Ein Eimer voller Blut

Als AIP Roger Cormans A BUCKET OF BLOOD (DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI) 1959 in die Kinos auslieferte, da hat man auch einen neunmalklugen Ratschlag parat. Um beim Publikum Interesse am Film zu wecken, sollte man verschiedene Promotions anwenden. Eine Idee war, einen überdimensionierten Eimer mit Blut umgekippt im Foyer auszustellen. Daraus sollte natürlich rote Farbe laufen, damit es stilecht wirkt. Oder aber: Pfade roter Blutstropfen sollten von strategischen Punkten in der Stadt bis zum Kino führen (sicherlich ein Unterfangen, das die Stadt besonders schätzte). Auch gut war, doch gleich eine Kooperation mit dem Roten Kreuz anzustreben und Blut spenden zu lassen, wobei man die abgezapfte Menge natürlich in Eimern angeben sollte.

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All diesen Ideen zum Trotz war A BUCKET OF BLOOD kein extrem großer Erfolg. Geld spielte er als zweiter Titel eines Double Features aber dennoch ein, da seine Produktionskosten gerade mal 40.000 bis 50.000 Dollar beliefen. Corman hatte den Film an fünf Tagen gedreht, nachdem er mit Autor Charles Griffith übereingekommen war, dass eine Horrorkomödie her musste.

Die Story: Walter ist ein zurückgebliebener junger Mann, der in einer Künstlerkneipe kellnert. Niemand nimmt ihn ernst und seine Versuche, sich auch künstlerisch zu betätigen, enden erfolglos. Doch das Schicksal meint es gut mit Walter. Als er versehentlich eine Katze tötet und den Kadaver zu einem Kunstwerk macht, bekommt er plötzlich die lange vermisste Anerkennung. Ein Künstler ist geboren. Doch Walter fertigt auch Skulpturen von Menschen an, die ein düsteres Geheimnis verbergen. Und ab sofort geht das Grauen durch die Stadt.

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Bis heute ist A BUCKET OF BLOOD der einzige Hollywood-Film, der sich der Beatnik-Bewegung angenommen hat. Die Beatniks waren eine Art Hippies der 50er Jahre. Und die Atmosphäre der live und improvisiert auf der Bühne vorgetragenen Gedichte sorgt für eine wirklich coole Stimmung. Es ist auch, wenn man so will, ein legitimer Vorläufer der heute immer populärer werdenden Poetry Slams.

Mit seiner Laufzeit von nur 66  Minuten ist A BUCKET OF BLOOD herrlich knackig geworden. Der Film nutzt nur wenige Sets – Walters Appartment, die Beatnik-Bar und ein paar Straßen -, holt aber das Maximalmögliche heraus. Die Geschichte ist eine Variation von HOUSE OF WAX (DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI), weswegen man im Deutschen auch einen Titelbezug einbaute. Und noch mehr machte, denn der deutsche Verleih produzierte eine mehrere Minuten lange Prologsequenz, die den alten Bondi zeigt, der praktisch sein Vermächtnis an Walter weiterreicht. Das hat mit dem Film wenig zu tun, ist aber herrlich skurril und auf ironische Weise poetische Gerechtigkeit, erfährt Cormans Werk doch hier die Behandlung, die er nur zu oft selbst aus dem Ausland eingekauften Filmen widerfahren ließ.

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A BUCKET OF BLOOD ist auch 50 Jahre nach seiner Entstehung noch ein Meisterwerk des Independent-Films. Er ist einer der wenigen Vertreter einer Filmgattung, die zuhauf Schrott hervorgebracht hat: die Horrorkomödie. Wie kaum ein anderer Film vereint er spannende Gruselstory mit schrägem Humor. Nur Cormans eigener THE LITTLE SHOP OF HORRORS (DER KLEINE HORRORLADEN) übertrifft A BUCKET OF BLOOD noch.

Dick Miller in seiner einzigen Hauptrolle ist schleimig, mitleiderregend und irgendwie sympathisch zugleich. Er ist ein Einfaltspinsel, der gerne ein großer Künstler wäre. Und genau darum scheitert er. Miller spielte den Part über die Jahre noch des Öfteren in Cameos in anderen Filmen wie z.B. Joe Dantes HOLLYWOOD BOULEVARD.

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1995 produzierte Corman ein Remake des Films für das US-Fernsehen. Die Rolle von Dick Miller übernimmt Anthony Michael Hall. Ansonsten gilt: nett, aber dem Original unterlegen, auch wenn die Produktionswerte höher sind. Heutzutage noch am Ehesten bemerkenswert, weil Will Ferrell hier sein Filmdebüt gab.

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Das Original ist vor kurzem als zweiter Titel in der Anolis-Reihe GALERIE DES GRAUENS erschienen und von Vertriebsseite bereits ausverkauft. Wer Interesse an dieser Roger-Corman-Perle hat, sollte sich also sputen, um noch eine DVD zu zivilen Preisen abgreifen zu können.

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