Es ist schon ein Weilchen her, aber 2005 wurden ich und ein paar andere Journalisten von RTL2 eingeladen, bei der Synchronisation von BATTLESTAR GALACTICA zuzuschauen. Dies fand statt bei der Firma Dubbing Brothers, die ihren Sitz in Schwabing, unweit des Englischen Gartens, hat. Das Gebäude inmitten des Firmenparks zu finden, war eine nicht ganz leichte Aufgabe und der nuschelnde und nur schwer verständliche Portier machte es nicht leichter. Ich kam aber doch noch rechtzeitig, um mitzuerleben, wie Thomas Fritsch dieselben Dialog-Passagen von Commander Adama wiederholte, aber seine Betonung stets variierte.
Für die Rolle des von Edward James Olmos gespielten Adama konnte man Thomas Fritsch verpflichten, der mit seiner tiefen Stimme schon Russell Crowe im Deutschen veredelt hat. Fritsch, ein Urgestein der deutschen Synchronszene, schafft es mit seiner souveränen, wundervoll tiefen Stimme sogar, den von Olmos sehr leise und zurückhaltend gespielten Adama noch mehr Präsenz zu verleihen.
Für das Drehbuch und die Regie zeichnet Michael Brennicke (die deutsche Stimme von Chevy Chase) verantwortlich, der in dieser Position auch schon für STARGATE: ATLANTIS tätig gewesen ist. Die sprachliche Besetzung ist erstklassig. Philipp Moog (Ewan McGregor) spricht Adamas Sohn Apollo, Elisabeth Günther (Arwen in DER HERR DER RINGE und STARGATE: ATLANTIS) ist Nummer 6, Florian Halm (Johnny Depp in EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN und Jude Law in DER TALENTIERTE MR. RIPLEY) spricht Chief Petty Officer Tyrol und Philipp Brammer (Jason Priestley in BEVERLY HILLS 90210) ist als Lieutenant Gaeta zu hören. Doch das sind nur ein paar Namen eines renommierten Casts. Größter Coup ist und bleibt jedoch Thomas Fritsch, an den zuerst niemand dachte, bis bei einer Sitzung im Synchronstudio jemand auf die geradezu geniale Idee kam, ihm diesen Part anzubieten.
Fritsch nahm sich auch für meine Kollegen und mich Zeit und plauderte aus dem Nähkästchen. So erfuhren wir u.a. dass er selbst nach so vielen Filmen, in denen er Russell Crowe gespielt hatte, noch immer vorsprechen musste, da sich die zuständigen Supervisor nie sicher sind, welche Stimme sie präferieren. Und dass Fritsch gut 20 Jahre älter ist als Crowe sehen manche als Problem an, auch wenn Fritsch selbst verschmitzt meinte: “Wenn die Rolle gut ist, zieh ich mir auch ‘ne kurze Hose an.”
Im Raum des Dialog-Regisseurs durften wir Fritsch und Brennicke bei der Arbeit zusehen. Dabei merkt man schnell, was den Laien vom Profi unterscheidet, denn während beide Macher mit verschiedenen Takes nicht zufrieden waren, weil sie “Nase hörten”, fiel dies den versammelten Vertretern der schreibenden Zunft nicht im Mindesten auf.
Eine gute Synchronisation sollte man im Grunde gar nicht bemerken. Tut man es doch, ist etwas schief gelaufen. Und nach dieser Philosophie lebt man auch bei den Dubbing Brothers, die für die Synchronisation sowohl von STARGATE: ATLANTIS, als auch von BATTLESTAR GALACTICA zuständig waren. Während überall in der Branche Einsparungen gemacht werden, wollte man hier nicht auf Kosten der Qualität produzieren und so leistete man sich auch einen Cutter, der mit dem Synchronsprecher im Aufnahmestudio sitzt und mit darüber wacht, ob das deutsch gesprochene Wort synchron ist. In der Regel befindet sich ein Synchronsprecher alleine im Aufnahmeraum und spricht seinen Text ein, der später mit den Dialogen der anderen Figuren zusammengeschnitten wird. Wann immer es hier jedoch möglich ist, versucht man, bei Dialogen beide Sprecher im Studio zu haben, da der Wortaustausch auf diese Art sehr viel natürlicher gestaltet wird.
Für das Einsprechen der Texte werden die Dialoge in einzelne Takes zerlegt, die manchmal ein oder zwei Sätze lang sind, aber auch nur aus Satzteilen bestehen können. Ein guter Schauspieler kann je nach Schwierigkeitsgrad zwischen 150 und 300 Takes am Tag einsprechen, was einigermaßen deutlich macht, mit welchen Textmengen man hier Tag für Tag zu kämpfen hat.
Eine Schwierigkeit stellen immer Episodentitel dar, die oftmals weit vom Original abweichen, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass deutsche Sender Titel bevorzugen, die den Zuschauer heißmachen, sodass er auch einschaltet. Und viele der US-Titel, die oftmals nur aus einem Wort bestehen, würden bei einer direkten Übersetzung einfach nicht ausreichen.
Wir hielten uns etwa zwei Stunden in den sehr modern und sehr gemütlich eingerichteten Räumlichkeiten der Dubbing Brothers auf. Ein Blick hinter die Synchronkulissen, wie wir ihn erhielten, ist schon etwas sehr Faszinierendes, weil man aus erster Hand sieht, wieviel Arbeit, Schweiß und Mühe in einer gut gemachten Synchronisation stecken.
Interessante Geschichte. Würde ich auch gerne mal sehen. Hätte auch gar nicht gedacht, dass ausgerechnet RTL2 diesen Aufwand betreibt.
Das war halt für Publicity zum Serienstart, der damals nicht mehr lange auf sich warten ließ. Ähnliche Veranstaltungen gab es auch zum Serienbeginn von “Stargate: Atlantis” und dem Staffelstart einer späteren Season von “Law & Order: New York”. Bei letzterem hatte ich damals aber keine Zeit. Bei der Atlantis-Veranstaltung war ich jedoch und konnte Axel Malzacher erst bei der Arbeit zuschauen und mich dann ein bisschen mit ihm unterhalten. Marcus Off und Elisabeth Günther waren damals auch gerade am Einsprechen von Atlantis-Texten. Nett war, dass nur ein kleines Grüppchen an Journalisten – vier oder fünf – vor Ort waren.