Archiv für August, 2009

Den Terminator in der Hand

Es sind manchmal Kleinigkeiten, die uns an die Vergangenheit denken lassen, die uns an lustige oder traurige Erlebnisse erinnern, die uns an liebe Menschen zurückdenken lassen. Ich weiß nicht, wie ich heute darauf kam, aber ich musste an meinen Vater denken und wie er grinsend die Terminator-VHS in der Hand hielt.

Einen Videorekorder kaufte mein Vater 1981 oder 1982. Das Ding war sauteuer. Und selbst das Ausleihen von Videokassetten hat damals noch viel gekostet. Sieben bis neun DM waren da keine Seltenheit. Die Videotheken waren damals noch klein und unscheinbar. In unserem Ort gab es sogar eine, die die Cover nicht ausstellte, um Platz zu sparen. Stattdessen steckten die Kassetten in neutralen weißen Hüllen und waren nummeriert, während man sich die Cover allesamt in Leitz-Ordnern ansehen und dann anhand der Nummer prüfen konnte, ob die Kassette da oder verliehen war.

Es gab aber auch andere Videotheken. Meine liebste war in den 80er Jahren eine, die sich “Videothek Nr. 1″ nannte. Sie war vergleichsweise klein, aber meist gut sortiert (zumindest für meine damaligen Begriffe) und hatte einen Extraraum für Pornos, aber auch indizierte Filme. Letzteres war vor allem ungewöhnlich, da sich um 1986, als das gewesen sein muss, eigentlich niemand dafür interessierte, hier streng zu trennen und somit als Familienvideothek durchzugehen.

Ich weiß noch wie heute, dass ich vor dem Regal mit den Neuheiten stand, als mein Vater aus dem Erwachsenenraum rauslugte und breit grinste. Ich sah ihn an, er grinste noch mehr und dann hob er die Hand hoch: Er hielt das schon etwas angeschlagene Cover von TERMINATOR in Händen. Die Kassette kam Ende 1985 in den Verleih, als mein Vater zwischen Tür und Angel stand, muss es Ende 1986 gewesen sein. Fast unnötig zu erwähnen, dass ich total aufgeregt war. Ein Actionfilm mit Schwarzenegger. Und dann noch Science Fiction. Besser konnte es damals für mich kaum werden. Wenig später waren wir zuhause und sahen uns den Film an. Mein junger Geist war unglaublich beeindruckt. Ein filmisches Erlebnis, das ich nicht vergesse. Aber noch toller war es, den Film mit meinem Dad zu sehen (und noch mal am nächsten Tag, einem Sonntag).

Mein Dad hielt nicht viel von FSK-Freigaben. Er wusste besser, was sein Sohn sehen konnte und was nicht. Er mochte Actionfilme und Horrorfilme. Hauptsache, “es rührte sich was”. Und beim TERMINATOR rührte sich einiges!

Mein Vater war schon ein cooler Hund.

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Roger Corman’s Fantastic Four

Lange vor dem noch immer grassierendem Comic-Film-Boom, genauer: im Jahr 1994, wurde die erste Adaption von Marvel’s First Family, den Fantastischen Vier, produziert. Bernd Eichingers Firma Constantin hielt zu der Zeit seit Jahren die Rechte an dem Stoff, geriet aber in Zugzwang. Denn die Rechte wären an Marvel zurückgefallen, wenn man nicht innerhalb einer vorgegebenen Zeit einen Film produzierte. Darum kam es zu dem Joint Venture von Roger Cormans Firma New Horizons und Constantin. Das Ziel: Eine FANTASTIC FOUR-Produktion, die von vornherein nur für den Giftschrank gedacht war.

Das sagte man natürlich weder Cast und Crew, die sich trotz mickrigem Budget ins Zeug legten und einen Film ablieferten, der freilich an der Tatsache leidet, zu wenig Geld zur Verfügung zu haben, der aber anders als das Hochglanzprodukt aus dem Jahr 2005 Charme besitzt. Die Fackel fliegt hier noch in Zeichentrick, aber das Ding-Kostüm von Optic Nerve ist um Welten imposanter als der Matschmann, als der das Ding im 2005er Film erschien.

FANTASTIC FOUR ist ein unschuldiger Film, in dem die Welt noch schwarzweiß in Gut und Böse getrennt ist. Dem entspricht auch Doctor Doom (cooles Kostüm, aber Schurke Marke Stereotyp). Auch wenn der Film seinerzeit veröffentlicht worden wäre, wäre damit wahrlich kein Blumentopf zu gewinnen gewesen. Dafür war er selbst für 1994 und Low-Budget viel zu unaufwendig, aber Comic-Fans, die das Trash-Herz auf dem rechten Fleck tragen, werden hier ihre helle Freude haben. Der Film kann komplett auf www.youtube.com in neun Teilen angesehen werden. Hier der Trailer:

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Sleepy Hollow, wie er hätte sein können

SLEEPY HOLLOW wurde von Tim Burton inszeniert, dessen natürlicher Stil für einen Stoff gotischen Horrors wie die Faust aufs Auge passt. Aber es ist interessant, darüber zu spekulieren, wie der Film unter der Leitung eines anderen Regisseurs ausgesehen hätte. Eines Mannes wie Mike Mendez. Der mag nur eingefleischten Fans des etwas ungewöhnlicheren Films ein Begriff sein, aber Mendez hatte 1995 mit KILLERS einen respektablen Festivalhit und brachte sich 1997 durch seine forsche Art bei Paramount für die Verfilmung von SLEEPY HOLLOW ins Gespräch. Da er bislang aber nur einen Low-Budget-Film gemacht hatte, war er alles andere als einer jener Regisseure, in die ein Studio ein Multi-Millionen-Dollar-Budget investiert. Aber man gab ihm 35.000 Dollar, um einen Trailer zu produzieren, mit dem er sich für Projekt praktisch qualifizieren konnte.

Innerhalb von drei Tagen drehte er mit einer Handvoll Schauspieler, ein paar wirklich schönen Kostümen und einem exzellent umgesetzten kopflosen Reiter den Trailer, der einige Schlüsselmomente der Geschichte um Ichabod Crane enthält. Das Ergebnis sieht erstaunlich gut aus und lässt ein bisschen bedauern, dass Mendez sich nicht an dem Stoff versuchen durfte. Nach Fertigstellung des Trailers war er noch in Kontakt mit Paramount, doch irgendwann reagierte man von Seiten des Studios nicht mehr und kündigte dann Tim Burton an.

Mike Mendez hat sowohl diesen Trailer als auch einige andere seiner Kurzfilme auf seiner Website www.mikemendez.com online gestellt.

Zerbrochen

Ich hatte vor ein paar Monaten einen schweren Autounfall, der noch immer nachwirkt. Gestern abend sah ich mir THE BROKEN an. Auslöser der Geschichte ist ein Autounfall, der sehr drastisch dargestellt ist. Danach konzentrierte ich mich nur noch mit halber Kraft auf die Geschichte des Films. Meine Gedanken hingen meinen eigenen Erfahrungen hinterher. Das Ereignis eines solchen Unfalls lässt sich auf einen Moment von zwei, drei Sekunden destillieren. Nach diesem Moment ist nichts mehr, wie es war. Weil man sich selbst besser erkennt, weil man darüber nachdenkt, wie das Leben vor diesem Moment war. Und ob es nach diesem Moment anders sein soll. Anders sein muss.

Ich weiß nicht, ob Sean Ellis, der Autor des Films, ähnliches erlebt hat oder sich einfach nur gut in die Situation hineindenken kann. Aber sein psychologischer Horrorfilm, der zwar ins Übernatürliche geht, funktioniert auch als Metapher auf ein traumatisches Erlebnis. Menschen verändern sich. Oder unsere Wahrnehmung uns vertrauter Personen ändert sich. Und alles fühlt sich unwirklich an. Ellis überspitzt es freilich, aber dennoch besitzt der Film eine Subebene, die sich zumindest jenen erschließen sollte, die einen krassen, unerwarteten Einschnitt in ihrem Leben erlebt haben.

Oder ich deute zuviel hinein, weil ich noch nicht ganz verarbeitet habe, was mir passiert ist. Wie sagt Phillip Seymour Hoffmans Figur in DER KRIEG DES CHARLIE WILSON so schön?

“Man wird sehen.”

Der Rabe

Edgar Allan Poes THE RAVEN (DER RABE) war von jeher eines meiner liebsten Gedichte. Übersetzungen gibt es in großer Menge, mal besser, mal schlechter, aber nichts übertrifft das Original. Besser wird es nur noch, wenn es von einem Meister seines Faches vorgetragen wird. Christopher Walken hat sich an einer Lesung versucht. Walken ist natürlich nicht der einzige, der sich an dem Stoff versucht hat. Noch bemerkenswerter ist James Earl Jones, dessen Darbietung ganz von seiner Stimme lebt und auf keinerlei Effekte setzt. Wer sich bei Youtube etwas umtut, findet schnell noch weitere Lesungen von “Der Rabe”, inklusive jener, die es seinerzeit in einer “Treehouse of Horror”-Folge von DIE SIMPSONS gegeben hat.

Christopher Walken liest “Der Rabe”:

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James Earl Jones liest “Der Rabe”

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Mein Interview mit Jamie Blanks

In der aktuellen Ausgabe von X-RATED, der Jubelnummer 50, befindet sich mein Interview mit Jamie Blanks (URBAN LEGEND, STORM WARNING, LONG WEEKEND). Das Gespräch beschäftigt sich mit seinem kompletten bisherigem Schaffen. Der Text ist 4500 Worte stark.

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Das Heft hat einen Umfang von 64 Seiten und ist ab dem 28. August 2009 erhältlich.

Endlich gesehen: THE BEING

The Being
Das kennt man ja. Über die Jahre hinweg gibt es immer wieder Filme, die will man sehen, aber aus irgendwelchen Gründen ist man nie dazu gekommen. Für mich ist THE BEING ein solcher Film. Der fiel mir in den 80er Jahren häufig in den Videotheken auf, aber irgendwie hab ich ihn nie mitgenommen. Warum, das erschließt sich mir nicht so ganz, war das Cover doch zweifelsohne cool. Möglicherweise war das einer der seltenen Fälle, in denen ich einfach wusste, dass der Film geschnitten worden ist. Das war zwar bei vielen anderen Streifen auch der Fall, aber so dolle informiert war ich seinerzeit als Teenie eben nicht.

Nun gut, den Film gibt es mittlerweile uncut auf DVD und vor kurzem fiel er mir in die Hände. Mal sehen. Interesse schon immer vorhanden? Check. Cover cool? Check. Jackie BLOOD DINER Kongs Debütfilm? Check.

Mehr als genug Gründe, sich das Werk zu Gemüte zu führen. Was soll ich sagen? In den 80er Jahren wäre ich wahrscheinlich schwer beeindruckt gewesen. Heutzutage wirkt das alles etwas , altbacken und inkompetent. Die Geschichte vom radioaktiven Mutationsmonster, das eine Kleinstadt heimsucht, während der Bürgermeister wie weiland der Kollege von Amity am liebsten den Deckel draufhalten würde, ist okay. Nichts Besonderes, aber einigermaßen routiniert umgesetzt. Das Monster sieht erlesen billig und statisch aus und wird folgerichtig bis zum Schluss auch kaum gezeigt. Die Schauspieler sind teilweise bessere Laien, teilweise offensichtlich beschämte Abgehalfterte wie Martin Landau oder Jose Ferrer.

Kurzum: Kann man sich ansehen, tut man’s nicht, hat man aber auch nichts verpasst. Vielleicht sollte ich künftig nicht versuchen, Filme, deren Cover mich vor einem Viertel Jahrhundert fasziniert haben, jetzt zu sehen. Aber wen will ich hier eigentlich verarschen. Wenn mir wieder so ein Teil in die Hände fehlt, schau ich es mir natürlich an.

Hier noch der Trailer:

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ILM in den 70er Jahren

Die Jungs und Mädels von George Lucas’ Industrial Light and Magic haben in den 70er Jahren das Feld der Spezialeffekte zweifelsohne realisiert. Das Faszinierende daran ist wahrscheinlich, dass die Firma in ihren frühen Jahren sicherlich nicht das war, was man sich heute vorstellt. Einen Eindruck von der familiären Art, wie bei ILM gerabeitet wurde, gibt es in einem Homemovie, das viele Mitarbeiter der Firma zeigt und auch mit Namen benennt, so dass man abseits der bekannten Gesichter wie John Dykstra und Dennis Muren auch einmal einen Eindruck davon bekommt, wie die Jungs und Mädels aussehen, deren Namen im Nachspann von STAR WARS auftauchen.

http://www.vimeo.com/5494280

Ian McKellen ist King Lear

Zweimal in meinem Leben habe ich Sir Ian McKellen live auf der Bühne gesehen (über das zweite Mal demnächst mehr). Beide Male waren ein unvergessliches Erlebnis. Im Jahr 2007 spielte McKellen die Titelrolle in William Shakespeares KING LEAR. Das war ein Ereignis, das ich nicht verpassen wollte. Und so machte ich mich im Sommer 2007 auf den Weg nach England, genauer London. Das war allerdings nur der erste Halt, denn KING LEAR wurde zu dem Zeitpunkt noch nicht in London aufgeführt, sondern im Courtyard Theatre in Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort von William Shakespeare.

Stratford-upon-Avon ist per se schon einen Besuch wert, und das umso mehr, wenn das Wetter sich mit herrlichem Sonnenschein präsentiert. Das lässt das kleine Städtchen mit dem Fluss beinahe wie einen magischen Ort erscheinen, jenseits von Raum und Zeit. Und selbst die durchaus vorhandenen Touristenmassen lassen sich angesichts der malerischen Schönheit des Ortes leicht vergessen.

Ein Stück von Shakespeare in seiner Heimatstätte, aufgeführt von der Royal Shakespeare Company und mit Ian McKellen in der Hauptrolle zu sehen, ist schon etwas, das man ein Leben lang nicht mehr vergisst.

Und wer das nicht live erlebte, der hat mittlerweile immerhin die Gelegenheit, eine Inszenierung des Stücks zu sehen. Im Jahr 2008 inszenierte Trevor Nunn in den Pinewood Studios mit der originalen Besetzung das Stück für eine Auswertung auf DVD. Es ist noch immer Theater, nunmehr aber deutlich bewegter, als dies auf der Bühne möglich ist, nutzt man doch auch filmische Mittel zur Erzählung der Geschichte.

Mittlerweile kann man sich diese Inszenierung auch vollkommen legal auf der Homepage von PBS ansehen. In dem Sinne, Link kopieren und 150 Minuten Zeit mitbringen:

http://www.pbs.org/wnet/gperf/episodes/king-lear/watch-the-play/487/

Shazam Casting Call

An einer Verfilmung von Captain Marvel (nicht der Marvel-Held, sondern die ehemalige Fawcett-Figur, die schon vor langer Zeit bei DC ihr Heim gefunden hat) wird ja schon ewig und drei Tage gebastelt. Eine kleine Rotte an Drehbuchautoren wurden auch schon verschlissen. Nun sollen es Bill Birch und Geoff Johns richten. Letzterer ist ein Comic-Autor, der viele angestaubte DC-Figuren kräftig aufgefrischt hat. Und da das Credo des produzierenden Studios Warners nun unglaublicher Weise vorsieht, sich an die Vorlage zu halten (ein revolutionärer Gedanke bei den Warnerschen Betonköpfen!), könnte wohl auch kein besserer Mann als Johns gefunden werden.

So mancher wünscht sich Dwayne “The Rock” Johnson als Captain Marvel, vorgesehen war er aber mal als Gegner Black Adam. Ohnehin mag er optisch nicht so recht für den supernaiven Big Cheese passen. Wenn’s nach mir ginge, würde ich ohnehin auf einen Kollegen von The Rock setzen: John Cena.

Der ist zwar schauspielerisch auch keine Leuchte, kommt aber im Film sympathisch rüber und hat die Physis des Superhelden mit dem lächerlich knappen Cape. Den Naivling wird er wohl auch einigermaßen überzeugend zum Besten geben können…

Seht her:

Captain Marvel

Captain Marvel von Alex Ross

John Cena

John Cena