Die Remake-Manie Hollywoods bescherte uns nun ja auch eine neue Version von Stephen Kings CHILDREN OF THE CORN aka DIE KINDER DES ZORNS. Um das Remake aus dem Jahr 2009 geht’s hier nicht, auch nicht um den Originalfilm aus dem Jahr 1984, und schon gar nicht geht es um dessen sechs Sequels. Vielmehr ist es der Kurzfilm DISCIPLES OF THE CROW, der mein Interesse geweckt hat.

Ich persönlich mag den Film von 1984. Er hat m.E. nach eine packende Atmosphäre und baut eine intensive Spannung auf. Vielleicht schätze ich den Film aber auch, weil ich ihn als zwölfjähriger Steppke gesehen und mich kräftig gefürchtet habe. Das vergisst man nicht. Und so zehrt der Film bei mir vielleicht seit jener Zeit auch von dieser Erfahrung. Wie dem auch sei, mir fiel zufällig wieder der Kurzfilm DISCIPLES OF THE CROW aus dem Jahr 1983 in die Hände, der 1991 als Kompilation mit anderen Kurzfilmen unter dem Titel NIGHT OF THE CROW in die hiesigen Videotheken kam.
Die Geschichte von Kings Story ist schnell rekapituliert: Kinder und Jugendliche stehen unter dem Bann des charismatischen Isaac. Gemeinsam beten sie Ihn, der hinter den Reihen wandelt, an. Und ihr neuer Gott erwartet ein Opfer. Den Tod jedes Erwachsenen. Einige Zeit nach dem Massaker in der Kleinstadt kommt das Pärchen Burt und Vicky dort vorbei – und findet sich in einem Albtraum wieder, denn die fundamentalistischen Kinder wollen sie töten.
DISCIPLES OF THE CROW hält sich auch an die Kingsche Kurzgeschichte. Der nur 18 Minuten lange Studentenfilm ist jedoch etwas zu kurz geraten. Bei der Darstellung der Kinder bleibt er vage. Eine Erklärung für ihr Handeln wird nur angedeutet. Würde man den 84er Film oder die zugrundeliegende Geschichte nicht kennen, man hätte wohl Probleme, die Sprünge in der Handlung gänzlich nachzuvollziehen. Eine Charakterisierung für die Kinder bleibt weitestgehend aus. Sie wird angedeutet, dann jedoch nicht vertieft. Auch Burt und Vicky bleiben, was angesichts der Kürze des Films nicht überrascht, eher schablonenhaft. Was Regisseur und Autor John Woodward jedoch richtig macht, ist die Erschaffung von Atmosphäre. In prallem Sonnenlicht schraubt der Film schnell die Spannungskurve nach oben und kulminiert in einer durchaus bedrohlichen Actionsequenz. In nur 18 Minuten schafft Woodward, was Fritz Kiersch ein Jahr später mit dem “echten” Film auch konnte: Er nutzt den ruralen Teil der USA geschickt und versieht ihn mit einem gruseligen Ambiente. Das Ende kommt zwar etwas abrupt, erscheint aber passend.
Interessant ist, dass der Kurzfilm ein Jahr vor dem echten Film entstand. Damals war er weitestgehend unbekannt, erst zum Ende der 80er Jahre begann ein findiger Geschäftsmann, solche Kurzfilme mit Kingschen Adaptionen zu Kompilationsfilmen zu bündeln und weltweit zu vermarkten. Ein Geschäft, das aufging, war Kings Name Ende der 80er Jahre doch Gold wert.
Für Regisseur John Woodward hat der Film nicht viel getan. Der Texaner inszenierte nur zwei weitere Filme: NEUROTIC CABARET (mit Edwin Neal aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE) und VICE. Seine beiden Hauptdarsteller trafen es etwas besser. Beide stammen aus Austin, Texas, und haben auch vergleichsweise viel dort gearbeitet, so unter anderem als Gaststars in mehreren Folgen von WALKER, TEXAS RANGER. Eleese Lester war u.a. in John Sayles’ LONE STAR zu sehen, während Gabriel Folse in FUTURE KILL – DIE HERAUSFORDERUNG (mit Marilyn Burns und Edwin Neal), WYATT EARP, ARLINGTON ROAD und MISS UNDERCOVER mit dabei war. Für beide stellt DISCIPLES OF THE CROW ihr Debüt dar.
Die Kompilation NIGHT OF THE CROW gibt es in Deutschland auch auf DVD.