“Very Good Questions.”

Ich bin nicht häufig auf Conventions. Alle Jubeljahre war ich mal auf einer Fed Con oder ähnlichen Veranstaltung. 2005 war ich aber bei der Fed Con. 1. Weil Leonard Nimoy da war. 2. Weil ein Freund ein Interview mit ihm machen sollte.

Ich weiß nicht mehr, unter welchen Umständen es sich genau zutrug, aber nach einer schlaflosen Nacht im Nachtexpress und zwei Stunden mehr oder minder erholsamen Schlafes im Hotel, bin ich damals zu dem Interview mitgekommen. Ich hatte nicht damit gerechnet, aber irgendwie hatte mein Kumpel das gedeichselt. Aufgrund dessen, dass Nimoy ein alter Mann war, den der Interviewmarathon natürlich auch mitnahm, erhielten wir gerade mal knapp zehn Minuten Gesprächszeit, die wir auch noch mit einem weiteren Kollegen teilen mussten. Erfreulicherweise erwies sich der Kollege als STAR TREK-unwissend und stahl nur etwa 30 Sekunden wertvoller Zeit, als er mit der “grandiosen” Frage aufkam: “Sehen Sie sich die Serie jetzt auf DVD noch einmal an?”

Das konnte Nimoy mit ein bis zwei Sätzen beantworten und verneinen. Blieb mehr Zeit für uns, da der Kollege im Folgenden die Klappe hielt. Die erste Frage war eine, die Nimoy vermutlich noch nie zuvor gehört hatte. Mein Freund stellte sie und sie ging dahin, ob man als Schauspieler – und besonders als solcher, der auf Conventions praktisch die Liebe und Zuneigung von Tausenden empfängt - nicht Gefahr läuft, einen Gottkomplex zu entwickeln. Nimoy antwortete sehr eloquent darauf und fragte seine Frau, ob er denn schon einen solchen hätte. Man merkte ihm an, dass er deutlich mehr Spaß mit Fragen hatte, die ihm nicht schon gefühlte 1.000-mal gestellt worden sind.

Ich selbst hatte mich in keinster Weise auf das Interview vorbereitet, aber habe viel über STAR TREK geschrieben und verfolge das Franchise auch seit 1989 intensiver. Ich hatte Nimoys zweite Autobiographie gelesen und auch das sehr interessante MIND MELD-Gespräch zwischen Shatner und Nimoy gesehen. Darum schüttelte ich mir ein paar Fragen aus dem Ärmel, die wohl auch nicht in jedem Gespräch eingesetzt werden, so etwa über Nimoys Probleme mit dem Alkohol, aber auch in Bezug auf seine Offenheit in Hinblick auf seine eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten als Mensch.

Die zehn Minuten waren wie im Flug vorbei. Als wir uns von Mr. Nimoy verabschiedeten, meinte er noch: “These were very good questions.”

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das nicht beeindruckt hat. Leonard Nimoy war mir immer einer der liebsten STAR TREK-Mimen. Ihn zu treffen, war einfach ein Ereignis. Und das Lob bezüglich der Qualität der Fragen ging runter wie Öl.

Ich denke gerne an diesen Tag zurück. Das Gespräch mit Nimoy war ein berufliches, aber auch persönliches Highlight. Der Tag selbst hat auch viel Spaß gemacht und klang mit Nimoys großem Abendpanel aus. Mit meinem Freund von damals habe ich leider keinen Kontakt mehr, aber ich bin ihm immer noch dankbar dafür, dass er diesen Tag möglich gemacht hat.

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