Dexter hören

Der in Florida lebende Autor Jeff Lindsay hat mit „Des Todes dunkler Bruder“ sein Debüt gegeben. Und was für ein Debüt dies ist! Im Mittelpunkt der aus der Ich-Perspektive erzählten Geschichte steht der Forensiker Dexter Morgan, der ein Serienkiller ist. Doch er ist kein gewöhnlicher Mörder. Sein Stiefvater entdeckte früh die Neigungen seines Sohnes und lehrte ihn, zum einen nicht gefasst zu werden, zum anderen die richtigen Opfer zu finden. Denn Dexter tötet nicht einfach wahllos, er macht Jagd auf Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder, kurz: den Abschaum der Menschheit.

Dabei offenbart Dexter aber selbst keinerlei menschliche Züge. Er ist eine leere Hülle, die nur vorgibt, ein Mensch zu sein. Freude, Hass, Liebe – all das ist ihm fremd. Er trägt eine Fassade zur Schau und schafft es sogar, jeden zu täuschen. Oder besser: fast jeden. Denn sein Kollege Doakes glaubt schon lange, dass Dexter etwas verbirgt.

In „Des Todes dunkler Bruder“ treibt ein neuer Serienkiller in Miami sein Unwesen. Er lässt zerstückelte Leichen zurück, denen sämtliches Blut entzogen wurde. Schon bald beginnt er ein Katz- und Mausspiel mit Dexter, in dessen Wohnung er einbricht und dessen persönliche Historie er nutzt, um ihn genau dorthin zu bugsieren, wo er ihn haben will. Und Dexter genießt dies, ist der Eis-Truck-Killer doch ein Wesen ihm nicht unähnlich, jemand, mit dem er sich identifizieren kann, und letzten Endes der einzige Mensch, der ihn versteht.

Jeff Lindsay erzählt eiskalt aus der Perspektive des Mörders, schafft es mitunter ihn sympathisch wirken zu lassen. Doch jedwede Sympathie erstirbt immer wieder, wenn Dexter los legt, wenn er zeigt, dass er keine menschliche Regung kennt und man sich als Rezipient vor Augen führt, dass er im Grunde auch nichts anderes als ein Monster ist. Dexter lebt nur, wenn er tötet.

Der Stoff wurde in den USA als Fernsehserie unter dem Titel DEXTER verfilmt. Diese für das Privatfernsehen Showtime entstandene Serie hält sich in der ersten Staffel eng an die Romanvorlage, webt jedoch noch etwas mehr makabren Humor in die Geschichte ein.

Der Roman, der hierzulande von Knaur erschien, erwies sich als recht erfolgreich, weswegen auch eine Hörbuchvariante erstellt wurde, die den Roman auf sieben CDs mit einer Gesamtlaufzeit von sieben Stunden und 32 Minuten enthält. Vorgetragen wird der Roman von Alexander Bandilla, der in seine Stimme eine ungewöhnliche Kälte legt. Das ist für Dexter passend, wirkt aber immer ein wenig deplatziert, wenn er etwa den Dialog von dessen Schwester Deb spricht. Darüber hinaus betont er bisweilen sehr hart, so dass „Deb“ mehr wie „Depp“ klingt. Man gewöhnt sich einfach nicht an Bandilla. Und darum scheitert DEXTER als Hörbuch.

Die Romane sind jedoch uneingeschränkt zu empfehlen. Und die Fernsehserie gehört sowieso zum Besten, was das US-Fernsehen in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat.

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