laufen parallel ab. Ein paar Jugendliche entfliehen einem Rehabilitationscenter und machen sich auf zu dem Prediger Salo Jr., dessen Haus mitten im Nichts liegt. Dort nimmt eine andere Handlung ihren Lauf. Salos Tochter, Grace, wird von ihm und seiner Frau wie eine Sklavin gehalten. Ihre einzige Freude ist die geistige Führung ihres toten Großvaters Salo Sr. Als die Jugendlichen in das Haus kommen, beginnt eine Nacht des Schreckens.

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Das klingt im Grunde wie der übliche Plot eines schaurigen Gruselfilms, doch Tomaselli interessiert sich nicht für eine kohärente Erzählung. Stattdessen setzt er auf Gefühle und lässt die Gesetze der Logik außen vor, um den größtmöglichen audiovisuellen Schrecken zu erzeugen, dessen er fähig ist. Es sind nicht Ghouls, Monster, Killer oder ähnliches, die hier beim Zuschauer für ein unangenehmes Gefühl der Bedrohung, der Angst sorgen, es ist die trostlose und surreale Darstellung der Umgebung selbst, von der der Terror ausgeht.

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Sein Film, so Tomaselli im Audiokommentar, soll keinen Sinn machen, er soll dem Zuschauer Angst machen, soll ihn das Böse erleben lassen, ohne dass es wirklich greifbar wird. Zu diesem Zweck setzt er auch das Bildnis einer schwarzen Ziege immer wieder ein, die direkt auf das Haus des Schreckens und damit auch auf den Zuschauer selbst blickt. Inmitten des Schnees symbolisiert sie das Böse, das sich langsam anschleicht, die Protagonisten umgarnt und Stück um Stück verschlingt. Ursprünglich hatte Tomaselli vorgehabt, Spinnen hierfür einzusetzen, doch als er auf die hier benutzte Ziege bei der Dawn Animal Agency, einer Agentur für tierische Schauspieler, traf, wusste er, dass sie es sein musste, die in seinem Film das Zeichen kommenden Verderbens sein sollte. Er schrieb das Drehbuch sogar um, um diesem Aspekt gerecht zu werden und änderte das Poster für den Film vollständig.

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HORROR ist nach DESECRATION, den Tomaselli 1999 inszenierte, sein zweiter Film. Wie schon beim Erstling, von dem es etwas mehr als zehn Minuten bei den Extras dieser DVD zu sehen gibt, verweigert sich der Regisseur auch hier einer leicht greifbaren Geschichte. Vielmehr operiert er auf einer künstlerischen Ebene, die vielen vielleicht langsam oder gar langweilig erscheinen mag, da der Film keine einfachen Antworten gibt, sondern zur Interpretation einlädt, wobei viele kleine Details im Hintergrund den dargebotenen Symbolismus noch verstärken. Wer geradlinige Horrorkost erwartet, ist hier vollkommen fehl am Platz.

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Ebenso wenig, wie man mit der Frage nach der Logik der Ereignisse an diesen Film herangehen darf. HORROR muss erlebt, gefühlt werden. Alles andere wäre Zeitverschwendung. Neben einem Gastauftritt von der aus SLEEPAWAY CAMP bekannten Felicia Rose ist das schauspielerische Highlight des Films der Amazing Kreskin, der sich selbst als Mentalist beschreibt. Kreskin hatte in den 70er Jahren eigene Fernsehshows und ist ein regelmäßiger Gast bei David Letterman, wo er seine Fähigkeiten der Hypnose und Beeinflussung anderer vorführt. Egal, wie man zu Kreskin stehen oder ob man ihm seine mentalen Kräfte glauben mag, ihm zuzusehen, wie er Menschen dazu animiert, seinem Willen zu gehorchen, ist äußerst faszinierend und korreliert mit dem Film. Realität und Fiktion finden hier zueinander und entlassen den Zuschauer mit einem mulmigem Gefühl und der Frage, ob es nicht mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als er sich gemeinhin vorgestellt hat.

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Eines der Extras dieser in den USA bei Elite Entertainment erschienen DVD geht auch im Besonderen auf die Fähigkeiten des Amazing Kreskin ein. Weitere Extras sind verschiedene Galerien, die Trailer zu DESECRATION und HORROR, Behind-the-Scenes-Footage und natürlich der Audiokommentar. Das Widescreen-Bild des Films wurde zwar nachbearbeitet, ist aber zum Teil recht grobkörnig. Mehr war aber wohl aus der Vorlage nicht herauszuholen – und muss es eigentlich auch nicht, denn die Erscheinung des Bildes trägt nicht unwesentlich zur unwirklichen Atmosphäre des Films bei. HORROR ist ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

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