Der 80. Geburtstag von Liselotte Pulver am 11. Oktober hätte mich jetzt nicht verleitet, ein paar Zeilen zu schreiben. Es ist dem runden Geburtstag aber wohl zu verdanken, dass Bayern 3 den Film ARSENE LUPIN, DER MILLIONENDIEB (LES AVENTURES D’ARSENE LUPIN) ins Programm gehievt hat.


Der Film entstand 1957 unter der Regie von Jacques Becker, der auch das Drehbuch verfasste, sich dabei aber nur kleiner Elemente der Vorlagen von Maurice Leblanc bediente und stattdessen eine Originalgeschichte schrieb, die leichtherzig erzählt ist und das Ressentiment gegenüber den Deutschen, das in Leblancs Geschichten, die vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verfasst wurden, vorhanden ist, außenvorlässt.

Arsene Lupin ist ein Meisterdieb, der bei einem Empfang wertvolle Gemälde stiehlt, später einen Juwelier mit einem gewieften Plan um seinen Schmuck bringt und schließlich entführt und nach Deutschland gebracht wird, denn die Baroness Mina von Kraft hat ihn wieder erkannt. In Deutschland trifft er auf Kaiser Wilhelm II., der ihn beauftragt, in seinem Schloss ein Versteck ausfindig zu machen. Denn er denkt, wenn Arsene Lupin es nicht finden kann, dann ist es wirklich narrensicher. Doch Lupin hat es auf das Geld im Tresor des Kaisers abgesehen…
Der Film ist smart erzählt, kann aber die episodische Struktur nicht verleugnen. Der Gemälderaub, der Juwelendiebstahl und die größte Kapriole in Wilhelms Schloss sind fast völlig voneinander losgelöst – bis hin zum Einführen und Entschwindenlassen von Figuren, die danach keine Bedeutung mehr haben, so die Maniküre, die Arsene Lupin überhaupt erst wieder erkennt.

Der Film verströmt französische Leichtigkeit und lebt vom charmanten Spiel von Robert Lamoureux, der Puristen zwar als alles andere denn perfekte Inkarnation von Arsene Lupin erscheint, der den Meisterdieb aber überzeugend zum Besten gibt und sich auch in den mannigfaltigen Verkleidungen des sympathischen Unholds wohl fühlt. Lamoureux spielte den Part zwei Jahre später in GEZEICHNET: ARSENE LUPIN (SIGNÈ ARSENE LUPIN) noch einmal. Im 1962er Film AUCH STEHLEN WILL GELERNT SEIN (ARSENE LUPIN CONTRE ARSENE LUPIN) war er dann nicht mehr von der Partie.

Liselotte Pulver spielt die Baroness von Kraft, die das einzige Verbindungsglied in allen Geschichten ist und den Kaiser überhaupt erst auf Lupin aufmerksam macht. Dennoch verschwindet sie bisweilen aus der Geschichte und hat erst im letzten Drittel deutlich mehr zu tun, tritt aber immer hinter Lamoureux zurück, an dessen Gusto allenfalls O.E. Hasse als Wilhelm II. heranreicht.
Der Technicolor-Film, die Sequels waren nur noch Schwarzweiß, sieht prächtig aus. Kostüme und Ausstattung sind aufwendig, die Inszenierung beschwingt und die internationale Schauspielriege mit Eifer bei der Sache. ARSENE LUPIN, DER MILLIONENDIEB ist ein Glanzstück in Sachen Meisterdiebgeschichte - und ein amüsantes Abenteuer, das auch 52 Jahre nach seiner Entstehung famos unterhält.